Szene aus dem Video: Die Berliner Oma rettet den Schwan, wirft ihn über die Admiralbrücke in den  Kanal. Instagram/mizmendelson

Im Internet wird gerade eine Berliner Oma als Heldin gefeiert. Der Grund ist ein Video, das um die Welt geht und zeigt, wie eine alte Dame auf der Admiralbrücke beherzt nach einem scheinbar verirrten Schwan greift und ihn in den Landkanal wirft. Doch das hätte sie lieber nicht machen sollen, sagt der Berliner Wildtierexperte  Derek Ehlert dem KURIER.

Die Admiralbrücke in Kreuzberg ist ein Touristen-Hotspot. Und es war offenbar eine Touristin, die die ungewöhnliche Schwan-Rettungsaktion der alten Dame mit ihrem Smartphone filmte und das Video ins Internet stellte.

Das Video ging im Netz viral. Jeder lobte in den Kommentarspalten die Berlinerin für ihre mutige Tat. In dem Film ist zu sehen, wie ein Jungschwan auf der Admiralbrücke fehlgelandet ist, nun scheinbar orientierungslos nach einem Weg zum Wasser und zu seinen Artgenossen sucht. Die alte Dame sieht das Tier, versucht es zu packen, redet bei ihren Greifversuchen beruhigend auf den Vogel ein: „Bleib ruhig, ich will dir doch nichts tun“, sagt sie.

Touristin filmte Rettungsaktion

Dann schafft die Oma es, den Schwan unter den Flügeln zu ergreifen, packt das Tier wie eine Bäuerin eine Riesengans und wuchtet den schweren Vogel über das Brückengeländer und wirft ihn in den Landwehrkanal. Man hört ein Platschen und sieht, wie der Jungschwan seine Flügel schüttelt und davonschwimmt.

Die Oma versucht, den Schwan zu fangen. Instagram/mizmendelson

Die Frau, die das alles filmte, stellte später unter den Namen Miz Mendelson das Video ins Internet. Sie schreibt dazu: „Eine dramatische Rettung! Die ältere Dame tauchte auf und rettete einen heranwachsenden Schwan aus seiner misslichen Lage. Die Dame  tat einfach, was zu tun war. Schwäne sind gefährliche Vögel und können Menschen ernsthaft verletzen, aber diese furchtlose Dame hat nichts abbekommen. Als ich ihr dankte, lächelte sie mit den hellsten blauen Augen, die ich je gesehen habe.“

Wildtierexperte Derk Ehlert Benjamin Pritzkuleit

Die Frau, die das Video drehte, hatte gar nicht einmal mit ihrem Kommentar unrecht. „In der Tat können Schwäne gefährlich werden“, sagt Berlins Wildtierexperte Derk Ehlert. „Er hätte in der Aufregung mit seinem Schnabel, der auch als Waffe verwendet wird, auf die Frau hauen können. Das hätte im wahrsten Wortsinn auch ins Auge gehen können.“

Auch für den Schwan sei die Aktion nicht ganz ungefährlich gewesen, sagt Ehlert, der das Video natürlich auch gesehen hat. „Sie hätte beim Zupacken auch das Tier verletzen, etwa einen Flügel brechen können“, sagt er.

„Es ist natürlich richtig, und es freut mich auch, wenn Menschen in der Großstadt versuchen, Wildtiere in Not zu helfen“, sagt Ehlert. „Doch bei den meisten solcher Rettungsaktionen sind in Wahrheit die Tiere gar nicht in einer Notlage – so wie auch dieser Schwan es offensichtlich nicht war.“

Mit beherztem Griff hat die alte Dame den Vogel gepackt, wirft ihn über das Brückengeländer. Instagram/mizmendelson

Sicher, der unerfahrene Jungschwan wollte garantiert nicht auf der Brücke, sondern im Wasser landen. „Das wird er nicht zum ersten Mal getan haben. Schaut man sich genau das Video an, sieht man, wie das Tier zu dem Weg neben der Brücke will, um ans Wasser zu kommen.“ Die Situation sei wie der klassische Fall bei Menschen, wenn man einer älteren Dame über die Straße helfen will, sie es aber gar nicht möchte. Im Fall des Tieres war es ähnlich. Es hätte seinen Weg sicher zum Wasser gefunden. Durch das beherzte Zupacken der Oma kam der Schwan nur schneller in den Kanal.

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„Wildtiere müssen schon ernsthaft in Gefahr sein, wenn man ihnen helfen will“, sagt Ehlert. „Etwa, wenn der Schwan verletzt gewesen wäre. In solchen Situationen ist es ratsam, Hilfe zu holen. Entweder bittet man Passanten – oder man ruft die Polizei.“