Überall Gefahr

Berlin rutscht und matscht durch den Winter

Glatteis, Schneematsch und Streusalz-Verbot machen Straßen und Gehwege zur dauerhaften Gefahr.

Author - Tobias Esters
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Brauner Schneematsch in der Mollstraße in Berlin-Mitte: An vielen Kreuzungen wird jeder Schritt und jede Fahrt zum Risiko.
Brauner Schneematsch in der Mollstraße in Berlin-Mitte: An vielen Kreuzungen wird jeder Schritt und jede Fahrt zum Risiko.Lena Zander/Berliner KURIER

Berlin matscht und schlittert durch den Winter. Glattes Eis, schmutziger Schneematsch und kaum geräumte Straßen machen den Alltag für Tausende zur Gefahr. Statt sicherer Wege erwartet Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger derzeit eine rutschige Mischung aus gefrorenem Schneebrei und spiegelglatten Flächen. Der Winterdienst kommt nicht hinterher.

Glatteis-Gefahr durch Eisregen und Frost bleibt hoch

Nach Angaben des Deutscher Wetterdienst herrscht weiterhin erhöhte Glättegefahr durch gefrierenden Regen und Schneeregen. In den Nächten sinken die Temperaturen um den Gefrierpunkt, tagsüber taut der Schnee leicht an – nur um abends wieder festzufrieren. Das Ergebnis ist eine harte, gefährliche Eisschicht, die sich wie ein Film über Straßen und Gehwege legt.

Auf den Straßen ist es matschig und die Gehwege sind spiegelglatt.
Auf den Straßen ist es matschig und die Gehwege sind spiegelglatt.Lena Zander/ Berliner KURIER

Auf den Straßen bildet sich ein brauner, schmieriger Matsch, auf dem Autos ins Rutschen geraten. Manche Kreuzungen gleichen einem kleinen Schlachtfeld aus Eis und Dreck. Markierungen sind kaum noch zu erkennen, das Fahren wird zum Risiko.

Das Streusalz-Verbot macht Gehwege wieder gefährlich

Kaum sind Berlins Gehwege mit Streusalz halbwegs sicher gemacht, ist das „weiße Gold“ schon wieder verboten. Nach wenigen Tagen wurde die Nutzung für Privatleute erneut untersagt – sehr zur Freude der Naturschützer vom NABU Berlin, die erklärten, das Salz gehöre in die „qualifizierten Hände“ der Berliner Stadtreinigungsbetriebe. Nur die Stadtreinigung darf nun noch streuen, während die Berliner wieder zuschauen müssen, wie Gehwege und Nebenstraßen vereisen.

Kreuzungen in Berlin sind eine absolute Zumutung.
Kreuzungen in Berlin sind eine absolute Zumutung.Lena Zander/Berliner KURIER

Unfälle häufen sich, Staus werden länger, der Verkehr stockt. Gleichzeitig kämpfen viele Pendler mit Ausfällen im Nahverkehr. In dieser Woche gab es große Probleme bei der U2 und U3 aufgrund der Witterungsbedingungen.

Straßen vor dem KaDeWe werden zur Rutschpartie

Wie gefährlich die Situation ist, zeigt auch ein Video vor dem KaDeWe in Schöneberg. Statt geräumter Wege finden Passanten dort eine glatte Mischung aus Eis und Schneematsch. Jeder Schritt wird zum Risiko, viele gehen nur noch vorsichtig in Zeitlupe. Von entspanntem Einkaufsbummel keine Spur.

Klimatologe Karsten Brandt von donnerwetter.de macht den Berlinern im Gespräch mit dem KURIER aber etwas Hoffnung. Ab Donnerstag werden Temperaturen um die 6 Grad erwartet. Matsch wird es dann immer noch geben, aber zumindest die Glätte könnte dann Geschichte sein. Doch solange es noch nachts weiter friert, bleibt die Lage angespannt.

Für viele Berliner ist klar: So darf es nicht weitergehen. Sie fordern mehr Einsatz, bessere Koordination und vor allem sichere Wege. Denn aktuell fühlt sich der Winter in der Hauptstadt weniger nach Jahreszeit an – und mehr nach täglicher Rutschpartie mit hohem Verletzungsrisiko.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com