Himmelsspektakel

Jetzt versaut uns der Winter auch noch die Polarlichter in Berlin

Wolken, Nieselregen und Glätte machen dem seltenen Himmelsspektakel einen Strich durch die Rechnung.

Author - Tobias Esters
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Polarlichter über der Müggelspree im Berlin-Köpenick in Berlin.
Polarlichter über der Müggelspree im Berlin-Köpenick in Berlin.www.imago-images.de

Eigentlich hätte es ein magischer Moment werden können: Grüne und violette Lichter am Himmel, tanzend über Berlin und Brandenburg. Doch statt Polarlicht-Romantik gibt es für die Hauptstadt aktuell nur Grau, Nieselregen und Eis. Der Winter macht den Berlinern nun sogar beim Blick in den Himmel einen Strich durch die Rechnung.

Sonnenaktivität sorgt für großes Polarlicht-Potenzial

Klimatologe Karsten Brandt von donnerwetter.de erklärt im Gespräch mit dem Berliner KURIER, warum die Chancen auf Polarlichter derzeit in den Nächten so hoch sind. „Wir haben aktuell sehr viele und sehr große Sonnenflecken. Das bedeutet grundsätzlich ein hohes Potenzial für Polarlichter“, sagt Brandt. Auf der Sonne sei derzeit enorm viel los – riesige Ausbrüche schleudern geladene Teilchen ins All.

Doch das allein reicht nicht. „Damit wir hier etwas sehen, muss der Ausbruch genau die Erde treffen – und dann auch noch Deutschland“, erklärt der Meteorologe. Und selbst dann gibt es keine Garantie. Denn als drittes Hindernis kommt das Berliner Winterwetter hinzu: dichte Wolken, Nebel und Sprühregen.

„In der Nacht auf Sonntag liegt die Chance auf Polarlichter bei etwa 30 bis 40 Prozent“, sagt Brandt. „Das ist nicht nichts – aber es gibt keine Garantie.“ Polarlichter ließen sich eben nicht so exakt vorhersagen wie Regen oder Sonne. „Das ist immer noch ein bisschen Zauberei. Manchmal wartet man die ganze Nacht – und plötzlich sind sie da. Oder eben gar nicht.“

Berlin verschwindet unter einer Nebeldunstglocke.
Berlin verschwindet unter einer Nebeldunstglocke.Florian Thalmann/Berliner KURIER

Aber in Berlin und Brandenburg stehen die Chancen derzeit schlecht. „Berlin und Brandenburg sind leider ziemlich zu“, so Brandt. Dichte Wolkendecken versperren den Blick nach oben. Auch im Norden, wo Polarlichter grundsätzlich häufiger zu sehen wären, sieht es momentan trüb aus. Die besten Chancen gebe es derzeit eher im Westen und Südwesten, etwa in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg.

Grau, Glätte und Frust statt Polarlichter über Berlin

Während andere Regionen zumindest hoffen dürfen, sitzen die Berliner weiter im Winter-Blues fest. „Hier haben wir Null Grad, mit Matsch, Glätte und schlechter Luft“, beschreibt Brandt die Lage. Und jetzt raubt das Wetter der Hauptstadt auch noch die Aussicht auf ein seltenes Naturschauspiel.

Hoffnung auf Polarlichter bleibt bestehen

Dabei ist die Sonnenaktivität so hoch wie seit Jahren nicht. Brandt ist deshalb optimistisch: „Ich würde fast versprechen, dass wir die Polarlichter in den nächsten Wochen noch sehen werden. Da ist einfach zu viel los auf der Sonne.“ Die Frage sei nur wann und ob dann auch der Himmel über Berlin endlich aufreißt.

Hoffnung macht die Wetterprognose ab Mitte der Woche. Dann sollen die Temperaturen auf bis zu sechs Grad steigen. Mit etwas Glück lockert es auch häufiger auf. „Ab Mittwoch könnte es wieder bessere Chancen geben“, sagt Brandt. Geduld sei jetzt gefragt.