Am späten Abend blickten viele Berliner überrascht nach oben. Der Himmel leuchtete plötzlich in kräftigem Rot und Grün. Ein Sonnensturm hatte in der Nacht Polarlichter über Deutschland ausgelöst – ein seltenes Schauspiel in unseren Breiten. Sichtbar waren sie nicht nur in Berlin und Brandenburg, sondern vom hohen Norden bis hinunter zu den Alpen. Und heute Abend könnte es weitergehen.
Ein geomagnetischer Sonnensturm
Der Deutsche Wetterdienst bestätigte einen starken geomagnetischen Sonnensturm. Wegen seiner Intensität seien die Lichter außergewöhnlich weit südlich zu sehen gewesen. In Berlin zeigte sich das Farbspiel von Marzahn über Lichtenberg bis Köpenick, aber auch in Stadtteilen wie Wedding und Steglitz.
Eruptionswolke raste ungewöhnlich schnell durchs All
„Wir hatten eine stärkere Eruption der Sonne und die ist jetzt bei uns angekommen“, erklärt DWD-Meteorologe Markus Bayer. Die Sonneneruption schleuderte geladene Teilchen Richtung Erde. Das Erdmagnetfeld lenkt sie bei solchen Stürmen zu den Polen. Dort dringen sie in die Atmosphäre ein. „In den oberen Schichten der Atmosphäre treffen die geladenen Teilchen auf Luftmoleküle und regen diese zum Leuchten an.“

Der Sturm erreichte am Montagabend die zweithöchste Warnstufe G4, wie die US-Behörde Noaa meldete. Bei dieser Stärke kann es zu Störungen bei Satelliten kommen. Auch GPS-Systeme könnten zeitweise ausfallen.
Die Eruptionswolke der Sonne raste ungewöhnlich schnell durchs All. Laut der Plattform Spaceweather benötigte sie nur rund 25 Stunden bis zur Erde. Normalerweise dauert dieser Weg drei bis vier Tage.

Polarlichter entstehen, wenn Protonen und Elektronen des Sonnenwinds auf das Magnetfeld der Erde treffen. Entlang der Feldlinien gelangen sie zu den Polarregionen und kollidieren dort mit Sauerstoff- und Stickstoffatomen. So entstehen die typischen Farben: überwiegend Grün, aber auch Rot und Blau/Violett – je nach Höhe und Gasart.

Bekannt sind Polarlichter seit der Antike. Meist erscheinen sie als Bänder, Vorhänge oder flackernde Flammen am Himmel. In den Mythen der Inuit heißt es, die Geister der Verstorbenen spielten am Himmel Ball – ein Walrossschädel, der hin und her geworfen wird, bringe den Himmel zum Leuchten.
Es könnte sein, dass wir heute Abend noch mal das Glück haben, Polarlichter zu sehen. „Mal sehen, wie lange das reicht“, sagt Monika Staesche, Direktorin am Planetarium am Insulaner. Sie würde heute Abend zwar nicht darauf wetten, aber dass es weiterginge, wäre nicht ungewöhnlich. „Es ist bei uns leider jetzt hell, gerade haben die Leute in den Vereinigten Staaten die Show.“


