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Aus für Kiez-Kneipe: Warum hat „Alt-Berlin“ keinen Platz mehr im neuen Berlin?

Ein letzter Blick ins „Alt Berlin“: Die gemütliche Kneipe in der Münzstraße muss schließen, weil ein Investor das Haus saniert.

Ein letzter Blick ins „Alt Berlin“: Die gemütliche Kneipe in der Münzstraße muss schließen, weil ein Investor das Haus saniert.

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Mitte -

Hier ist Schluss mit Kneipen-lustig: Die Bierstube „Alt Berlin“ musste nach 121 Jahren schließen. Am Sonntag war die letzte große Feier. Ein Investor hat das Haus in der Münzstraße gekauft und will jetzt sanieren.

Wo Berlins schicke Mitte residiert, werden Alteingesessene vertrieben. Neue Modeläden, High-End-Boutiquen und Hipster-Kaffeebuden schießen wie Pilze aus dem Boden. „Eleven Paris“ (Accessoires, seit Januar 2014), „UnoDe50“ (Schmuck, seit Frühjahr 2013) und „Porsche Design“ (Luxuskleidung, seit Ende 2012) dominieren das heutige Bild der rund 200 Meter kurzen Münzstraße.

Das neueste Opfer heißt „Alt-Berlin“: Die gemütliche Bierstube auf 70 Quadratmetern muss weichen, der Hamburger Investor Harm-Müller-Spreer lässt das Haus sanieren. Die dunkle Kiez-Kneipe hat früher und später Prominente angezogen. Einst hat Bertolt Brecht auf die mit Holz vertäfelten Wände geblickt. Dann zog es Bill Murray oder Quentin Tarantino in die von Stammgästen liebevoll nach den Ex-Inhabern „Heinz und Inge“ genannte Kneipe. Jetzt ist Schluss!

Gibt es für die Münzstraße einen Masterplan, der Mode statt Gastronomie vorschreibt? „Ja und nein“, sagt Bezirksstadtrat Carsten Spallek dem KURIER. Um die Jahrtausendwende seien Bebauungspläne verabschiedet worden, die die Ansiedlung von neuen Kneipen verhindern sollten, erklärt Spallek. Jetzt gebe es eine andere Situation: „Nicht die Bebauungspläne haben die Gastronomen verdrängt, sondern gestiegene Mieten“, sagt Spallek, der gerne die verbliebenen gastronomischen Einrichtungen gern schützen würde: „Jetzt bräuchten wir einen Kneipensicherungsplan.“

Der neue älteste Betrieb in der Münzstraße ist das 1982 eröffnete „Marcus Bräu“. Inhaber Marcus Barkowsky beobachtet seit Jahren die Veränderungen: „Angefangen hat es mit dem ,Adidas’-Laden“, sagt der 38-jährige Wirt. Im September 2001 zog die Modemarke mit den drei Streifen in das unter Denkmalschutz stehende Eckhaus Münzstraße 14/16. Damit ist der Modeladen in der „neuen“ Münzstraße ein alter Hase. Das bestätigt Assistent Store Managerin Sandra Rux: „Hier sind viele Geschäfte raus. Dass es die kleinen trifft, ist schade.“ Trotzdem attestiert sie der Münzstraße ein besonderes Flair: „Die Atmosphäre hier ist typisch Berlin-Mitte.“