Ü60 hinter Gittern

Berlin kämpft mit immer mehr Knast-Opis

Die Gesellschaft wird immer älter. In Berliner Gefängnissen wächst darum auch die Zahl älterer Häftlinge. Knäste rüsten um, doch es fehlt an Pflegeplätzen.

Author - Jana Hollstein
Teilen
Immer mehr Menschen verbringen ihren Lebensabend im Gefängnis.
Immer mehr Menschen verbringen ihren Lebensabend im Gefängnis.imago

In Berlins Gefängnissen sitzen immer mehr Senioren ein. Nach Zahlen der Senatsjustizverwaltung sind zurzeit 134 Häftlinge 60 Jahre und älter. Weitere 13 Senioren warten in Untersuchungshaft auf ihren Prozess, 20 sitzen sogar in Sicherungsverwahrung in Tegel.

Immer mehr Senioren sitzen in Berliner Gefängnissen ein

Der Trend ist eindeutig: In den vergangenen zehn Jahren ist der Seniorenanteil in Berlins Gefängnissen von vier auf 6,5 Prozent geklettert. Insgesamt waren im letzten Jahr rund 8670 Menschen inhaftiert, fast jeder Dritte davon noch ohne Urteil in U-Haft.

Ein Großteil der Ü60-Knackis sitzt dabei im offenen Vollzug. Dort dürfen die Insassen tagsüber raus – zur Arbeit, zu Beratungsterminen oder sogar zur Familie. Wie eine Sprecherin der Justiz erklärte, gibt es an zwei Standorten spezielle Stationen, die auf ältere Gefangene zugeschnitten sind.

Gefängnisse müssen für Senioren-Knackis aufrüsten

Doch die Gefängnisse kommen baulich an ihre Grenzen. Die landeseigene Immobilienmanagement-Gesellschaft (BIM) hat bei Rundgängen „diverse Umbaubedarfe“ entdeckt: zu enge Zugänge, fehlende Barrierefreiheit, sanierungsbedürftige Sanitäranlagen. Schritt für Schritt soll nachgebessert werden. Breitere Wege, angepasste Bäder, und bei Neubauten sollen Senioren gleich mitgedacht werden.

In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wittlich ist eine neue Pflegeabteilung für ältere Gefangene eingerichtet worden.
In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wittlich ist eine neue Pflegeabteilung für ältere Gefangene eingerichtet worden.Harald Tittel/dpa

Eigene Pflegeabteilungen gibt es in den Berliner Haftanstalten bislang nicht. Wird ein Häftling pflegebedürftig und ist im normalen Vollzug nicht mehr unterzubringen, geht es ins Justizvollzugskrankenhaus. Immerhin: Wegen der alternden Gesellschaft plant die Justiz im geschlossenen Männervollzug eine eigene Station für ältere und pflegebedürftige Inhaftierte. Auch beim geplanten Ausbau der Sicherungsverwahrung soll so ein Bereich entstehen.

Immer mehr Gefängnisse bieten Knastkomfort für den Lebensabend

Berlin ist mit dem Problem nicht allein. Auch andere Bundesländer rüsten auf für Knast-Omas und -Opas mit Rollator. Im benachbarten Brandenburg gibt es in der JVA in Brandenburg an der Havel eine eigene Abteilung mit neun Plätzen für „lebensältere Gefangene“. In Sachsen existiert eine Ü60-Station in der JVA Waldheim, in Nordrhein-Westfalen im Gefängnis Bielefeld-Senne.

Vorbildlich zeigt sich Rheinland-Pfalz. In der JVA Wittlich wurde im Januar eine neue Pflegeabteilung eröffnet, auch für Häftlinge aus dem Saarland. Dort gibt’s größere Zellen, Pflegebetten, barrierefreie Bäder, Notrufknopf und sogar eine Gemeinschaftsküche. Knastkomfort für die letzte Lebensphase – Zeiten ändern sich, selbst hinter Gittern.

Was ist Ihre Meinung zu dem Thema? Schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com