Perspektivwechsel

Holger Friedrich und Mathias Döpfner diskutieren im historischen Theater Ost

In der Reihe „Perspektivwechsel“ steigen am 2. März zwei Publizisten in den Ring, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten. Streit und Dialog – beides ist willkommen.

Author - Berliner KURIER
Teilen
Podiumsdiskussion im Theater Ost -Perspektivwechsel
Podiumsdiskussion im Theater Ost -PerspektivwechselMarkus Wächter/Berliner Zeitung

Wenn die Bühne im Theater Ost am 2. März abermals zum Debatten-Austragungsort wird, darf man getrost von einer historischen Begegnung sprechen: Ost und West, verkörpert durch die Verleger Mathias Döpfner und Holger Friedrich, treffen quasi auf Augenhöhe aufeinander – knapp 36 Jahre nach der Wiedervereinigung durchaus ein Novum. Denn bis 2019 gab es keinen ostdeutschen Verleger von der Dimension eines Holger Friedrichs; das Tageszeitungsgeschäft war gesamtdeutsch in westdeutscher Hand.

Mitspracherecht für den Osten

Die jüngst gegründete Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (OAZ) will dem nun entgegenwirken – und trifft dafür auf einen Mann, der noch vor drei Jahren ein pauschales Urteil über die Ostdeutschen in privaten Chats abgab: „Die Ossis sind entweder Kommunisten oder Faschisten. Dazwischen tun sie es nicht“, schrieb Döpfner damals, geleakt durch Die Zeit.

blz

Das Theater Ost in Berlin-Adlershof, 1952 vom Bauhaus-Schüler Franz Ehrlich im Auftrag des DDR-Fernsehens erbaut und heute denkmalgeschützt, ist selbst ein Stück ostdeutscher Mediengeschichte – von hier wurde bis 1991 die „Aktuelle Kamera" ausgestrahlt. Die Berliner Zeitung wiederum, Holger Friedrichs Flaggschiff, ist die erste deutsche Tageszeitung, die nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde: Sie erschien erstmals am 21. Mai 1945 und war bis zur Wiedervereinigung ausschließlich in Ost-Berlin verbreitet.

Döpfner steht wie kaum ein anderer für jene publizistische Großmacht, die sich aus dem West-Berliner Nachkriegsmoment in die globale Medienökonomie katapultiert hat. Friedrich hingegen verkörpert eine ostdeutsche Erzählung, die sich nicht länger mit der Rolle des Beobachteten zufriedengeben will. Denn selbst drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung ist der Osten in vielen Redaktionen Objekt, selten Subjekt – obwohl die Ostdeutschen rund 20 Prozent der Bevölkerung stellen.

Am 2. März werden damit nicht nur zwei Persönlichkeiten aufeinandertreffen, sondern zwei historische Erfahrungen: hier der westdeutsche Verlagstitan, sozialisiert im Selbstbewusstsein kultureller Dominanz – dort der ostdeutsche Unternehmer, der ein Mitspracherecht für den Osten einfordert. Hoffentlich wird es ein Streit, hoffentlich ein Dialog.

Theater Ost, „Perspektivwechsel" mit Holger Friedrich und Mathias Döpfner am 2. März um 19.30 Uhr. Ausverkauft. Live Online schauen unter ostdeutscheallgemeine.de oder www.berliner-zeitung.de