36 Jahre nach der Wiedervereinigung erscheint in Deutschland eine neue Zeitung – und das spannendste Medienprojekt des Jahres 2026: die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (OAZ). Ihr Anspruch ist ungewöhnlich klar formuliert und ebenso ungewöhnlich notwendig: dem gesamtdeutschen Gespräch eine vierte Himmelsrichtung zurückzugeben.
Deutschland spricht viel über den Osten, selten mit ihm
Denn während Deutschland oftmals über den Osten spricht, aber seltener mit ihm, will die OAZ ostdeutsche Perspektiven nicht länger als Sonderfall, Defekt oder Ausnahme begreifen, sondern als selbstverständlichen Teil der gemeinsamen Wirklichkeit. Nicht als Korrektiv, nicht als Protest – sondern als Normalisierung.
Die Ausgangsthese ist einfach, aber weitreichend: Ostdeutschland hat innerhalb einer Generation erlebt, was anderen Teilen Europas erst bevorsteht – tiefgreifende Transformation. Neue Verwaltungsstrukturen, modernisierte Infrastruktur, wirtschaftliche Neuausrichtung. Was andernorts als theoretische Zukunftsaufgabe gilt, ist hier gelebte Erfahrung. Die OAZ versteht dieses Wissen nicht als Rückblick, sondern als Ressource für ein Land, das zunehmend mit Veränderung umgehen muss.
Zugleich richtet die Zeitung den Blick auf die großen Fragen von Verantwortung und Zuständigkeit. Wo werden Entscheidungen getroffen? Wo entziehen sich Institutionen ihrer Verantwortung, indem sie sie so lange verteilen, bis sie verdunstet? Warum wirken staatliche Strukturen in Deutschland oft schwerfälliger als die Ingenieure, die dieses Land international berühmt gemacht haben?
Die OAZ verspricht, genauer hinzusehen – und Kontext vor Kommentar zu stellen. „Wir beschreiben, Sie bewerten“ lautet der Leitsatz. Eine Haltung der Zurückhaltung, die im gegenwärtigen Medienbetrieb fast schon avantgardistisch wirkt.
Leser werden bei der OAZ aktiv eingebunden
Auch die Leser sollen aktiver eingebunden werden als in herkömmlichen Modellen. Mit den Formaten „Open Source“ und „Open Door“ öffnet die OAZ den redaktionellen Prozess für geprüfte Bürgerbeiträge und Themenvorschläge. Die Idee dahinter: Viele Menschen im Osten wollen nicht weniger Demokratie, sondern mehr Mitwirkung – und weniger Hürden im Alltag.
Hinter der Gründung stehen bekannte Namen: Verleger Holger Friedrich, der neben der Berliner Zeitung die Weltbühne und den Berliner Kurier verantwortet, und Chefredakteur Dorian Baganz, zuvor Wirtschaftsressortleiter beim „Freitag“ und Gründer des Nachhaltigkeitsressorts „Grünes Wissen“. Geschäftsführer ist Dirk Jehmlich, der die organisatorische und strukturelle Umsetzung verantwortet.

Die Redaktion arbeitet dezentral – in Dresden, Magdeburg, Berlin, Cottbus, Jena, Leipzig, Rostock und Weimar. Bundes- und geopolitische Themen entstehen gemeinsam mit der Berliner Zeitung.
Ostdeutsche Allgemeine Zeitung ist bundesweit erhältlich
Die OAZ erscheint freitags als Printausgabe für 3,90 Euro sowie montags bis samstags als ePaper, ergänzt durch eine täglich aktualisierte Website. Sie ist bundesweit erhältlich, im Osten flächendeckend, im Westen gezielt an Knotenpunkten und im ausgewählten Handel. Finanziert wird sie ausschließlich aus Lesererträgen und marktwirtschaftlichen Einnahmen – ein Ansatz, der die redaktionelle Unabhängigkeit stärken soll.
Die Stimmen der Verantwortlichen lassen keinen Zweifel an der Ambition des Projekts. „Manche unserer Entscheidungen werden Erwartungen widersprechen. Das ist Absicht“, sagt Verleger Holger Friedrich. Journalismus, so seine Überzeugung, müsse Annahmen prüfen statt Vorurteile bestätigen – selbst dann, wenn man damit zunächst allein stehe.
Bei der OAZ gibt es keine Brandmauern. Mit Mauern haben wir in Deutschland keine guten Erfahrungen gemacht.
Chefredakteur Baganz formuliert es auf seine Weise: „Bei der OAZ gibt es keine Brandmauern. Mit Mauern haben wir in Deutschland keine guten Erfahrungen gemacht.“ Für Geschäftsführer Jehmlich schließlich ist die OAZ eine Vollendung der Wiedervereinigung: eine Zeitung, die ostdeutsche Perspektiven selbstverständlich in den nationalen Diskurs einfügt.
Berliner Verlag wagt mit der OAZ den nächsten Schritt
Der Berliner Verlag befindet sich nach einem strukturellen Turnaround im dritten Jahr profitabler Entwicklung – und wagt mit der OAZ seinen nächsten großen Schritt. Es ist ein Schritt, der mutig wirkt in einem Medienmarkt, der eher schrumpft als wächst. Und gerade deshalb könnte dieses Projekt zu einem Symbol werden: dafür, dass neuer Journalismus dort entsteht, wo lange niemand mehr hinsah. Dafür, dass die Zukunft der Medien vielleicht nicht im Rückzug liegt, sondern im präzisen, unaufgeregten Hinsehen.


