35 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung kommt mit der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung (OAZ) eine neue Zeitung aus dem Osten auf den Markt, und sie hat den Anspruch, zum Leitmedium zu werden.
Der letzte Versuch eines eigenständigen Ostmediums liegt 33 Jahre zurück. Das Projekt der Ost-Taz musste nach zwei Jahren wegen ideologischer und ökonomischer Herausforderungen eingestellt werden. Die Macher waren ihrer Zeit voraus: Der Markt war noch nicht reif für ein emanzipiertes Angebot aus dem Osten für ganz Deutschland.
Doch „jegliches hat seine Zeit“, und so haben wir den Eindruck, dass der Gesprächsfaden heute wieder aufgenommen werden kann. Es benötigt ein ostdeutsches Leitmedium, um emanzipiert an gesellschaftlichen Debatten teilnehmen und eigene Perspektiven einbringen zu können – ohne Denunziation, ohne Verzerrung und ohne Framing.
Unsere Wettbewerber reagierten umgehend auf die OAZ
Wenn die Zeit- und Aufbau-Autorin Jana Hensel in ihrem letzten Buch schreibt: „Die Ostdeutschen haben sich vom demokratischen System weitgehend verabschiedet“, möchten wir dagegenhalten: Die Ostdeutschen machen von ihrem Grundrecht der freien Wahl – wofür viele von ihnen vor 35 Jahren auf die Straße gegangen sind – Gebrauch. Mit ihrer Teilhabe an den vom Gesetzgeber vorgesehenen demokratischen Prozessen der Meinungsbildung weisen sie auf verfassungskonforme Weise politische und mediale Underperformer in ihre Schranken und damit auch häufig genug Opportunismus aus ostdeutschen Sphären.
Mit der OAZ wollen wir den Beweis erbringen, dass mit auf Erkenntnis ausgerichteter Diskurskultur mehr möglich ist. Mehr für die Menschen in Ostdeutschland, mehr für Gesamtdeutschland, mehr für uns alle. Allein die Vorbereitungen zur OAZ – die wir im September 2025 unter dem Projektnamen „Halle“ gestartet hatten – bewegten verblüffend viel.

Unsere Wettbewerber reagierten umgehend. Sie setzten Ost-Seiten auf, stellten Redakteure mit Ost-Erfahrung ein und gaben dem Osten mehr Raum in ihren etablierten Strukturen. Manche boten uns Unterstützung an, denn gesunder Wettbewerb hilft einer Gesellschaft doppelt: zu wachsen und resilient zu werden.
Zeit, den ostdeutschen Stereotypen zu widersprechen
Erwartbar reproduziert der unsouveränere Teil des Medienmarktes die üblichen hilflosen Floskeln: „Dunkeldeutschland“, „Kremlfreunde“, „Antisemitismus“, „Steigbügelhalter“, „Stasi“. Sie können scheinbar nicht anders. Es sind Stigmatisierungsreflexe, mit denen allzu oft auf ostdeutsche Initiativen, ostdeutsche Biografien und ostdeutsche Wortmeldungen reagiert wurde.
So oft, dass die Ostdeutschen beginnen, sich von der westdeutschen Idee unseres wiedervereinten Deutschlands abzuwenden. Dessen Teil sie werden wollten, jedoch ohne sich zu verbiegen, ohne sich zu entschuldigen, ohne sich erneut unterordnen zu müssen.
Den kommunikativen Flurschaden haben die wenig vornehm agierenden Herausgeber der FAZ, der Süddeutschen, der Taz, der Zeit und des Spiegels zu verantworten. Sie hatten die Möglichkeit, zum Diskurs einzuladen und das transformatorische Wissen der Ostdeutschen zu heben. Sie haben sich für einen anderen Weg entschieden.

Es ist an der Zeit, den ostdeutschen Stereotypen energischer zu widersprechen, Repräsentationslücken zu schließen und eine ostdeutsche Erzählung zu verstärken. Wir gehen der Grundsatzfrage nach, die sowohl den deutschen Medienmarkt als auch die Weltpolitik betrifft: Wollen wir eine faire, sozial ausbalancierte Gesellschaft mit Regeln, die für alle gelten, oder wollen wir einseitige Vorteile und Wettbewerbsverzerrungen akzeptieren, sie gar verteidigen?
Interessenkonflikte infizieren die Steuerungsgremien
In Zeiten moderner Kommunikationsmittel ist leichter als je zuvor erkennbar, ob man sich für eine fair gestaltete Welt engagiert – oder für den kleinen Vorteil, vorgebend, für „etwas einstehen zu wollen“.
Der kleine persönliche Vorteil, der sich optimieren lässt, wenn man nur laut genug RECHTS oder LINKS schreit, um den nächsten Fördermittelantrag zu stellen oder den nächsten selbstbestätigenden Artikel lanciert, der als Begründung für das eigene Einkommen auf Kosten der Allgemeinheit herhält. Auch diese Haltung hat dazu beigetragen, den Osten zur Geisel eines politischen und medialen Opportunismus zu machen, der ihm bis heute im Weg steht, ihn aufhält.
Denn eine Vielzahl von Interessenkonflikten infiziert unsere Steuerungsgremien, die für das Gemeinwohl in Deutschland wesentlich sind. Diese Interessenkonflikte entfalten toxische Wirkungen, die uns doppelt schädigen. Sie behindern Fortschritt und machen uns gegenüber systemischen Wettbewerbern angreifbar. Mit etwas gutem Willen ist leicht erkennbar, wer den Dialog sucht, wer Kommunikation erweitern und wer sie einschränken möchte, wer hofft, mit Verboten die Kreativität, den Wunsch und den Willen nach freier individueller Entfaltung einschränken zu können.
Wir verzichten auf staatliches oder staatsnahes Geld
Der Osten Deutschlands hat sich vor mehr als 35 Jahren seine Chance auf diese freie, individuelle Entfaltung auf der Straße, an den Runden Tischen erstritten und sie genutzt. Obwohl die Rahmenbedingungen mitunter nicht gerecht waren und auch zukünftig nicht sein werden. Das können wir beklagen – oder aber beschließen, etwas härter zu arbeiten, um die zweifellos vorhandenen Chancen trotz suboptimaler Rahmenbedingungen zu nutzen.
Abgesehen davon, dass es anstrengender ist, macht es Spaß, sich gegen Widrigkeiten durchzusetzen und denen, die einen scheitern sehen wollen, das Gegenteil zu beweisen. Dieser Spaß sollte unserem Projekt anzumerken sein. Nicht nur daran, dass wir bessere Partys feiern; auch an der Freude, mit der wir in kurzer Zeit dieses Projekt aus dem Boden stampften.

Ohne Querfinanzierungen, ohne staatliches oder staatsnahes Geld. Auf Anregung und mit tätiger Hilfe von Bürgern aus Ostdeutschland und vielen Extrarunden der Mitarbeiter der Ostdeutschen Medienholding, des Berliner Verlags und des Ostdeutschen Verlags, der nunmehr in Dresden angesiedelt ist.
Bei den Mitarbeitern des Berliner Kuriers, der Berliner Zeitung, der Weltbühne und nun der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung möchten wir uns herzlich bedanken. Nicht nur für ihre Arbeit und die Extrarunden, sondern vielmehr für ihren Mut und den Beweis, dass Würde nicht käuflich ist.
WIR WOLLEN DIE VERHÄLTNISSE ZUM TANZEN BRINGEN!
Wir haben genauso viel oder wenig Respekt vor den Verhältnissen, wie den Menschen aus dem Osten Respekt entgegengebracht wird. Die OAZ soll ein nächster Schritt sein, das Aufschlagen eines neuen Kapitels, in dem es um Agieren auf Augenhöhe geht. Um Selbstachtung und Mut zum Optimismus.
Denn die transformatorischen Erfahrungen der Menschen aus dem Osten, auch der migrantischen Communitys, sind das interessanteste Humankapital, das Deutschland für die anstehenden Veränderungen vorhält. Das anzuerkennen, fällt dem weitgehend westdeutsch geprägten Establishment schwer.
Angesichts der uns umgebenden Chancen und Risiken aus Technologieentwicklung, Demografie und geopolitischen Machtadjustierungen sind die Konzepte der Bundesrepublik 1985 erkennbar überholt. Sie mögen in Oberfranken oder im Hochsauerlandkreis noch eine Zeit lang gültig sein. In der Welt, in Europa, in Deutschland, erst recht in Ostdeutschland, sind sie längst irrelevant. Die Kanzler Scholz und Merz sind wahrscheinlich ähnliche Exponenten eines Übergangs, wie es die Ministerpräsidenten Modrow und de Maizière waren.

Weil Politik und Medien viel zu eng kooperieren, drohen sie, den an sich attraktiven Gesellschaftsvertrag einer sozialen Marktwirtschaft zu zerstören. Zu oft werden Inkompetenz, Machtmissbrauch, Verantwortungslosigkeit und Ineffizienz im Politik- wie Verwaltungsapparat toleriert. Häufig genug scheint Gesinnung wichtiger als Ergebnisse.
Der Osten Deutschlands weiß, wie es aussieht, wenn eine Ideologie von der Wirklichkeit überholt wird. Die Politik wird ausgetauscht, nicht das Volk. Wenn sich Grüne, SPD und CDU nicht energischer hinterfragen, werden Linke, BSW, AfD und unabhängige Kandidaten sie zu Recht noch stärker herausfordern. Das ist Demokratie at its best.
Der mediale Unfug über den Osten hat einen Ursprung
Im Widerspruch zur medialen Erzählung entwickelt sich im Osten Deutschlands viel Neues. Hätte Teslas einzige europäische Gigafactory in Baden-Württemberg eine Chance gehabt? Sie steht in Brandenburg. Jeder dritte europäische Chip kommt aus Sachsen. Dort stehen Hightech-Forschungs- und Produktionsstandorte, die internationales Know-how voraussetzen. Die neuen KI-Rechenzentren der Schwarz-Gruppe werden nicht in Hessen, sondern in der Lausitz gebaut. Und sie werden nicht von Nazis betrieben, sondern von hochqualifizierten Mitarbeitern aus der ganzen Welt.
Auch zeigt sich religiöse Toleranz, wenn neue Moscheen im Osten Berlins und im thüringischen Erfurt errichtet werden. Die jüdische Chabad-Gemeinde wächst im Osten Deutschlands. Und in der Nähe Erfurts steht ein hochinnovatives chinesisches Batteriewerk, das zwar nicht mit Gebeten, doch mit interkulturell wirksamen Werten betrieben wird. Überhaupt Thüringen: politisch massiv unter Druck und doch Ort der Aufklärung, des kultivierten Austauschs – wenn auch eher in Ettersburg als im Landtag.
Der mediale Unfug über den Osten begründet sich auf anderen Interessenlagen, die es offensiv zu diskutieren gilt. Wie schon im Mai letzten Jahres geschrieben, haben wir seit dem Kauf des Berliner Verlags 2019 viel über Medien als Machtwerkzeuge gelernt. Nicht nur wir wissen um die Beißreflexe eines etablierten Systems, wenn dessen Orthodoxien infrage gestellt und der exklusive Zugang zu diesem System geöffnet wird. Zudem haben wir viel über – entschuldigen Sie die direkte Benennung – nützliche Idioten gelernt.
Der Wettbewerb im Osten Deutschlands ist eröffnet
Mittlerweile haben diese Erfahrungen auch Kollegen neuer Medien machen dürfen. Debanking, Stigmatisierung bis hin zur Sanktionierung sind Stichworte im Kampf um Deutungshoheiten. All unsere Erfahrung werden wir einbringen, damit die OAZ für die Menschen in Ostdeutschland parallel zu etablierten Strukturen wirksam wird.

Wir und viele andere wollen, dass die Nichtverantwortlichkeit der politischen Klasse und der steigende Druck auf den Einzelnen nicht länger akzeptiert werden. Wir haben Zeit, Geld und Leidenschaft investiert. Jede und jeder Interessierte ist eingeladen, auf Augenhöhe daran mitzuwirken, dass der Dreiklang von Einigkeit und Recht und Freiheit auch im 21. Jahrhundert unsere Leitmelodie bleibt.

