Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge darf für ihr Bauprojekt im Karlshorster Ilse-Kiez derzeit nicht mit Rodungen und dem Rückschnitt von Gehölzen beginnen. Ihren Eilantrag auf Sofortvollzug hat das Verwaltungsgericht Berlin abgelehnt.
Naturschutz nicht ausreichend berücksichtigt
Für die Anwohner der großen grünen Innenhöfe sind es gute Nachrichten aus dem Gerichtssaal. Ihr Einsatz für den Erhalt ihrer Innenhöfe hat sich gelohnt. Denn die Wohnungsbaugesellschaft Howoge ist vorerst mit ihrem Eilantrag, Bäume und Sträucher noch vor Beginn der Schutzperiode zu roden, gescheitert.
Was ist passiert?
Nachdem der BUND Berlin Klage gegen die Rodungsgenehmigung eingereicht hatte, versuchte die Howoge, diese im Eilverfahren auszuhebeln. Doch das Gericht schob dem einen Riegel vor. Der Artenschutz wiegt in diesem Fall schwerer als der Zeitdruck des Bauherrn.
Warum das Gericht so entschieden hat
Das Gericht unterstreicht damit, dass die Schutzmaßnahmen für lokale Tierarten – insbesondere den Haussperling und die Zwergfledermaus – rechtlich unzureichend sind. Die Ersatzflächen sind kein bezugsfähiges Habitat. Die im Herbst gepflanzten Hecken sind noch zu jung, um den Vögeln als echter Ersatzlebensraum zu dienen.
Die Argumentation deckt sich mit einer weiteren Entscheidung in ähnlicher Sache zu den grünen Innenhöfen im Pankower Schlosspark-Kiez. Für den Ilse-Kiez wurde festgestellt, dass es lückenhafte Gutachten gibt. Bei der Planung wurde der Erhaltungszustand der Fledermaus-Population nicht ausreichend belegt.
Anwohner kämpfen weiter für ihre Höfe
Für den Ilse-Kiez bedeutet das einen Rodungsstopp bis zum Herbst. Die Anwohner betonen: Wohnungsbau darf nicht rücksichtslos auf Kosten gewachsener grüner Kiez-Oasen gehen. Sie wollen weiter für eine klimagerechte Stadtentwicklung kämpfen, die Versiegelung vermeidet und den Bestand schützt, statt ihn zu vernichten.
Der Ilse-Kiez, eine aufgelockerte Siedlung aus zehn vier- und fünfgeschossigen Blocks zwischen Ilse-, Liszt- und Marksburgstraße in Karlshorst, soll seit vielen Jahren bebaut werden. Bereits vor neun Jahren wurden die Pläne bekannt. Kurz darauf gründete sich die Bürgerinitiative „Rettet den Ilse-Kiez“. Anwohner und die Bezirkspolitik kämpfen seitdem für den Erhalt der drei weitläufigen Innenhöfe mit Spiel- und Bolzplätzen, Bäumen und Büschen.
Nachdem auch auf Bezirksebene in Lichtenberg der Widerstand gegen das Projekt wuchs, zog die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen das Verfahren an sich.
In der Ende der 1950er-Jahre gebauten Siedlung will die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge laut Website 237 Mietwohnungen in zehn Gebäuden mit vier bis fünf Geschossen und einem Gebäude mit sechs Geschossen bauen.




