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Mobbing, Schikane, Drohungen: Wenn der Clan nebenan haust

Abdulkadir O

Abdulkadir O. im Herbst 2018.

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Richard

Spandau -

Die Hausbewohner leben in Angst. Ihr Traum von der kleinen Eigentumswohnung ist zum Albtraum geworden. Das liegt, so behaupten sie, an einem Mann – Abdulkadir O. (36). Spitzname: Tyson-Ali. Er lebt in der Wohnung unten rechts und gehört laut „Spiegel“ zum Umfeld des berüchtigten R.-Clans. Ihm wird vorgeworfen, die Nachbarn zu mobben und zu schikanieren. Die Polizei führte deshalb vor wenigen Tagen eine Razzia bei ihm durch.

Kot-Haufen vor der Wohnungstür

Zerstochene Reifen, SMS-Drohungen, Kot-Haufen vor der Wohnungstür: Die Menschen im Haus an der Falkenhagener Straße haben in den letzten Jahren die Hölle erlebt. Nachbar Abdulkadir O. (1,83 Meter, rund 120 Kilo) und Lebensgefährtin Fatma H. sollen für 265 Vorfälle verantwortlich sein – allein zwischen 2016 und 2019. Das klingt fast zu krass, um wahr zu sein. Aber nachdem Betroffene diese Vorwürfe zuerst im „Spiegel“ erhoben hatten, bekräftigten sie ihre Aussagen am Sonnabend gegenüber dem KURIER. Ein Blick ins Vorstrafenregister zeigt zudem: O. war bereits Tatverdächtiger in über 300 Kriminalfällen. Er hat 28 Einträge im Zentralregister – Körperverletzung, Beleidigung.

Tatverdächtiger in über 300 Kriminalfällen

„Uns traf der Terror zum ersten Mal kurz nach dem Einzug im Herbst 2017“, sagt Klaus-Dieter Nisch, der mit seiner Frau Karla eine Eigentumswohnung im Haus besitzt. Erst habe Kot unter der Fußmatte geklebt, dann seien Türschloss und Türspion zerstört worden. „Inzwischen mussten wir das Schloss 17 Mal und den Spion 13 Mal austauschen“, sagt Nisch. Als ihm klar geworden sei, dass es im Haus einen Störenfried gibt, sei er auf Abdulkadir O. zugegangen. „Aber dieser Mann will kein Gespräch“, sagt Klaus-Dieter Nisch. „Er baut sich immer nur bedrohlich eine Nasenspitze entfernt vor einem auf.“ Allein die Nischs haben in zwei Jahren 57 Mal Strafanzeige gegen O. erstattet. Heute verfluchen sie den Tag, an dem sie 180.000 Euro für ihre Eigentumswohnung ausgegeben haben.

Hausbewohner Klaus-Dieter Nisch leidet unter den Mobbing-Attacken.

Hausbewohner Klaus-Dieter Nisch leidet unter den Mobbing-Attacken.

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Richard

Von ähnlich schlimmen Erfahrungen berichtet Hildegard Jagodschinski (59). Sie sagt: „Mein Auto wurde zerkratzt, nachdem ich mich mit Herrn O. über meinen Parkplatz gestritten hatte.“ Er habe seinen Motorroller immer absichtlich so abgestellt, dass für ihr Auto kein Platz mehr blieb. „Ein zweiter Konfliktpunkt ist mein Balkon“, sagt Jagodschinski. Sie könne ihn nicht mehr benutzen, weil er ständig mit rohen Eiern beworfen wird. Von Eiergeschossen berichten auch andere Nachbarn.

Diese Schilderungen werfen zwei Fragen auf: Sind sie wirklich wahrheitsgemäß – und warum sollte Abdulkadir O. seine Nachbarn terrorisieren? Fakt ist: Das Berliner Landgericht hat Abdulkadir O. bereits in einem Fall wegen des Dauer-Streits im Haus verurteilt. Er wurde nach einer Reizgas-Attacke auf Ex-Nachbar Taha A. wegen gefährlicher Körperverletzung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Hinzu kommt: Die Polizei durchsuchte erst vor wenigen Tagen die Wohnung, in der O. mit Fatma H. und sechs Kindern lebt. Grund der Razzia: Die Schäden im Haus und Post-Diebstahl.

Hildegard Jagodschinski hat genug von dem ständigen Ärger im Haus.

Hildegard Jagodschinski hat genug von dem ständigen Ärger im Haus.

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Richard

Laut „Spiegel“ hat Abdulkadir O. seine 2014 bezogene Wohnung nicht selbst gekauft. Eigentümerin sei eine junge Frau mit deutschem Namen, die 2017 großen Ärger mit der Berliner Staatsgewalt bekam. Es ging um insgesamt sieben Wohnungen , die womöglich mit Beutegeld aus Verbrechen gekauft worden waren. Eine Verbindung gibt es offenbar auch zwischen Abdulkadir O. und dem arabischen R.-Clan. Ein Foto zeigt Clan-Chef Issa R. (51) zusammen mit O. auf der Beerdigung des 2018 erschossenen Intensivtäters Nidal R. († 36).

Hausbewohner mutmaßen, dass Abdulkadir O. sie solange schikanieren soll, bis sie alle ausziehen und der Clan die Eigentumswohnungen übernehmen kann. Mit solchen Methoden soll der R.-Clan auch bereits Kleingärtner in Treptow bedrängt haben (KURIER berichtete). Ziel war es offenbar, die Gartenanlagen zu übernehmen.

Abdulkadir O. redet nicht mit der Presse. Er sitzt in seiner Wohnung und schweigt.