Die Idee der Tangentialverbindung Ost (TVO) ist nicht neu. Schon zu DDR‑Zeiten wurde die Stadtschnellstraße geplant. Der nördliche Abschnitt entstand in den 1970er‑Jahren: die Märkische Allee, die Marzahn mit Biesdorf verbindet. Der südliche Teil, die Spindlersfelder Straße in Köpenick, wurde erst in den 2000er‑Jahren gebaut. Was bis heute fehlt, ist der wichtige Mittelabschnitt von sieben Kilometern, der die Bezirke Marzahn‑Hellersdorf und Treptow‑Köpenick direkt miteinander verknüpfen soll. Doch es ist ein kostspieliges Vorhaben.
Düstere Prognose für TVO-Projekt
Wie teuer wird die TVO am Ende wirklich? Diese Frage lässt sich nicht so leicht beantworten. Sicher ist nur: billig wird es nicht. Die Senatsverwaltung rechnet derzeit mit rund 350 Millionen Euro – allerdings basiert diese Zahl noch auf einer Schätzung aus dem Jahr 2023.
Schon damals hieß es, eine präzise Berechnung sei wegen instabiler Preise kaum möglich. Heute klingt das eher wie ein Blick in die Glaskugel. Die Verwaltung sagt selbst, die realen Kosten würden höher ausfallen. Und mehr noch: „Würde die aktuelle Baupreisinflation im derzeitigen Tempo fortgesetzt werden, müsste die Kostenschätzung noch weiter nach oben korrigiert werden.“

Im Doppelhaushalt 2026/2027 findet sich eine düstere Prognose: Die Fertigstellung werde nicht vor 2035 erwartet. Bis dahin könnten die Gesamtkosten allein baupreisbedingt auf sagenhafte 632.495.327 Euro anschwellen. Ein Betrag, der das Straßenprojekt in eine völlig neue Dimension rückt. Eine verbindliche Kalkulation sei das aber nicht, betont die Senatsverwaltung.

Warum eine 7‑Kilometer‑Straße zum Millionenfresser wird
Eine Frage drängt sich auf: Wie kann eine sieben Kilometer lange Straße so enorm teuer werden? Legt man die bisherige Schätzung von 350 Millionen Euro zugrunde, ergibt sich ein unglaublicher Wert von knapp 486 Euro pro Zentimeter Straße. Die Erklärung der Senatsverwaltung: Es handele sich um ein „außerordentlich komplexes Bauvorhaben mit diversen Ingenieurbauwerken“.

Ein Blick in die 2024 ausgelegten Planunterlagen zeigt, was damit gemeint ist. Darin tauchen Begriffe auf wie teure Bodenfilter, „Herstellung eines Brückenbauwerks“ oder der vollständige „Rückbau und Neubau des Knotenpunktes Märkische Allee“. Hinzu kommen Überführungen über Gleise und Straßen – alles Maßnahmen, die finanziell schwer ins Gewicht fallen. Dazu schreibt die Senatsverwaltung: „Auch die Kosten für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen und Lärmschutzmaßnahmen sind erheblich.“
Wer soll das überhaupt bezahlen?
Und damit zur drängendsten Frage: Woher soll das ganze Geld kommen? Die Antwort lautet bisher: Niemand weiß es so genau. Zwar wurden Fördergelder von rund 26 Millionen Euro zugesagt, allerdings ausschließlich für die Planung. Weitere Fördermittel können erst beantragt werden, wenn alle Unterlagen geprüft sind. Das passiert frühestens nach dem Erörterungstermin.




