Schüsse in Kreuzberg. Schüsse in Wedding. Schüsse in Neukölln und Tegel. Schüsse auch in Köpenick und zuletzt auch in Schöneberg. Seit Tagen häufen sich diese Art von Meldungen in Berlin. Was ist los in der Hauptstadt?
Immer mehr Schießereien in Berlin
Benjamin Jendro (36) von der Gewerkschaft der Polizei Berlin: „Wir erleben gerade eine Welle. Aber wer jetzt von einer neuen Eskalationsstufe spricht, verkennt, was seit Jahren auf Berlins Straßen passiert.“ Der Pressesprecher weiter: „Wir hatten auch in der Vergangenheit solche Schusswaffen-Wellen. Was wir jetzt erleben, ist eine wirklich hohe Taktung an gewalttätigen Schusswaffenvorfällen.“
Jendro ergänzt: „Wir beobachten eine Durchbewaffnung der Szene. Die Protagonisten haben gefühlt alle Schusswaffen, und wir reden keinesfalls nur über kleine Kaliber.“
Türken laufen Clans den Rang ab
Doch woher stammen die Täter? Benjamin Jendro erklärt: „Wir sehen einen Kontext in die Türkei. Das ist nicht sofort mit der uns bekannten Clan-Kriminalität gleichzusetzen. Wir haben schon Protagonisten, die wir aus dem Bereich Clan, arabische Großfamilien kennen. Auch die tauchen bei den Personenüberprüfungen auf. Aber wir haben jetzt auch Gruppierungen aus der Türkei. Ob hier immer ein Clan verantwortlich ist, müssen die Ermittlungen zeigen.“

Machtkampf um neue Reviere in Berlin ist entbrannt
Türkische Kriminelle versuchen, in der deutschen Hauptstadt Fuß zu fassen. Sie wildern also dort, wo arabische Clans seit Jahren aktiv sind. Es entbrennt ein Kampf um die Aufteilung neuer Reviere. Wer hat die Macht übernommen?
Jendro klärt auf: „Über Rocker spricht gar keiner mehr. Oder über deutsche Gruppierungen, die früher an der Diskothekentür standen und entschieden haben, wer reinkommt und wer Drogen vertickt. Die wurden über die Jahre aus dem Geschäft gedrängt. Nun haben wir wieder neue Protagonisten, die vordringen und vielleicht den etablierten Gruppierungen wie Clans ein bisschen den Kampf ansagen. Es ist offensichtlich, dass Einfluss auf Berlins Straßen und OK-Geschäftsfelder (Organisierte Kriminalität, Anm. d. Red.) neu ausgelotet wird.“

Doch warum drängen türkische Gruppen ausgerechnet nach Berlin? Jendro: „Das türkische Innenministerium hat im Bereich der Organisierten Kriminalität die Zügel angezogen. Deswegen wird es gerade für den einen oder anderen ungemütlich in der Türkei. Wir sehen jetzt schon, dass auch Leute hierherkommen, die gar nicht unbedingt wohnansässig sind, die aber auf bestehende Kontakte zugreifen können.“
Geldwäsche, Drogenhandel und Prostitution locken Kriminelle
Der Vorteil hier? „Deutschland ist ein Geldwäscheparadies“, erklärt er. „Hier gibt es eine Menge Bereiche, in denen man auf kriminelle Art und Weise schnell Geld machen kann: Drogenhandel, Handel mit Waffen und Antiquitäten, Prostitution oder Schutzgeldabpressung.“
Es gibt also viel zu tun. Aber die Strafverfolgung ist nicht immer einfach. Jendro: „Bei den Ermittlungen ist sicherlich ein Problem, dass die ja nicht mit einem reden, also weder die Opfer noch die Täter. Das macht es uns so schwer. Sie schießen sich gegenseitig über den Haufen, sind sich aber dahingehend einig, nicht mit der Polizei zu reden.“





