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SPD will Social-Media-Verbot für Kinder: Ein Schutz, der kaum umsetzbar erscheint

Kinder hängen stundenlang am Handy. Die SPD will sie mit einem Verbot schützen. Doch rechtliche und technische Hürden machen die Umsetzung schwierig.

Author - Tobias Esters
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Viele Kinder verbringen Stunden am Smartphone – Experten warnen vor den Folgen für Gesundheit und Entwicklung.
Viele Kinder verbringen Stunden am Smartphone – Experten warnen vor den Folgen für Gesundheit und Entwicklung.photothek/Imago

Kinder, die stundenlang am Handy hängen. Augen auf dem Display, Finger im Dauer-Scroll-Modus. TikTok, Instagram, YouTube. Für viele Familien ist das längst Alltag. Jetzt will die Politik eingreifen. In einem neuen Impulspapier fordert die SPD ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren. Plattformen sollen den Zugang sperren.

Social Media macht Kinder süchtig

Der Grund ist ernst. Studien zeigen, dass immer mehr Kinder und Jugendliche problematisch mit sozialen Medien umgehen. Hunderttausende gelten bereits als abhängig. Viele schlafen schlechter. Die Noten rutschen ab. Gespräche werden weniger. Die Sorge wächst.

Der Potsdamer Medienexperte Tobias Dillinger kennt diese Entwicklung aus nächster Nähe. Er arbeitet seit Jahren mit sozialen Netzwerken und ist selbst Vater. Er warnt vor der Macht der Plattformen. „Die sind vom Psychologen so gebaut, dass die jeden von uns kriegen“, sagt er. Selbst Erwachsene seien nicht sicher.

Für Dillinger ist klar: Das passiert Millionen Menschen jeden Tag. Auch Kindern. „Du kannst es nicht verhindern, dass diese Sachen dich reinziehen“, sagt er.

Tobias Dillinger, Medienunternehmer und Vater, warnt seit Jahren vor den Risiken digitaler Plattformen für Kinder.
Tobias Dillinger, Medienunternehmer und Vater, warnt seit Jahren vor den Risiken digitaler Plattformen für Kinder.Foto: Susanne Brünler

Viele Eltern fühlen sich deshalb hilflos. Geben sie dem Kind früh ein Smartphone, droht Abhängigkeit. Verbieten sie es, droht Ausgrenzung. Gruppenchats, Klassenchats, Verabredungen. Ohne Handy ist man schnell außen vor.

Dillinger sagt trotzdem: Grenzen sind wichtig. „Du bist nicht streng, wenn du Grenzen setzt.“ Besonders wichtig seien einfache Regeln, etwa nachts kein Smartphone im Kinderzimmer.

Verbot kaum durchsetzbar

Doch so groß der Wunsch nach Schutz ist, so schwierig ist die Umsetzung. Denn ein Verbot lässt sich nicht einfach durchsetzen. Viele große Plattformen haben ihren Sitz im Ausland. Dort gelten andere Gesetze. Nationale Regeln aus Deutschland greifen kaum. Außerdem gibt es bereits europäische Vorgaben zum Jugendschutz, die eigene Alleingänge verhindern.

Experte warnt vor Rechtsproblemen

Darauf weist auch Medienrechtsexperte Dr. Stephan Dreyer hin. Er forscht am Leibniz-Institut für Medienforschung. Nach seiner Einschätzung stößt ein Social-Media-Verbot auf massive rechtliche Hürden. Viele Plattformen unterliegen nicht dem deutschen Recht. Nationale Verbote könnten vor Gericht scheitern und am Ende wirkungslos bleiben.

Hinzu kommt ein weiteres Problem. Sperren lassen sich leicht umgehen. Mit wenigen Klicks können Jugendliche ihr Herkunftsland verschleiern. VPN-Dienste machen es möglich. Ein Verbot könnte sie sogar auf unsichere Seiten treiben, wo es kaum Schutz gibt.

Diese Erfahrung macht auch Australien. Dort sind soziale Netzwerke für unter 16-Jährige seit rund zwei Monaten verboten. Doch auch dort wird das Verbot mithilfe von VPN-Zugängen immer wieder umgangen.

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