Ob Karneval, Fasching oder Fastnacht – in diesen Tagen ist ganz Deutschland jeck. Fast ganz Deutschland. Nur in Berlin scheinen die Jecken kaum jemanden zu jucken.
Vor zehn Jahren fand ein Umzug auf dem Ku'damm statt
Vor zehn Jahren fand letztmals ein Karnevalsumzug auf dem Kurfürstendamm statt. Vermisst wird er offenbar nicht. In der Hauptstadt ist ohnehin genug los. Da braucht es keine fünfte Jahreszeit. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (64, SPD) spottete am Freitag: „Berlin hat 365 Tage Karneval.“
Karneval, Fasching oder Fasnacht, wie heißt es denn nun richtig? Ganz einfach. Im Rheinland und in Norddeutschland spricht man von Karneval, im Osten und in Bayern von Fasching, im Südwesten der Bundesrepublik von Fasnacht.
Dazu gehören natürlich auch die berühmten Rufe: Helau, Alaaf und Ahoi! Aber wo sagt man was? Im Rheinland rufen die Jecken Alaaf! – aber Vorsicht: In Düsseldorf heißt es Helau! Ebenso in Koblenz und Mainz. In Bayern und Baden-Württemberg darf es auch ein Ahoi sein.

Überall wird also gefeiert, und der Rosenmontag ist der Höhepunkt. Nicht nur in den vermeintlichen Hochburgen Köln, Düsseldorf, Mainz oder Aachen. Selbst in Frankfurt am Main heißt es am Montag: „Frankfurts Fastnacht ist der Hit – alle fahr’n und feiern mit.“ Bis zu 350.000 Zuschauer werden erwartet.
Die „Ständige Vertretung“ schunkelt Montag in Berlin
Und in Berlin? Da gab es in den vergangenen Tagen vereinzelt Veranstaltungen. Die „Ständige Vertretung“ lädt am Montag ab 19 Uhr zum Schunkeln in die Kulturbrauerei.
Übrigens: Während Berlin fast eine karnevalsfreie Zone ist, wird im Osten durchaus gefeiert. Vor allem in Cottbus, wo am 8. Februar bereits mit dem „Zug der fröhlichen Leute“ der größte Karnevalsumzug Ostdeutschlands stattfand. Auch in Wasungen (Thüringen) und verschiedenen Orten in Sachsen-Anhalt sind die Narren unterwegs.

Manja Schüle (49, SPD), Brandenburgs Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, weist auf die politische Bedeutung des Ost-Karnevals hin. Karnevalsvereine seien in der DDR oft die einzige zugelassene Form der Opposition gewesen: „Denn Büttenreden und Karnevalsprogramme waren gespickt voller politischer Anspielungen – auch zwischen den Zeilen.“
Keine Überraschung also, dass der Brandenburger Landtag die Bewerbung der ostdeutschen Karnevalsverbände unterstützt, dieses jahrhundertealte Brauchtum als Immaterielles Kulturerbe in Deutschland anerkennen zu lassen. Es heißt: „Der ostdeutsche Karneval ist Ausdruck jahrhundertealter Traditionen und Teil lebendiger Alltagskultur.“




