Schüler in Angst

Gewalt an Schule in Cottbus: Eltern schreiben Brandbrief

Es ist nicht der erste Fall von Gewalt an Schulen in Cottbus. Eltern berichten von erschreckenden Zuständen an einer Grundschule.

Author - Kay Schöphörster
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Tobias Schick (SPD), Oberbürgermeister von Cottbus will stärker gegen die Gewalt an der Grundschule vorgehen.
Tobias Schick (SPD), Oberbürgermeister von Cottbus will stärker gegen die Gewalt an der Grundschule vorgehen.Patrick Pleul/dpa

Schulen sollten Orte sein, an denen Kinder geborgen sind und in Sicherheit lernen können. An einer Grundschule in Cottbus stellt sich das anders dar. Es scheinen dort erschreckende Zustände zu herrschen. Mit einem Brandbrief rufen Eltern um Hilfe.

Sie schreiben von Gewalt, Angst und Sprachbarrieren wegen eines hohen Migrationsanteils. „Es schafft keiner, unsere Kinder zu schützen“, sagte Christin Wulf, deren Namen unter dem Elternbrief steht.

Eltern berichten von Schlägen, Tritten und Stürzen

„Es kam wiederholt zu Schlägen, Tritten und Stürzen, deren Folgen ärztlich behandelt werden mussten“, heißt es in dem Brief. „Viele unserer Kinder gehen inzwischen mit großer Angst und typischen Symptomen wie Bauchschmerzen in die Schule, erzählen von Angst vor bestimmten Wegen, vor einzelnen Gruppen von Mitschülern und davor, etwas zu sagen und dafür bestraft zu werden.“ Mehrere Medien hatten zuvor über den Brief berichtet.

In dem Elternbrief der Cottbuser Schule ist von einem Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund von mehr als 40 Prozent die Rede.

Christin Wulf sieht zunehmende Gewalt: „Wegen einer kleinsten Beleidigung eskaliert das sofort.“ Lehrer und Schulleitung machten aber eine „tolle Arbeit“.

Bestimmte Schüler regeln Konflikte mit Gewalt

Die Stadt Cottbus will stärker gegen Gewalt vorgehen - bis zum Aus für gewalttätige Kinder im Regelbetrieb. „Fakt ist, dass es immer wieder Schülerinnen und Schüler gibt, insbesondere eine kleine Gruppe von Schülern, die sich nicht an Regeln hält und Konflikte immer versucht, mit Gewalt zu lösen“, sagte Oberbürgermeister Tobias Schick (SPD) am Freitagabend im RBB-Fernsehen. „Wir müssen einen Weg finden, dass diese Schülerinnen und Schüler nicht mehr in dem Regelbetrieb und an dieser Schule unterrichtet werden.“ Wie er das umsetzen will, blieb offen.

Minister in Kontakt mit der Schule

Bildungsminister Steffen Freiberg (SPD) war nach eigenen Angaben bereits in Kontakt mit der Schulleitung. „Wir wissen, dass es an wenigen Individuen hängt, an einzelnen Personen, die sozusagen in ihren Gruppen dort für Unruhe sorgen“, sagte er dem RBB. „Ich hoffe sehr, dass es bald gelingt, dort Ruhe reinzubringen.“ Die Schule sei über viele Jahre hinweg „in schwierigem Umfeld sehr engagiert unterwegs“.

Die AfD-Landtagsfraktion richtete ein Meldeportal für Gewaltvorfälle an Schulen ein. AfD-Politiker gehen davon aus, dass eine Zunahme von Gewaltvorfällen und Straftaten auf Schüler mit Migrationshintergrund zurückgeht. Das Bildungsministerium hatte den dargestellten migrantenspezifischen Zusammenhang zurückgewiesen.