Der große Schlag gegen kriminelle Clans sollte ein Wendepunkt sein: 77 Immobilien in Berlin wurden beschlagnahmt – Häuser, Wohnungen, Grundstücke im Millionenwert. Doch fast acht Jahre später zeigt sich: Der Kampf um das illegale Vermögen ist ein zäher Marathon. Viele Objekte sind bis heute nicht geräumt, Verfahren ziehen sich über Jahre.
Um die Remmo-Immobilien wird immer noch gestritten
Warum dauert das so lange? Immobilien sind für die Organisierte Kriminalität ein ideales Werkzeug. Sie dienen als Geldwäschemodell, als Wertanlage und als Statussymbol. 2018 schlugen Berliner Ermittler zu und stellten 77 Objekte sicher. Darunter die Villa des Remmo-Clans in Neukölln. Erst im März 2024 – nach unzähligen Prozessen – wurde sie geräumt.
Doch der Großteil der Fälle hängt fest. Die Betroffenen kämpfen mit allen juristischen Mitteln. Ein aktuelles Urteil des Berliner Kammergerichts bremst die Behörden zusätzlich aus: 58 Immobilien müssen erneut verhandelt werden – diesmal in einer mündlichen Anhörung. Das bedeutet weitere Verzögerungen. Wann Entscheidungen fallen, ist völlig offen.
Auch strafrechtliche Verfahren laufen schleppend. Seit Oktober 2025 steht eine 35-Jährige vor Gericht, die als Strohfrau mehrere Immobilien gekauft haben soll – angeblich finanziert mit illegalem Geld. Ein Objekt soll sogar auf den Namen ihres wenige Monate alten Sohnes gelaufen sein. Die Staatsanwaltschaft spricht von über 450.000 Euro, die zwischen 2012 und 2017 geflossen sein sollen.

Berlin ist kein Einzelfall. Auch in Nordrhein-Westfalen kämpfen Behörden seit Jahren um die Einziehung einer Clan-Villa in Leverkusen. Erst der Bundesgerichtshof entschied Ende 2025 endgültig: Die Immobilie darf eingezogen werden. Der Sohn des Clan-Chefs, offiziell Eigentümer, muss das Haus abgeben.
Warum sind diese Ermittlungen so kompliziert? Experten erklären: Clan-Vermögen wird geschickt verschleiert. Immobilien laufen über Verwandte, Bekannte, Strohmänner oder Firmenkonstrukte. Finanzierungen sind oft gemischt – teils legal, teils illegal. Für Ermittler bedeutet das: Aktenberge, internationale Geldströme, komplizierte Firmengeflechte. Jeder Nachweis muss vor Gericht wasserdicht sein.
GdP-Sprecher fordert Beweislastumkehr
Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin, fordert deshalb eine Beweislastumkehr: Nicht der Staat soll jede Herkunft belegen müssen – die Betroffenen sollen erklären, woher das Geld stammt. Doch Juristen warnen vor rechtsstaatlichen Risiken.

„Eine Beweislastumkehr ist politisch zwar regelmäßig in der Debatte, juristisch aber schwer umzusetzen, ohne rechtsstaatliche Grundsätze zu verletzen“, sagt Mahmoud Jaraba vom Forschungszentrum für Islam und Recht in Europa in Erlangen.




