Gewalt eskaliert

Zwei Schießereien halten die Polizei in Berlin im Dauereinsatz

Auf eine Bar und eine Werkstatt wurde geschossen. Die Polizei ermittelt wegen möglicher Schutzgelderpressung.

Author - Stefan Henseke
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Polizei und Kriminaltechniker waren Sonntagnacht in Neukölln im Boschweg im Einsatz. Dort wurde mehrmals auf die Tür einer Kfz-Werkstatt geschossen.
Polizei und Kriminaltechniker waren Sonntagnacht in Neukölln im Boschweg im Einsatz. Dort wurde mehrmals auf die Tür einer Kfz-Werkstatt geschossen.Axel Billig / Pressefoto Wagner

Es hat schon etwas vom Wilden Westen. Innerhalb eines Tages wurde in Berlin zweimal auf Geschäfte geschossen. Am Sonntagmorgen auf eine Bar in Wedding, am Sonntagabend auf eine Autowerkstatt in Neukölln. Geht es dabei wie so oft in den vergangenen Wochen wieder um Schutzgelderpressungen?

Sonntagabend: Schüsse auf eine Autowerkstatt

In Berlin kommt es seit Mitte vergangenen Jahres immer wieder zu Anschlägen auf Geschäfte, Spätverkaufsstellen und Shisha-Bars. Erst am Mittwoch hatten Unbekannte auf die Fensterscheibe einer Shisha-Bar in Charlottenburg geschossen.

Am Sonntagabend ab 18 Uhr waren Polizei und Kriminaltechniker im Neuköllner Boschweg im Einsatz. Dort wurden mehrere Schüsse (mindestens zwei) auf die Eingangstür einer Kfz-Werkstatt abgegeben. Die Ermittlungen laufen, Spuren wurden bis spät in die Nacht gesichert.

Im Neuköllner Boschweg wurde mehrmals auf die Eingangstür einer Autowerkstatt geschossen.
Im Neuköllner Boschweg wurde mehrmals auf die Eingangstür einer Autowerkstatt geschossen.Axel Billig / Pressefoto Wagner

Wenige Stunden zuvor war die Hook-Bar in der Weddinger Barfusstraße Ziel eines Anschlags. Hier wurde auf die Scheiben geschossen, ein Gast  durch umherfliegende Glassplitter verletzt. Die Polizei wurde gegen 9.15 Uhr am Morgen alarmiert.

Sondereinheit BAO Ferrum der Polizei ermittelt

Auffällig: Im Fall der Anschläge auf die Shisha-Bar und die Autowerkstatt hat jetzt die Sondereinheit BAO Ferrum der Berliner Polizei die Ermittlungen übernommen. Diese Sondereinheit wurde erst im November aufgrund von vermehrten Schutzgelderpressungen und der damit verbundenen gestiegenen Waffengewalt in Berlin gegründet.

Auf dem Foto sieht man zwei Einschusslöcher (oben links) in der Eingangstür der Autowerkstatt.
Auf dem Foto sieht man zwei Einschusslöcher (oben links) in der Eingangstür der Autowerkstatt.Axel Billig / Pressefoto Wagner

Gut 100 Beamte sind Tag und Nacht unterwegs, „um konsequent gegen gewalttätige Gruppen und Schusswaffenkriminalität vorzugehen“, wie die Polizei mitteilte. „Dabei werden einsatzrelevante tatverdächtige Personen und polizeibekannte OK-Treffpunkte schon bei ersten Verdachtsmomenten angesteuert und kontrolliert.“

Am Sonntagmorgen schoss ein bisher unbekannter Täter mehrmals auf die Hook-Bar, ein Gast wurde verletzt.
Am Sonntagmorgen schoss ein bisher unbekannter Täter mehrmals auf die Hook-Bar, ein Gast wurde verletzt.Pressefoto Wagner

Allein in der ersten Woche nach der Gründung kontrollierten die Beamten von BAO Ferrum 1000 Personen und mehr als 700 Fahrzeuge. Dabei wurden knapp 70 Strafermittlungs- und circa 130 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet, Messer, Schusswaffen, Schlagstöcke und Reizstoffsprühgeräte wurden beschlagnahmt.

„Bei den jüngsten Vorfällen in Neukölln und Wedding wird professionell ermittelt, um Hintergründe, Beteiligte und mögliche Zusammenhänge zu klären“, sagt Thorsten Schleheider, Landesvize der Gewerkschaft der Polizei. „Von privaten Fehden bis zu Konkurrenzkämpfen um Absatzmärkte in der OK wie Schutzgelderpressung, Drogen- oder Waffenhandel ist da vieles denkbar.“

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com