Ausgerechnet Zahnärzte, die mit 5000 bis über 7000 Euro brutto im Monat zu der besserverdienenden Berufsgruppe in Berlin gehören, müssen sich jetzt mit Zukunftsängsten herumschlagen. Es ist ein Skandal, bei dem es um Milliarden Euro geht. Doch wie konnte es so weit kommen?
Milliardenloch erschüttert Zahnärzte-Versorgungswerk
Wer in Berlin, Brandenburg oder Bremen eine Zahnarztpraxis betreibt, muss verpflichtend in das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) einzahlen. Die monatlichen Beiträge fließen nicht einfach aufs Konto, sondern werden größtenteils am Kapitalmarkt angelegt, um später die Renten der Mitglieder auszuzahlen. Ein System, das eigentlich solide funktionieren sollte – doch nun steht das Versorgungswerk unter massivem Druck.

Denn durch offenbar riskante Investitionen könnte die Rentenkasse der Zahnärzte ein gigantisches Finanzloch gerissen haben. Die Rede ist von bis zu einer Milliarde Euro, die beim VZB fehlen könnten. Wie es zu diesem mutmaßlichen Desaster kommen konnte, ist noch völlig offen. Klar ist aber: Die Verantwortlichen suchen bereits nach Schuldigen und nehmen jetzt die Wirtschaftsprüfer ins Visier.
82-Millionen-Forderung an die Wirtschaftsprüfer
Laut Recherchen des RBB hat das VZB in einem ersten Schritt die zuständige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zu einer Zahlung aufgefordert. Und zwar nicht zu einer Kleinigkeit: Exakt 81.998.924,42 Euro soll das Unternehmen an das Versorgungswerk zahlen. Diese Prüfer hatten den Jahresabschluss 2023 abgesegnet und testiert.
Doch aus Sicht der Verantwortlichen ist das der entscheidende Punkt:
Weil die Prüfer „ihren Pflichten nicht nachgekommen seien“, so das VZB, sei dem Versorgungswerk in den Jahren 2024 und 2025 ein Schaden in genau dieser Höhe entstanden.

In ihrer Begründung wird die Rentenkasse der Zahnärzte deutlich: Hätte eine ordnungsgemäße Prüfung stattgefunden, wäre aufgefallen, dass einzelne Investitionen und Darlehensvergaben des VZB in der Vergangenheit nicht rechtmäßig gewesen seien. Wäre das erkannt worden, so argumentiert das VZB, hätten die dafür zuständigen Gremien „keine weiteren Zahlungen in diese Anlagen veranlasst“.
Schweigen der Prüfer und wachsende Sorge der Zahnärzte
Die Wirtschaftsprüfer schweigen bislang zu den Vorwürfen. Laut RBB sollen sie auf die Zahlungsaufforderung nicht reagiert haben und auch eine erste Aufforderung im Januar 2026 blieb unbeantwortet. Anfang Februar schickte das VZB eine Mahnung hinterher. Aus Unterlagen geht hervor, dass das Prüferunternehmen bislang keinerlei Stellung bezieht.
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft äußerte sich bisher nur sehr knapp: Die Weitergabe von „mandats- und auftragsbezogenen Informationen“ verstoße gegen Berufsrecht und auch gegen Strafrecht. Mehr wollte das Unternehmen nicht sagen. Doch hinter den Kulissen wächst die Nervosität. Denn wenn tatsächlich ein Milliardenschaden droht, betrifft das Zehntausende Zahnärztinnen und Zahnärzte, deren Altersversorgung auf dem Spiel stehen könnte.

Das VZB selbst spricht derzeit noch von einem Schaden in zweistelliger Millionenhöhe, der den Prüfern angelastet wird. Doch im Raum steht die größere Frage: Wenn schon 82 Millionen Euro allein durch angeblich unentdeckte Fehlentscheidungen entstanden sind – wie groß ist der gesamte Schaden wirklich? Und wie konnte ein Versorgungswerk, das eigentlich streng kontrolliert werden sollte, solche Investitionen überhaupt tätigen?


