Die Initiative „Berlin werbefrei“ hat ein klares Ziel: weniger Reklame im Stadtbild. Und weil das in Berlin natürlich nicht ohne Ironie geht, setzt man für das Volksbegehren auf – richtig – noch mehr Reklame.
4000 Plakate gegen Werbung in Berlin
4000 Plakate sollen an Berliner Laternen hängen, 2000 Standorte sind geplant. Der Initiativensprecher Fadi El‑Ghazi erklärt: „Wir machen bewusst Werbung gegen Werbung, auch wenn das vielleicht paradox klingt.“
Die Aktion läuft seit einigen Wochen, rund 1200 Plakate hängen schon für mehr Sichtbarkeit, mehr Aufmerksamkeit, mehr Diskussion. Und die ist nötig, denn das Volksbegehren will strengere Regeln für Außenwerbung. Vor allem für digitale Reklameflächen, die immer größer, heller und animierter werden.

Der Initiative geht es weniger ums völlige Werbeverbot als um Ruhe im öffentlichen Raum. Digitale Anlagen seien Energieverschwender, Lichtverschmutzer und Ablenkungsmaschinen. Dass nun ausgerechnet die eigenen Plakate an Straßen und Radwegen hängen, sorgt für manchen Augenroller. Aber Berlin wäre nicht Berlin, wenn nicht auch der Protest selbst zum Teil des Problems würde.
Große Pläne, aber kleine Erfolge
Damit aus dem Volksbegehren ein echter Volksentscheid wird, braucht die Initiative rund 174.000 gültige Unterschriften, das wären sieben Prozent der Wahlberechtigten. Zeit bleibt ihnen bis zum 8. Mai. Die bisherige Bilanz ist aber eher mager: Anfang Februar lag die Zahl der eingereichten Unterschriften bei 1800.

Trotzdem bleibt die Initiative optimistisch. Die Plakate sollen bis zum 8. Mai hängen bleiben. Und wer weiß? Vielleicht fühlt sich die eine oder der andere doch noch inspiriert, zwischen U‑Bahn-Hast und Feierabendmüdigkeit zum Stift zu greifen.
Selbst Anti-Werbung muss ordnungsgemäß werben
Rein rechtlich ist das Plakatieren übrigens abgesichert. Die Initiative hat von den Bezirken eine Sondernutzungserlaubnis erhalten. Denn in Berlin ist selbst Protest gegen Kommerz streng geregelt – Ordnung muss sein, besonders bei Unordnung. Das Straßengesetz erlaubt solche Aktionen während der Sammelphase und eine Woche darüber hinaus.

Auch Parteien könnten im Rahmen eines Volksbegehrens plakatieren, tun es aber eher selten. Größe, Anzahl und Standorte der Plakate dürfen eingeschränkt werden, um das Stadtbild zu schützen.


