Berlin

Volksbegehren wollen autofreie Straßen und Werbeverbot

Ein Bündnis fordert radikal weniger Autos in der Berliner Innenstadt, ein anderes will strengere Regeln für Werbung.

Author - Stefan Doerr
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Dichter Verkehr in der Friedrichstraße - damit will ein Volksbegehren Schluss machen.
Dichter Verkehr in der Friedrichstraße - damit will ein Volksbegehren Schluss machen.Soeren Stache/dpa

Am vergangenen Freitag, 9. Januar, begannen in Berlin gleich zwei neue Volksbegehren, die das Stadtbild und den Alltag vieler Berliner deutlich verändern könnten. Im Fokus stehen Autos und Werbung – zwei Themen, die seit Jahren für hitzige Debatten sorgen.

Am stärksten will dabei die Initiative Berlin autofrei in unseren Alltag eingreifen. Sie startet eine Unterschriftensammlung für ein weitreichendes Autoverbot in der Innenstadt. Nach den Plänen des Bündnisses sollen nach einer Übergangszeit von vier Jahren nahezu alle Straßen innerhalb des S-Bahn-Rings zu sogenannten autoreduzierten Straßen erklärt werden. Ausgenommen wären lediglich Bundesstraßen.

Autofahren nur noch an zwölf Tagen im Jahr

Private Autofahrten sollen dann nur noch an zwölf Tagen pro Person und Jahr erlaubt sein. Ausnahmen sind unter anderem für Menschen mit Behinderung, Polizei, Rettungsdienste sowie den Wirtschafts- und Lieferverkehr vorgesehen. Ziel der Initiative ist es, den Autoverkehr drastisch zu reduzieren und mehr Platz für Fußgänger, Radfahrer und Grünflächen zu schaffen.

Solche Plakate wie die Black-Friday-Reklame eines Online-Versandhändlers an der Bundesallee sollen verboten werden.
Solche Plakate wie die Black-Friday-Reklame eines Online-Versandhändlers an der Bundesallee sollen verboten werden.Christoph Soeder/dpa

Werbeverbot in der Öffentlichkeit

Parallel dazu sammelt das Bündnis Volksentscheid Berlin werbefrei Unterschriften für eine strengere Regulierung von Außenwerbung. Besonders im Visier steht digitale kommerzielle Werbung im öffentlichen Raum, die nach den Vorstellungen der Initiative künftig komplett verboten werden soll.

Damit es überhaupt zu einer Abstimmung kommt, müssen beide Initiativen innerhalb von vier Monaten mindestens sieben Prozent der Berliner Wahlberechtigten hinter sich bringen. Das entspricht rund 170.000 Unterschriften pro Volksbegehren.

Wann wäre ein Volksentscheid erfolgreich?

Ist diese Hürde genommen, folgt ein Volksentscheid, bei dem die Berliner ähnlich wie bei einer Wahl über den jeweiligen Gesetzentwurf abstimmen. In Kraft treten würde ein Gesetz nur dann, wenn nicht nur die Mehrheit der Abstimmenden zustimmt, sondern auch mindestens ein Viertel aller Wahlberechtigten.

Als möglicher Termin für die Abstimmungen gilt der 20. September – zeitgleich mit der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. Dann könnten die Berliner gleich doppelt über die Zukunft ihrer Stadt entscheiden.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com