Wegner macht ernst

Berlin schließt jetzt tatsächlich nachts den Görli – der Termin steht

Jahrelang wurde darüber diskutiert, jetzt werden die umstrittenen Pläne vom Bürgermeister für den Görlitzer Park schon bald Realität.

Author - Sharone Treskow
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Trotz lauten Protesten setzt der Bürgermeister Kai Wegner (CDU) die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks durch.
Trotz lauten Protesten setzt der Bürgermeister Kai Wegner (CDU) die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks durch.Sebastian Gollnow/dpa

Kai Wegner (CDU) bekommt tatsächlich seinen Willen. Der Görlitzer Park wird schon bald nachts verschlossen, um gegen die dortige Kriminalität vorzugehen. Die Kreuzberger Grünanlage gilt als Drogen-Hotspot. In den vergangenen Monaten wurden daher rund um den Görli Tore und Zäune aufgestellt. Der Starttermin der Schließung wurde immer wieder verschoben. Doch jetzt ist es so weit.

Ab März wird der Görli nachts dichtgemacht

Der Senat bleibt bei seinem Kurs: Ab März sollen die Tore des Görlitzer Parks nachts geschlossen werden. Trotz aller Proteste und lautstarker Kritik aus verschiedenen Initiativen hält die Landesregierung an ihrem Zeitplan fest: Eine Sprecherin der Senatsumweltverwaltung bekräftigte, man peile weiterhin den 1. März als Starttermin an, also in rund einer Woche.

Der Görlitzer Park wird am 1. März nachts verschlossen.
Der Görlitzer Park wird am 1. März nachts verschlossen.Jürgen Held/Imago

Bis zu diesem Zeitpunkt sollen auch die letzten Lücken im Zaun und an den Eingangstoren geschlossen werden. Die neu installierten, schwenkbaren Tore an den zahlreichen Parkzugängen werden künftig je nach Jahreszeit bereits um 22 Uhr oder 23 Uhr verriegelt. Für alle, die sich dann noch im Park befinden, bleiben die Drehkreuze offen – allerdings nur in eine Richtung: hinaus.

Hohe Kosten und privater Wachschutz

Für die nächtliche Kontrolle und das Schließen sowie Öffnen der Tore setzt der Senat auf private Sicherheitsfirmen. Wachleute sollen regelmäßig im Park unterwegs sein, Türen verriegeln und die Lage beobachten.

Doch dieser Einsatz hat seinen Preis: Laut einer Antwort des Senats auf eine parlamentarische Anfrage der Linken verschlingt das rund 800.000 Euro pro Jahr. Eine beträchtliche Summe für ein Projekt, das politisch ohnehin umstritten ist.

So sehen die Eingangstore am Görlitzer Park aus.
So sehen die Eingangstore am Görlitzer Park aus.Andrea Rabenstein/dpa

Die Gründe für die nächtliche Abriegelung sind klar formuliert: Der Senat und die Polizei wollen die Situation im Görlitzer Park beruhigen. Seit Jahren ist das Areal ein Brennpunkt für Drogenhandel und Gewaltdelikte. Die Polizei betont, „die Verfolgung der Dealer und die Unterbindung des Drogenhandels sei deutlich leichter, wenn der Park nicht immer als Versteck dienen könne“. Mit weniger offenen Zugängen und klaren Strukturen hofft man, das Problem einzudämmen.

Berliner protestieren lautstark gegen Görli-Schließung

Doch während der Senat auf Sicherheit setzt, wächst der Widerstand. Initiativen, die sich gegen die nächtliche Schließung stellen, haben im Internet bereits neue Aktionen angekündigt. Dort heißt es deutlich: „Mit vielseitigen und ungehorsamen Protesten ist zu rechnen.“

Die Szene im Umfeld des Parks zeigt sich entschlossen – und hat in den vergangenen Monaten bereits mehrfach gezeigt, wozu sie bereit ist. Immer wieder wurden Drehkreuze oder Zaunelemente beschädigt oder sogar geklaut. Die Botschaft: Die Gegner der Schließung akzeptieren den Eingriff nicht.

Es gibt Proteste gegen die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks.
Es gibt Proteste gegen die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks.Soeren Stache/dpa

Die Schließung selbst wurde schon 2023 vom Senat beschlossen, doch der Weg dorthin war steinig. Verzögerungen gab es reichlich – unter anderem, weil der von den Grünen geführte Bezirk Friedrichshain‑Kreuzberg teils heftigen Widerstand leistete. Eine endgültige Entscheidung eines Gerichts steht sogar weiterhin aus. Trotzdem macht der Senat nun ernst und setzt den umstrittenen Schritt durch.

Wie ist Ihre Meinung zu der Schließung der Görlitzer Parks? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.