Das Maxim-Gorki-Theater – eine der beliebtesten Bühnen in Berlin – soll in einer wirtschaftlichen Schieflage sein. Der KURIER hat nachgefragt, wie schlimm die finanzielle Situation wirklich ist.
Maxim-Gorki-Theater: Zwei Millionen in den Miesen
Das Maxim-Gorki-Theater in Berlin-Mitte soll in existenziellen Schwierigkeiten stecken. Das berichtet der Rundfunk Berlin-Brandenburg und beruft sich auf gut informierte Quellen. Demnach lag das Defizit der Bühne im vergangenen Jahr bei satten zwei Millionen Euro, doppelt so hoch wie im Wirtschaftsplan vorgesehen.
Dem Theater wurde im vergangenen Jahr eine Million Euro Budget gekürzt. Die laufende Spielzeit ist die letzte von Intendantin Shermin Langhoff. Ihre designierte Nachfolgerin ist Çağla Ilk, die das Haus im Herbst dieses Jahres weiterführen soll.

Doch wie übel ist die Lage wirklich? Es klingt ja fast so, als müsse man eine Schließung des Theaters befürchten! Dem KURIER sagt ein Sprecher des Maxim-Gorki-Theaters aber: „Wie die Senatorin für Kultur, Sarah Wedl-Wilson, äußerte, wird davon ausgegangen, dass im Juli 2026 mit einem ausgeglichenen Haushalt, also einer ‚schwarzen Null‘, für 2026 übergeben werden kann.“ Weiter betont der Sprecher: „Weder das Vorbereitungsbudget der Nachfolge-Intendanz noch deren Anteil am Jahresbudget 2026 sind bedroht.“
Laut Kultursenatorin hat das Theater genug Rücklagen
Der Sprecher bezieht sich hier auf eine Sitzung des Berliner Kulturausschusses des Abgeordnetenhauses am Montag. Die Kultursenatorin hat die prekären Zahlen des Maxim-Gorki-Theaters zwar nicht direkt dementiert, hat aber erklärt, dass die Mehrausgaben durch die Rücklagen des Theaters aufgefangen werden können, was sich erst im vierten Quartal 2025 gezeigt habe.
„In der Tat handelt es sich hier um Rücklagen in Höhe von zwei Millionen, die die jetzige Intendantin mit ihrem Geschick aufgebaut hat in den letzten Jahren“, so Wedl-Wilson. Dieses Polster werde man nun einsetzen.

Das heißt: Es wurde mehr ausgegeben als gedacht, es wurden aber auch mehr Rücklagen aufgebaut als gedacht. Die große Befürchtung war, dass die jetzige Intendantin Schulden aufgebaut hat, die die neue Intendantin nicht abbauen kann.
Trotzdem eine heikle Situation für das Gorki
Dass das Gorki gar kein Problem hat, kann man jedoch nicht behaupten, sagt Theaterexpertin Barbara Behrend gegenüber Radiodrei. „Denn es gibt ja diese hohen Mehrausgaben. Und die Rücklagen, die das Theater aufgebaut hat, die sind jetzt alle aufgebraucht“, stellt sie klar.
Weiter betont Behrend: „Das Haus steht komplett nackt dar. Das ist natürlich eine heikle Situation für jeden Betrieb. Soll heißen: Schlecht gewirtschaftet hat man ja trotzdem. Es sind Fehler passiert.“

Was bedeutet das für die neue Intendantin, die offenbar ohne Rücklagen übernehmen muss? „Das ist natürlich eine unglückliche Lage, die man vermeiden will. Weil erfahrungsgemäß in den ersten Jahren einer neuen Intendanz sowieso nicht alles rund läuft.“ Die Kultursenatorin habe aber versichert, dass der Vorbereitungsetat von 250.000 Euro für Çağla Ilk bestehen bleibt.
Klares Statement von neuer Intendantin
Çağla Ilk hat sich inzwischen auch auf der Theaterplattform nachtkritik.de zu der aktuellen Lage geäußert und enthüllt hier überraschend: „Leider bin ich bis zum heutigen Zeitpunkt offiziell nicht über die genannten Zahlen und Hintergründe informiert worden.“
„Unabhängig davon arbeite ich weiterhin mit großer Konzentration und Verbindlichkeit an der Vorbereitung der kommenden Spielzeit. Mein Ziel ist es, unter den mir genannten Rahmenbedingungen tragfähige und realistische Planungen für das Maxim-Gorki-Theater zu entwickeln“, versichert Ilk.

Abschließend stellt Ilk klar, dass sie nicht vor der Herausforderung zurückschrecken wird: „Spekulationen über einen möglichen Rücktritt entbehren jeder Grundlage. Ich werde meine Intendanz wie vorgesehen antreten. Sobald belastbare Informationen vorliegen, können wir diese transparent kommunizieren.“



