Friedrichshain

Nächster Supermarkt wehrt sich gegen Poller-Pläne

Die geplanten Poller am Traveplatz sorgen für Konflikte. Edeka warnt vor erheblichen Problemen für den Lieferverkehr.

Author - Sebastian Karkos
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Maik Thaut befürchtet aufgrund der Verkehrsberuhigung negative Folgen für seinen Markt.
Maik Thaut befürchtet aufgrund der Verkehrsberuhigung negative Folgen für seinen Markt.IMAGO, Karkos

Das Konzept zur Verkehrsberuhigung im Ostkreuz-Kiez sorgt für kontroverse Diskussionen. Bei Bürgern, aber vor allem bei Gewerbetreibenden. Nun wehrt sich erneut ein Supermarkt gegen die Poller-Pläne. Die sollen an einer Ecke in unmittelbarer Nähe des Ladens entstehen.

Edeka wurde zur Stellungnahme aufgefordert

Maik Thaut (49) nennt das Ganze „eine Posse“. Er betreibt den Edeka am Traveplatz und wurde vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg aufgefordert, sich zum Anlieferverkehr seines Marktes zu äußern. Am Donnerstag schickte Thaut seine Stellungnahme ab. Er sagt: „Ich bin um meine Meinung gebeten worden, aber ich habe den Eindruck, dass eh schon alles entschieden ist. Die Politik macht es einem nicht einfach.“

Am Traveplatz wird der Verkehr beruhigt, die Poller kommen (siehe Kreis).
Am Traveplatz wird der Verkehr beruhigt, die Poller kommen (siehe Kreis).berlin.de

An der Ecke Oderstraße/Jessnerstraße sollen – so der Plan – Poller installiert werden. Am Traveplatz würden dann der Abschnitt der Oderstraße und der Jessnerstraße zu einer Fußgängerzone. Problem für Edeka: Der Anlieferverkehr erfolgt dann ausschließlich über die enge Oderstraße, weil die Zufahrt von der Frankfurter Alle dann nicht mehr möglich ist.

Schon jetzt müssen große Lkw am Supermarkt vorbei zur Weserstraße fahren und dort wenden. Wegen der Laderampe am Markt. Die Einbahnstraßenregelung im Kiez lässt keine andere Möglichkeit zu. Thaut: „Die Lieferanten kommen ja auch teilweise mit einem Sattel an, der länger als 15 Meter ist.“

Er erklärt: „Wir können nicht alle Lieferungen bündeln. Das macht unseren Laden aus. Wir haben ein breites Sortiment, bekommen drei bis vier Lkw-Lieferungen Minimum am Tag, mit Obst und Gemüse sowie Frische separat. Dann bekommen wir Trockensortiment, Getränke. Und haufenweise Direktlieferanten.“

Maik Thaut am Traveplatz. Hinter ihm sind die Straßen frei. Noch. Bald sollen dort Poller stehen. Hinten der Edeka-Markt, den er seit 2017 leitet.
Maik Thaut am Traveplatz. Hinter ihm sind die Straßen frei. Noch. Bald sollen dort Poller stehen. Hinten der Edeka-Markt, den er seit 2017 leitet.Sebastian Karkos

Thaut befürchtet, dass Lieferanten aufgrund des schwierigen Anfahrtsweges künftig einfach keine Lust mehr haben, zum Traveplatz zu kommen. Die Lkw müssten dann direkt an der Ecke des Marktes aufgrund der Poller rangieren, um um die Ecke zu kommen. Thaut: „Vielleicht sollte sich der eine oder andere Politiker einfach mal hinter das Steuer eines Lkw setzen. Das ist nicht so einfach.“

Auch Rewe in der Revaler Straße ärgert sich über Poller

Der Fall vom Traveplatz erinnert an den vom Rewe-Markt an der Revaler Straße, rund einen Kilometer weiter südlich. Dort, an der Revaler Straße Ecke Haasestraße, werden Poller in unmittelbarer Nähe zum Gewerbegebiet aufgestellt, das Rewe gehört. Wer künftig zum Beispiel vom Ostkreuz mit dem Auto zum Rewe-Supermarkt möchte, muss einen langen Umweg über die Warschauer Straße nehmen. Die Poller könnten also Kunden kosten.

Hier in der Jessnerstraße befindet sich der Lade-Bereich des Edeka-Marktes. Er kann nur von einer Seite angefahren werden.
Hier in der Jessnerstraße befindet sich der Lade-Bereich des Edeka-Marktes. Er kann nur von einer Seite angefahren werden.Sebastian Karkos

Dieses Problem hat Edeka am Traveplatz nicht unbedingt, weil der Markt von seiner Laufkundschaft lebt, doch wenn Lieferungen nicht mehr kommen, muss das Angebot gekürzt werden. Das könnte sich negativ auf die Kundenzahl auswirken.

Die Pläne des grün geführten Bezirks sorgen bei Maik Thaut für Kopfschütteln: „Aus der Frankfurter Allee haben sie zwei Spuren gemacht. Damit würgen sie schon mal den ersten Verkehr ab. Dann sind Autofahrer logischerweise abgebogen durch Friedrichshain, also unseren Kiezteil. Dann machen sie da alles dicht, weil sie das auch nicht wollen. Ich sehe das sehr kritisch.“

Thaut deutlich: „Ich vergleiche es immer so: Ich kann jemandem die Halsschlagader umdrehen und drücken und drücken. Irgendwann wird er ohnmächtig.“

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Wie bewerten Sie die Poller-Pläne am Traveplatz? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com