Im Kiez rund ums Ostkreuz wird es nie wieder so sein wie früher. Grund dafür ist das Verkehrsberuhigungskonzept auf der Friedrichshainer Seite. Die einen freuen sich über mehr Sicherheit und Ruhe, die anderen laufen Sturm gegen die Umsetzung und die Pläne. Vor allem alteingesessene Anwohner.
Initiative will einen Poller-Stopp durchsetzen
Deshalb startet die Initiative „Mitbestimmung Fhain“ einen Einwohnerantrag zur „Neuplanung Verkehrsberuhigung Friedrichshain“. Sie sammelt Unterschriften unter anderem dafür: sofortiger Stopp weiterer Umsetzungen des Konzepts, das auch die Einrichtung zusätzlicher Poller vorsieht. Außerdem soll die Modersohnstraße zwischen Wühlischstraße und Revaler Straße, zur Einbahnstraße gemacht, wieder in beide Fahrtrichtungen befahrbar sein, inklusive möglicher Maßnahmen zur Temporeduzierung. Weiterer Punkt der Poller-Gegner: Erhalt der Parkplätze unter Berücksichtigung des Park- und Ladebedarfs.

Montagabend lud die Initiative zu einer Infoveranstaltung ein, in der Bilanz gezogen und Verbesserungsvorschläge präsentiert wurden. Auch eine Podiumsdiskussion stand auf dem Programm. Von Senatsseite war Arne Herz (CDU), Staatssekretär bei der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, am Start. „Wir wollen keinen Klassenkampf“, sagte er, auch wenn der Einfluss des Senats auf den Bezirk in diesem Fall offenbar begrenzt ist.
Problem der Veranstaltung: Es fehlte der Gegenpart. Bezirksstadträtin Annika Gerold (Die Grünen), für viele die Buhfrau schlechthin, sagte ihren Auftritt in der Alten Turnhalle bereits am Mittwoch zuvor ab. Warum? Der KURIER fragte Dienstagvormittag bei der Politikerin nach. Antwort: terminliche Gründe.
Falls es Anwohner gab, die für die Verkehrsberuhigung sind, blieben sie am Montag während der rund zwei Stunden still. Die anderen machten ihrem Ärger Luft. Auch Gundel Riebel, Seniorinnen-Vertreterin der BVV Friedrichshain‑Kreuzberg, wurde deutlich: „40.000 Menschen leben in dem Kiez. Gerade einmal 600 wurden befragt. Das nennt die grüne Fraktion im Bezirk eine Bürgerbeteiligung.“

Fabian Reichert von der Gewerkschaft der Polizei sprach über den Alltag der Streifenpolizisten, die aufgrund der Poller nicht mehr problemlos zu ihren Einsatzorten gelangen: „Wir werden bei unserer Arbeit behindert.“ Reichert weiter: „Ob BSR, Polizei oder Feuerwehr – niemand hat an die Menschen gedacht, die die Stadt am Laufen halten.“ Beim Thema Verkehrsberuhigungskonzept wird so schnell wohl keine Ruhe einkehren.


