Seit acht Jahren ist im Berliner Stadtteil Wedding die Burgsdorfstraße für den Verkehr gesperrt. Eine Hausruine, ein Lost Place, war dort so marode, dass das Gebäude einzustürzen drohte. Nach zähem Ringen des Bezirks, der sich jahrelang an der Besitzerin die Zähne ausbiss, ist die Ruine nun bald gänzlich abgerissen. Doch für die Zukunft der Liegenschaft gibt es eine schlimme Vermutung.
Wie geht es weiter mit dem Geisterhaus
Von vorn. Eine betagte Eigentümerin ließ im Weddinger Kiez in der Nähe des S-Bahnhofs Wedding ihr Mehrfamilienhaus so verfallen, dass die Straße davor schließlich gesperrt werden musste – Einsturzgefahr. Über die Jahre des Verfalls wuchsen Bäume aus dem Dach das Hauses, die einzigen Bewohner waren Ratten und Tauben.
Der ganze Kiez ächzte unter der Sperrung, Ladeninhaber verloren ihre Kundschaft und mussten schließen. Das gruselige Geisterhaus mit den leeren Fensterhöhlen zog die ganze Umgebung mit runter. Endlich setzte der Bezirk Mitte im vergangenen Jahr durch, dass es abgerissen wird. Die Bauarbeiten begannen Ende 2025.
Heute ist ein Großteil des Hauses abgerissen, nur noch wenige Balken sind an den Brandwänden zu sehen. In einer übrig gebliebenen Küche hängt noch ein Schrank an einer weiß gefliesten Wand. Im Kiez hoffen die Menschen darauf, dass schnell wieder neues Leben anstelle der Ruine in der Straße einzieht. Doch diese Hoffnung könnte sich als trügerisch erweisen.

Der KURIER hat beim Bezirk Mitte nachgefragt, wann in der Burgsdorfstraße wieder Neues entstehen kann. Anstelle der Ruine inmitten des Kiezes erlauben die „bauplanungsrechtlichen Rahmenbedingungen die Errichtung eines fünfgeschossigen Wohngebäudes mit einer Bebauungstiefe von 13 Metern. Grundsätzlich können auch Ladengeschäfte, gewerbliche Kleinbetriebe sowie Einrichtungen für soziale und kulturelle Zwecke zugelassen werden“, heißt es aus dem Bezirksamt Mitte.
Die Eigentümerin ist nie greifbar
Im Kiez leben viele Menschen mit geringem Verdienst, sozialer Wohnungsbau wird dringend benötigt und könnte an der Stelle auch verwirklicht werden. Wenn da nicht die stets abgetauchte Eigentümerin wäre. Denn das Grundstück in der Burgsdorfstraße befindet sich weiterhin in deren Besitz.
„Ein Bauantrag für ein neues Gebäude liegt dem Bezirk Mitte derzeit nicht vor“, so die Sprecherin des Bezirksamtes. Die schlimmste Befürchtung: Es passiert jahrelang nichts in der Baulücke.
Jahrelanger Stillstand droht
Etwaige Bauprojekte, auf die man vor Ort hofft, können ohne das Zutun der Eigentümerin nicht verwirklicht werden. Nach dem Abriss droht also eine jahrelange Baulücke, die per Zaun vom Bezirksamt gesichert wird, eine neue Brache inmitten der Stadt. „Das Grundstück in der Burgsdorfstraße 1 steht nicht zum Verkauf“, sagt der Bezirk, der auch keine rechtlichen Möglichkeiten habe, die Eigentümerin zum Bauen zu zwingen.
Immerhin werden der Eigentümerin, die über 80 Jahre alt ist, und der weitere Häuser an der Friedenauer Odenwaldstraße und in Wilmersdorf gehören, die Kosten für den Abbruch in Rechnung gestellt. Die Höhe der Kosten wird erst nach Abschluss der Arbeiten feststehen. Vor Beginn des Abrisses war von 800.000 Euro die Rede. Ob die Eigentümerin zahlt, ist eher fraglich.




