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BERLINER KURIER - Berlins ehrliche Boulevardzeitung im Netz

FKK-Zoff: Warum wird Berlin immer prüder?

Nackte Frau

Das aktuelle Nacktverbot in einem Sauna-Paradies sorgt für große Aufregung.

Foto:

imago/Jacques Alexandre

Berlin -

Wie prüde ist doch Berlin geworden! Das aktuelle Nacktverbot in einem Sauna-Paradies (KURIER berichtete) sorgt für große Aufregung. Betreiber von Thermen, FKK-Vereine und Politiker können nicht verstehen, warum Berlin immer verklemmter wird.

Die Saunen im Vabali Spa

Die Saunen im Vabali Spa. Gäste dürfen ab März nur noch hier nackt sein.

Foto:

Vabali Spa Berlin

Man sollte meinen, dass es ganz normal ist, dass Menschen in einer Sauna-Landschaft nackt umherlaufen. Doch im angesagten Wellness-Tempel Vabali Spa in Mitte hat nun die Freizügigkeit ihre Grenzen.

Bademäntel werden zur Pflicht

Auf der weitläufigen Anlage ist ab März das Nacktsein außerhalb der Saunen und Pools unerwünscht. Die Besucher werden gebeten, Bademäntel zu tragen. „Auf vielfachen Wunsch der Gäste“, erklärte die Geschäftsführung. Denn es gab Beschwerden von Stammgästen, aber vor allem auch von Besuchern aus den USA, Großbritannien und Italien.

Darüber kann Bundestagsabgeordneter Gregor Gysi (Linke) nur den Kopf schütteln. „Touristen dürfen die Kultur einer Stadt gerne bereichern, aber nicht einschränken“, sagt er dem KURIER zu dem Nacktverbot im Vabali Spa.

Gregor Gysi

Gregor Gysi hat ein Herz für Nackte.

Foto:

dpa

Gysi kennt andere Beispiele für den Wandel in Berlin. Vor einem Jahr wurden Akt-Fotos aus einer Ausstellung im Rathaus Köpenick verbannt. Um Besucher des Gebäudes nicht zu belästigen, begründete der Bezirk. „Das Argument ist inakzeptabel“, sagte damals Gysi, stellte die Fotos in seinem Wahlkreisbüro aus.

FKK gehört zur Kultur

Dass man sich nun in einem Berliner Sauna-Park über Nackedeis aufregt, können Betreiber ähnlicher Anlagen gar nicht verstehen. „Freikörperkultur ist eine gewachsene Struktur, vor allem im Osten des Landes. Sie gehört zu unserer Kultur“, sagt Petra Jacob, Chefin der Kristalltherme Ludwigsfelde. Auf der Anlage im Berliner Umland gilt im Sauna- und Badebereich striktes Textilverbot. Das soll auch so bleiben.

„Außer mittwochs und sonntags, den Familientagen, wo Gäste auch Badekleidung im Badebereich tragen können“, sagt Jacob. Die Mischform hätte sich bewährt. „Beschwerden gab es kaum“, sagt Jacob. „Allerdings müssen Gäste in den gastronomischen Bereichen bekleidet sein.“

Kristalltherme Ludwigsfelde

Hüllenlos ist nicht überall tabu. So in der Kristalltherme Ludwigsfelde, wo Gäste nackt sein dürfen.

Foto:

Kristalltherme Ludwigsfelde

Ähnlich ist es auch in den Thermen am Europa-Center. „Um Beschwerden zu vermeiden, weisen wir Gäste extra am Empfang noch einmal darauf hin, dass bei uns FKK gilt“, sagt eine Mitarbeiterin. Ausnahme ist auch da der Schwimmbereich, wo Gäste Badesachen tragen können.

Eine Welle der Prüderie

Protest zum Nackverbot in der Sauna-Anlage in Mitte kommt vom Landesverband für Freikörperkultur (3300 Mitglieder). „Über Berlin schwappt eine Welle der Prüderie“, sagt Sprecher Jörg Schmidt. „Dabei ist in der Stadt auf Werbetafeln so viel nackte Haut zu sehen. Doch wenn dann in einer Wellness-Anlage ein nackter Mensch vor einem steht, regt man sich auf.“ Schmidt erinnert daran, dass Berlin sogar eine der ersten Städte war, wo um 1900 die FKK-Bewegung in Deutschland begann