Der Iran-Krieg tobt. Mehrere Regionen wie die Vereinigten Arabischen Emirate sind von dem Konflikt betroffen. Tausende Touristen, auch aus Deutschland, hatten oder haben noch Probleme, aus dem Krisengebiet herauszukommen. Trotz Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes bietet gerade ein Discounter Pauschalreisen in die Golfregion an.
Dubai, Bahrain: Discounter wirbt mit Reisen in die Golfregion
Wer seinen Blick in den aktuellen Wochenprospekt von Lidl wirft, wird überrascht. Darin sind unter anderem leckere Produkte aus der arabischen Welt im Angebot. Passend dazu wird auf Seite 30 eine Reise in die arabische Welt angepriesen. „Reise inklusive Flug und Frühstück“, sieben Nächte ab 499 Euro: „Bahrain entdecken lohnt sich“, steht darunter.
Einige Seiten weiter im Prospekt folgt ein weiteres Reiseangebot nach Bahrain für 499 Euro. Dazu eine Reise nach Dubai für acht Tage und 899 Euro. Auf den Internetseiten des Discounters könne man diese beiden Reisen buchen.

Die Angebote erstaunen. Denn seit Tagen gibt es für die Golfregion eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes: „Seit dem 28. Februar 2026 führen Israel und die USA Luftschläge gegen Ziele in Iran durch. In Reaktion darauf erfolgen Luftangriffe aus Iran auf zahlreiche Ziele in der Region“, steht auf der Internetseite des Ministeriums.
Orte wie Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) waren in den vergangenen Tagen solche Ziele. Zu den Staaten und Gebieten, vor denen das Auswärtige Amt nun eine Reisewarnung herausgegeben hat, gehört damit auch Dubai und Bahrain.

Doch warum werden diese Reisen nun im aktuellen gedruckten Prospekt von Lidl angeboten? Es sei keine Absicht gewesen. „Die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Kunden haben für uns zu jedem Zeitpunkt oberste Priorität“, sagt ein Sprecher von Lidl Deutschland dem KURIER.
Das Unternehmen verfolge „die Situation in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain sowie die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes mit größter Aufmerksamkeit und stehen in kontinuierlichem Austausch mit den Reiseveranstaltern, um die Lage laufend neu zu bewerten“.
Darum stehen Reisen in die Golfregion im Lidl-Prospekt?
Offenbar wurde der Discounter von den Ereignissen überrascht. Das Unternehmen teilt mit: „Bezüglich der Bewerbung von Reisen in die Golfregion im aktuellen Lidl-Prospekt ist festzuhalten, dass unsere Werbemedien aufgrund logistischer Prozesse eine entsprechend lange Vorlaufzeit haben und bereits mehrere Wochen vor Veröffentlichung in die Produktion gehen.“
Und das hatte Folgen.„Zum Zeitpunkt der Redaktionsplanung war die jüngste Eskalation der Sicherheitslage in dieser Form nicht absehbar.“
Dubai-Reise im Prospekt: So reagiert Lidl
Welche Auswirkungen hat das nun auf die Kunden? Der Lidl-Sprecher: „In der Praxis stellt sich die Situation so dar, dass diese Reisen für die derzeit kritischen Zeiträume nicht mehr buchbar sind.“
Zwar werden einzelne Angebote systembedingt noch in der Übersicht angezeigt – ein branchenübliches Verfahren bei Reiseportalen. „Eine finale Buchungsbestätigung durch die Reiseveranstalter erfolgt jedoch für die von den Reisewarnungen betroffenen Zeitfenster nicht.“
Damit würden sich die im Prospekt abgedruckten Angebote faktisch auf spätere Reisezeitpunkte beziehen, so der Sprecher. Deren Durchführung werde man aber im engen Austausch mit den Partnern fortlaufend an die aktuelle Sicherheitslage anpassen.
Dubai-Reise auch auf Lidl-Plus-App
Die Dubai- und Bahrain-Reisen sind auch in dem Wochenprospekt auf der Lidl-Plus-App. „Dort wurden die betroffenen Reiseziele für den aktuellen Zeitraum nicht als aktive Teaser-Produkte eingeplant. Aufgrund automatisierter Anzeigeprozesse kann jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden, dass einzelne Angebote systembedingt für kurze Zeitfenster sichtbar waren“, so der Sprecher.
„Grundsätzlich gelangen Nutzer über die App-Verlinkung auf die Website von Lidl-Reisen, auf der das gesamte Angebot hinterlegt ist. Auch hier gilt: Eine Buchung für die unmittelbar von der Krisenlage betroffenen Zeiträume wird derzeit nicht bestätigt.“ Auf der Reiseseite im Internet würde das Unternehmen die Kunden über die aktuelle Situation in der Golfregion informieren.
Kann ich Dubai-Reisen für den Sommer 2026 buchen?
Aber: Lidl erklärte auch, sich die im Prospekt abgedruckten Angebote für die Dubai- und Bahain-Reisen faktisch auf spätere Reisezeitpunkte beziehen könnten. Was bedeutet das? Es gilt doch noch die amtliche Resiewrnung! Der KURIER fragte beim Deutschen Reiseverband (DRV) nach.
„Wie lange diese Situation anhalten wird, lässt sich derzeit nicht seriös vorhersagen“, sagt Verbandssprecher Schäfer. Die Reisebranche hofft, dass sich die Lage bald zum Positiven ändere. Doch kann man Pauschalreisen für den Sommer oder Herbst auch jetzt im Internet buchen, wo ein Ende des Krieges noch nicht absehbar ist?
„Die Reiseveranstalter haben ihre Zielgebiete immer im Blick und agieren sofort, wenn es die Entwicklung erfordert. Dabei orientieren sie sich an den objektiven Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes und nehmen diese sehr ernst“, sagt der Verbandssprecher.






