Neue Poller in Friedrichshain

Großeinkäufe brechen weg – Supermarkt fürchtet Einbußen von Stammkunden

Wegen neuer Poller müssen viele Auto-Kunden einen  Umweg fahren. Ein Supermarkt-Betreiber fürchtet Umsatzeinbrüchen und fühlt sich vom Bezirk im Stich gelassen.

Author - Sebastian Karkos
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Dennis Henkelmann vor seinem Rewe-Markt in der Revaler Straße. Nun kommen weniger Auto-Kunden.
Dennis Henkelmann vor seinem Rewe-Markt in der Revaler Straße. Nun kommen weniger Auto-Kunden.Markus Wächter/Berliner Zeitung

Die Vorarbeiten haben bereits begonnen. Am Montag sollen die Poller an der Revaler Ecke Haasestraße in Friedrichshain eingesetzt werden. Das Gewerbegebiet an der Revaler Straße (Rewe, Aldi, Budni und ein Frauen-Fitnessstudio) ist mit dem Auto vom Ostkreuz aus nicht mehr so einfach erreichbar.

Auto-Kunden müssen nun einen großen Umweg fahren

Kunden müssen nun den großen Umweg über die Warschauer Straße nehmen – wenn sie überhaupt noch kommen. „Ich kann es nicht beziffern, aber das Ganze wird mir definitiv wehtun.“ Das sagt Dennis Henkelmann, der den Rewe-Supermarkt an der Revaler Straße betreibt.

Der Kaufmann hat in den letzten Monaten eine Kundenbefragung durchgeführt. Ergebnis: Rund ein Viertel der Kunden kommt mit dem Auto. „Davon haben 21 Prozent in der Umfrage gesagt, dass sie nicht mehr kommen, wenn sie diesen Umweg fahren müssen“, so Henkelmann.

Auto-Kunden gelten als zahlungskräftig

Warum das so schmerzt, erklärt er so: „Für mich als Unternehmer sind das die besten Kunden. Die, die mit dem Auto kommen, holen zum Beispiel nicht nur Brot und Aufschnitt, sondern machen Großeinkäufe. Sie liegen pro Einkauf zwischen 60 und 80 Euro. Fußgänger bei 10 bis 15 Euro.“

Die Revaler Straße ist an dieser Stelle nun dicht. Mit dem Auto kommen Kunden vom Ostkreuz nicht mehr so einfach zum Gewerbegebiet (siehe hinten).
Die Revaler Straße ist an dieser Stelle nun dicht. Mit dem Auto kommen Kunden vom Ostkreuz nicht mehr so einfach zum Gewerbegebiet (siehe hinten).ZVG

Die Poller in der Revaler Straße sind Teil des Gesamtkonzepts zur Verkehrsberuhigung im Ostkreuz-Kiez. Im Zuge dieses Projekts werden die Libauer und Dirschauer Straße ab Montag auch jeweils zu Einbahnstraßen. Der eine oder andere Anwohner freut sich über das Projekt, weil weniger Durchgangsverkehr herrscht. Für andere – vor allem Autofahrer – ist es aufgrund der ohnehin knappen Parkplätze ein Albtraum. Gewerbetreibende profitieren kaum von der Verkehrsberuhigung. So wie Dennis Henkelmann.

So wurden Anrainer zu Wochenbeginn über die Maßnahme in ihrem Kiez informiert.
So wurden Anrainer zu Wochenbeginn über die Maßnahme in ihrem Kiez informiert.ZVG

Im Januar hat er noch einmal einen Brief mit seinem Protest ans grün geführte Bezirksamt geschickt, doch eine Antwort ist bis heute nicht gekommen. Henkelmann ist weiterhin enttäuscht über die Kommunikation im Vorfeld des Projekts. Er sagt: „Wir leben hier in einer Demokratie. Und das hat für mich nichts mehr mit Demokratie zu tun. Man muss der Bevölkerung zumindest die Wahl lassen.“

Henkelmann weiter: „Die Menschen, die aufs Auto angewiesen sind, werden einfach ausgesperrt. Auch wenn es hart klingt: Für mich ist das Freiheitsberaubung. Der Staat gibt mir vor, wie ich zu leben habe.“ Die Poller kommen – und die Diskussionen um sie geht weiter.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Können Sie den Ärger des Supermarkt-Leiters nachvollziehen? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com