Auf dem Weg in den Oman

Heimkehr-Drama aus Abu Dhabi: Wie ein Berliner sich von „Mein Schiff 4“ nach Hause durchschlägt

Passagiere an Bord von ‚Mein Schiff 4‘ verlassen das Schiff. Nichts wie raus aus der nervenaufreibenden Stimmung mit Drohneneinschlägen und Explosionen.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Das Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 4“ des Reiseveranstalters TUI liegt derzeit im Hafen von Abu Dhabi fest (Symbolbild)
Das Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 4“ des Reiseveranstalters TUI liegt derzeit im Hafen von Abu Dhabi fest (Symbolbild)IMAGO/Dwi Anoraganingrum

„Gestern waren die Angriffe über dem zweiten Schiff hier im Hafen so heftig, dass es ein Wunder ist, dass dort mutmaßlich noch alle unverletzt sind. Die brauchen dringend Hilfe“, schreibt Norbert Raeder. Der Berliner sitzt seit Beginn des Krieges im Iran mit anderen in Abu Dhabi auf dem Schiff „Mein Schiff 4“ fest. Doch nun ist er auf dem Heimweg.

Condor startet Rückholaktion, aber nicht für eigene Passagiere

Raeder hatte privat Flüge ausgerechnet bei der Fluggesellschaft Condor gebucht um dann eine Kreuzfahrt durch den Persischen Golf mit dem TUI-Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 4“ anzutreten.

Doch seit dem Krieg im Iran sind die Airports in Dubai gesperrt, der gebuchte Rückflug war nicht durchzuführen. Kurzerhand stornierte die Fluggesellschaft den Flug, überwies das Geld zurück und ließ Raeder ohne weitere Unterstützung im Kriegsgebiet sitzen.

„Bedauerlicherweise ist Ihr ursprünglich gebuchter Flug von einer Flugplanänderung betroffen und musste gestrichen werden. Dafür möchten wir uns bei Ihnen entschuldigen. Wir versichern Ihnen, dass ein solcher Schritt nur in Ausnahmefällen durchgeführt wird, hieß es von der Airline. Eine Umbuchung auf andere Fluggesellschaften sei nicht möglich.“ Und nun? Ihn ärgert dass Condor nun im Auftrag der Bundesregierung Evakuierungsflüge durchführt. 

Raeder ist sauer. „Lässt sich mit den Sonderflügen, beauftragt durch die Bundesregierung, etwa mehr Geld verdienen?“, fragt sich der Reisende und hat das Vertrauen in die frühere Lufthansa-Tochter komplett verloren.

Norbert Raeder und die Schiffscrew auf Mein Schiff 4. Kurz drauf verlässt Raeder das  Schiff in Abu Dhabi in Richgung Oman.
Norbert Raeder und die Schiffscrew auf Mein Schiff 4. Kurz drauf verlässt Raeder das Schiff in Abu Dhabi in Richgung Oman.Raeder

Welche Wege füren nach Hause?

„Condor sagt bezahlte Flüge ohne Alternativen ab um dann in der gleichen Zeit für die Bundesregierung zu fliegen – soll ich jetzt bei der Bundesrepublik um meine Flüge betteln“, so Raeder in einem aufgebrachten Facebookpost. „Dieser deutschen Fluggesellschaft werde ich mein ganzes Leben nicht mehr vertrauen“, sagt ausgerechnet der Mann, der einst in seinem Reisebüro Tausende Kunden an die Airline vermittelte.

Stimmung angespannt auf „Mein Schiff 4“

An Bord von „Mein Schiff 4“, das noch immer im militärischen Hafenteil in Abu Dhabi festliegt, änderte sich die Stimmung schon in den letzten Tagen, berichtet ein junger Vater im Magazin Stern.

Es gebe verschiedene Arten, mit der Situation, dass es immer wieder Explosionen in der Nähe gibt, Drohnen in unmittelbarer Umgebung einschlagen, umzugehen.

„Manche haben schnell versucht, sich auf eigene Faust auf den Rückweg zu machen. Andere gehen in die Stadt oder an den Strand. Es gibt auch welche, die sich morgens um zehn an die Bar setzen. Diejenigen mit Familie, so wie wir, bleiben aber eher besorgt an Bord.“

Dabei verließen auch immer wieder Reisende das Schiff und den Hafen von Abu Dhabi, berichtete auch Norbert Raeder zuletzt am Telefon, er freute sich für jeden von ihnen.

„Mein Schiff 4“ liegt im Hafen von Abu Dhabi fest. Von hier aus machen sich Passagiere auf eigene Faust auf den Weg nach Hause.
„Mein Schiff 4“ liegt im Hafen von Abu Dhabi fest. Von hier aus machen sich Passagiere auf eigene Faust auf den Weg nach Hause.Raeder

Auf eigene Faust nach Hause kommen

Und plötzlich geht es auch für ihn angesichts der nahen Einschläge  ganz schnell.  „Bis zum Sonntag will der Reiseveranstalter TUI alle Gäste an Bord von Mein Schiff 4 evakuiert haben“, berichtet Raeder.

Derzeit befindet er sich mit weiteren Gästen auf dem Weg nach Oman, wo in Maskat noch reguläre Flüge starten. Es sind fünf Stunden Fahrt, plus Grenzübertritt dorthin. „Noch sind wir nicht drüben“schreibt Norbert Raeder per sms.

Nur im Oman starten und landen derzeit reguläre Flieger, hier ist der Luftraum frei.
Nur im Oman starten und landen derzeit reguläre Flieger, hier ist der Luftraum frei.LOIC VENANCE

„Wenn alles gut geht, fliegen wir mit einer von TUI Cruises gecharterten Sondermaschine nach Frankfurt. “
Die Nerven sind auf dem Weg zum Zerreißen angespannt, aber auch das Ausharren im Kriegsgebiet zehrt. 

Die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate veröffentlichen jeden Tag die Zahl der abgegebenen sowie der abgefangenen Geschosse über dem Land. Am Donnerstag waren es über 180 ballistische Raketen, die größtenteils abgewehrt wurden und über 1000 Drohnen (UAVs).

Für Norbert Raeder ist klar, er will wieder nach Berlin, um spätestens  am Mittwoch wieder in der Reinickendorfer Bezirksverordnetenversammlung zu sitzen. Als wir versuchen, ihn Freitagmittag anzurufen ist das nicht möglich.  „Wollen wir hoffen, dass alles gut geht“, schreibt er.

Condor darf Dubai nicht anfliegen

Von Condor heißt es auf eine Anfrage des KURIER: „Es ist unzutreffend, dass reguläre Flüge angeblich zugunsten von Sonderflügen gestrichen werden. Flugplananpassungen im Nahen Osten erfolgten sofern erforderlich ausschließlich auf Basis sicherheitsrelevanter, regulatorischer oder operativer Notwendigkeit. Da der Flughafen Dubai derzeit nicht angeflogen werden darf, mussten Flüge zu/von dieser Destination gestrichen werden. “

Maskat sei kein Bestandteil des regulären Condor Flugplans und werde ausschließlich im Rahmen eines behördlich beauftragten Sondereinsatzes angeflogen. „Zu vertraglichen Details äußern wir uns grundsätzlich nicht.“, heißt es auf die Frage, wie solche Flüge entlohnt werden.

Urlauber-Flüge von Maskat nach Frankfurt

Diese Woche führt Condor im Auftrag des Auswärtigen Amts zwei Sonderflüge von Maskat im Oman nach Frankfurt durch, um Gäste aus der Nahost Region wieder zurück nach Deutschland zu bringen, so eine Sprecherin der Airline weiter. 

Die erste Condor A321neo werde am heutigen Vormittag in Frankfurt erwartet, ein zweiter Flug startet voraussichtlich am Freitagabend aus Maskat mit Ankunft in Frankfurt am Samstag. Condor unterstützt somit in besonderen Situationen auf Anfrage und im Auftrag der zuständigen Behörde.

Auch Norbert Raeder, der in einer weiteren Nachricht voller Gedanken, an die Schiffscrew ist, die im Krieg ausharren muss, und seine Mitreisenden sind hoffentlich am Samstag wieder sicher in Deutschland.

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