Seit August wird die Strecke zwischen Hamburg und Berlin von der Deutschen Bahn generalsaniert. Ersatzweise sind Busse im Einsatz. Doch jetzt spielt sich auf der Strecke ein handfester Wirtschaftskrimi ab, und tausende Fahrgäste sind dabei die Dummen. Marode Busse, Fahrzeugausfälle und zeitweise fehlende digitale Fahrgastinformationen sorgen seit Tagen für Frust.
Busflotte wurde über Nacht ausgetauscht
Eigentlich sollte der Schienenersatzverkehr die Zeit bis April überbrücken, in der die wichtige Bahnstrecke wegen einer umfassenden Sanierung gesperrt ist. Seit August betreibt Ecovista im Auftrag der Deutschen Bahn die Busverbindungen zwischen Berlin und Hamburg. Rund 200 neue Busse waren dafür im Einsatz, geleast von einem Investor.
Doch Ende Februar zog Ecovista-Chef Michael Bader die Reißleine. Nach seinen Angaben verlangte der Investor zu hohe Leasingraten. Der Vertrag wurde gekündigt, mit bösen Folgen! Quasi über Nacht tauschte Ecovista die neuen Fahrzeuge durch Gebrauchtbusse aus, die das Unternehmen auf dem freien Markt organisiert hatte.

Marode Ersatzbusse werden ausgetauscht
Viele dieser Busse entsprechen nicht den Qualitätsstandards, die mit der Deutschen Bahn vereinbart sind. Seitdem hagelt es Kritik von Fahrgästen und der Bahn. Marode Busse gingen auf Pendeltour, die nicht mal im DB Navigator erschienen, auch USB-Steckdosen und WLAN fehlten an Bord!
Bader selbst räumt ein, dass das Angebot zuletzt gelitten hat. „Wir werden die Busflotte verbessern, so dass sie immer mehr dem vertraglichen Standard entspricht“, verspricht er. Gleichzeitig dämpfte er die Erwartungen: „Realistischerweise werden die Busse aber nicht den Standard einer komplett neuen Flotte erreichen.“
Besonders marode Fahrzeuge sind schon ausgemustert worden. Auch die digitalen Echtzeitdaten funktionieren inzwischen wieder. Ab dem Wochenende sollen die Busse wieder im DB Navigator erscheinen. In den kommenden Tagen und Wochen sollen außerdem alle Fahrzeuge wieder mit USB-Steckdosen und WLAN ausgestattet werden.

Bahn und Politik pochen auf bessere Busse
Auch bei den Ausfällen gebe es Fortschritte. Am Donnerstag seien rund 20 Fahrten ausgefallen – bei insgesamt etwa 1230 täglichen Verbindungen. „Wir waren vorher besser“, räumte Bader ein. „Aber wir sind auf dem Weg.“
Dennoch macht die Bahn Druck, vereinbarte Standards einzuhalten. Auch aus der Politik kommt scharfe Kritik. „Die Situation beim Schienenersatzverkehr ist für die Fahrgäste in Mecklenburg-Vorpommern inzwischen unzumutbar“, erklärte die verkehrspolitische Sprecherin im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Jutta Wegner. „Wenn Busse in einem Zustand unterwegs sind, der eher an Schrottplätze als an den öffentlichen Nahverkehr erinnert, dann ist das ein massives Versagen des Auftragnehmers.“
Der Streit mit dem Investor dürfte derweil vor Gericht landen. Bader kündigte eine Klage wegen Wuchers an. Doch trotz der Turbulenzen zeigt sich Firmenchef Bader kämpferisch. Er ist überzeugt, dass sich die Lage bald stabilisieren wird. „Die Busse werden konform gemacht. Es geht ums Weitermachen.“
Denn der Ersatzverkehr könnte länger nötig sein als geplant. Wegen Frostschäden im Winter hatte die Deutsche Bahn angekündigt, dass die Sperrung der Strecke über den April hinaus dauern könnte.



