Trauer um eine absolute Größe in der Literaturwelt. Peter Schneider ist tot. Eines seiner größten Werke wurde für die Generation der 68er zur identitätsstiftenden Lektüre. Vor wenigen Monaten erst veröffentlichte er sein letztes Buch. Ein Rückblick auf sein Leben und seine Karriere.
Peter Schneider hatte Krebs
Der Schriftsteller Peter Schneider ist am vergangenen Dienstag im Alter von 85 Jahren gestorben. Das teilt der Verlag Kiepenheuer & Witsch in Köln unter Berufung auf seine Familie mit. „Wir verlieren einen loyalen Freund, einen wachen Geist und einen großen Stilisten“, so der Verlag. „Sein Werk wird bleiben.“ Schneider ist in Berlin verstorben, wo er zuletzt auch gelebt hatte. Er hatte eine Wohnung unweit des Kurfürstendamms in Charlottenburg-Wilmersdorf.

Wie sein Freund, Drehbuchautor und Regisseur Volker Schlöndorff in der Süddeutschen Zeitung berichtet, habe Schneider an Krebs gelitten. „Zwei Jahre hat er den Krebs, der sich so ziemlich überall eingenistet hatte, dank Immuntherapie und guter Moral in Schach gehalten“, schildert Schlöndorff. „Peter lehnte ab, eine Chemo zu machen, die nur Schmerzen mache, das Bewusstsein einenge und ihm doch höchstens ein paar Wochen bringen würde.“
„Im Dezember musste die Therapie wegen starker Nebenwirkungen abgesetzt werden. Weihnachten verbrachte er noch guter Dinge in Köln bei der Familie“, erzählt Schlöndorff weiter. Am Dienstag sei er dann friedlich in seiner Berliner Wohnung eingeschlafen, im Beisein seiner Kinder Lena und Marek.
Berlin spielte eine große Rolle in Schneiders Leben
Der Autor wurde 1940 in Lübeck geboren und wuchs in Freiburg auf – wo er sein Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie aufnahm. Später zog er nach Berlin. Er schrieb Erzählungen, Romane, Drehbücher und Reportagen sowie Essays und Reden. Seit 1985 unterrichtete Schneider als Gastdozent an amerikanischen Universitäten, unter anderem in Stanford, Princeton und Harvard.

Schneider, einer der prägenden Köpfe der Berliner Studentenbewegung der 1960er Jahre, radikalisierte sich politisch und wurde zu einem ihrer Wortführer – etwa bei der Vorbereitung des „Springer‑Tribunals“ 1967. In Berlin engagierte er sich in einer „Projektgruppe Elektroindustrie“, arbeitete zeitweise als Hilfsarbeiter bei Bosch und geriet früh in Konflikt mit staatlichen Stellen – bis hin zur verweigerten Zulassung zum Referendariat 1973, die erst später aufgehoben wurde.
Statt ins Lehramt zu gehen, etablierte er sich als freier Schriftsteller: Seine Erzählung „Lenz“(1973) wurde zum Kultbuch der Linken, und mit „Der Mauerspringer“ (1982) avancierte er international zum literarischen Chronisten des geteilten und später wiedervereinigten Berlins. Sein Werk kreist immer wieder um Berlin als Schauplatz politischer Konflikte, Generationenerfahrungen und historischer Brüche.
Schneiders bekannteste Bücher
Zu seinen wichtigsten Werken zählen neben „Lenz“ und „Der Mauerspringer“ auch „Rebellion und Wahn“ (2008), „Die Lieben meiner Mutter“ (2013) und „Club der Unentwegten“ (2017). Nur wenige Monate vor seinem Tod erschien Ende 2025 sein letztes Buch „Die Frau an der Bushaltestelle“.

„Peter Schneiders neuer Roman ist die Geschichte einer dramatischen Dreiecksbeziehung im Spannungsfeld von politischen Erweckungen und Verirrungen, Liebe und Verrat, Idealismus und Libertinage“, so der Verlag. „Ein mitreißendes Buch über deutsche und persönliche Schuld. Darüber, wer wir damals waren – wohin wir wollten und wo wir nie ankamen.“


