Der Fall Fabian aus Güstrow – er macht ganz Deutschland sprachlos. Seit Monaten verfolgen Millionen Menschen den wohl spektakulärsten Kriminalfall des Jahres. Der acht Jahre alte Junge aus Güstrow wurde am 10. Oktober 2025 an einem Tümpel bei Klein Upahl getötet. Zur Tatverdächtigen wurde schnell Gina H., die Ex-Freundin und jetzt wieder Partnerin von Fabians Vater. Sie muss sich aktuell vor Gericht verantworten – der Prozess wird am 6. August fortgesetzt. Wir fassen für Sie die wichtigsten Fakten im Fall Fabian zusammen: Die Chronologie eines Verbrechens.
Fall Fabian aus Güstrow: Chronologie eines Verbrechens
Freitag, 10. Oktober 2025. Der acht Jahre alte Fabian aus Güstrow verschwindet aus dem Haus seiner Mutter. An jenem Freitag soll er eigentlich zu Hause bleiben, weil er am Tag zuvor an Nasenbluten gelitten hatte und sich ausruhen sollte. Doch als seine Mama Dorina L. am Abend von der Arbeit kommt, ist der Junge weg.
Samstag, 11. Oktober 2025. Fabian wurde als vermisst gemeldet, eine groß angelegte Suche nach dem Jungen beginnt. Die Polizei und etliche freiwillige Helfer durchkämmen Güstrow und die umliegenden Orte. Fabians Mama Dorina L. wendet sich mit einer Videobotschaft an die Öffentlichkeit – und fleht zugleich Fabian an, wieder nach Hause zu kommen. Die Suche dauert an, verläuft aber erfolglos.
Dienstag, 14. Oktober 2025. Die Leiche des kleinen Fabian wird gefunden. Seine Überreste liegen an einem Tümpel bei Klein Upahl, etwa 15 Kilometer entfernt vom Haus seiner Mutter. Gefunden hat ihn Gina H., zu dem Zeitpunkt die Ex-Freundin von Fabians Vater Matthias R. eine Information, die zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht öffentlich bekannt ist, die nur in Form von Gerüchten die Runde macht. Die Untersuchungen des Tatorts beginnen.
Donnerstag, 16. Oktober 2025. Die Staatsanwaltschaft Rostock verkündet das Ergebnis der Obduktion. Nun ist traurige Gewissheit: Der Grundschüler wurde gewaltsam getötet. Weitere Details zu seinem Tod veröffentlichen die Ermittler zunächst nicht.

Freitag, 17. Oktober 2025. Das Ausmaß der Tat wird nun etwas deutlicher: Es kursieren Fotos der Fundstelle von Fabians Leiche am besagten Tümpel bei Klein Upahl. Zu sehen ist auch verbranntes Gras – schnell kommt der Verdacht auf, dass Fabians Leiche angezündet wurde. Noch gibt es dazu keine Bestätigung von den Ermittlern.
Montag, 20. Oktober 2025. Es folgen lange Untersuchungen des Tatortes. Der Tümpel wird ausgepumpt, mit Metalldetektoren suchen die Polizisten nach der Tatwaffe. Zeugen werden befragt, es wird Spuren nachgegangen. Die Rede ist unter anderem von einem verdächtigen Auto, das eine Zeugin am Tag der Tat beobachtet haben möchte. Noch gibt es allerdings keinen konkreten Verdacht.
Leiche von Fabian aus Güstrow wurde verbrannt
Mittwoch, 5. November 2025. Nach zwei Wochen andauernden Ermittlungen wenden sich die Behörden in der TV-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ an die Bevölkerung. Sie geben neue Details über den Fall bekannt, erbitten Hinweise. Besonders brisant: In der Sendung wird erstmals ein Foto gezeigt, das ein Lagerfeuer am Rand des Tümpels bei Klein Upahl zeigt.
Es wurde von einer Frau aufgenommen, die den Brand aus einiger Entfernung bemerkt hatte. Das Bild wird zu einem der gruseligsten Aufnahmen, die in der Öffentlichkeit gezeigt werden: Hier ist zu sehen, wie Fabian aus Güstrow verbrennt. In Güstrow wird der kleine Fabian am gleichen Tag beigesetzt – nach einem großen Trauergottesdienst nimmt die Familie im kleinen Kreis Abschied.
Freitag, 7. November 2026. Durchbruch bei den Ermittlungen? Die Polizei verhaftet eine Frau, die nun als Tatverdächtige gilt. Es handelt sich um Gina H., die Ex-Freundin von Fabians Vater. Sie wird verdächtigt, etwas mit der Tat zu tun zu haben. Seit dem 7. November 2025 sitzt die heute 30-Jährige in Untersuchungshaft. Zuvor hatte es bei ihr und mehreren Bekannten Durchsuchungen gegeben – und auch ein Geländewagen aus dem Besitz von Gina H. wurde beschlagnahmt.
Samstag, 8. November 2025. Die Spekulationen über Gina H. und ein mögliches Motiv laufen auf Hochtouren. Mehrmals melden sich Experten zu Wort, unter anderem der bekannte Profiler Axel Petermann. „In neun von zehn Fällen töten Männer. Werden Frauen allerdings zu Täterinnen, finden wir die Opfer häufig im persönlichen Umfeld“, sagt er. Er spricht auch über das sogenannte Medea-Syndrom: Frauen töten, um jemanden zu verletzten. Musste Fabian sterben, weil sie sich für die Trennung an seinem Vater Matthias R. rächen wollte?

Samstag, 15. November 2025. Immer mehr wird über die Tatverdächtige Gina H. spekuliert. Es macht unter anderem das Gerücht die Runde, dass die damals noch 29 Jahre alte Pferdebesitzerin schon einmal ein totes Pferd verbrannt habe. Die Behörden gehen aber dazwischen. „Das Pferd wurde nicht verbrannt“, sagte eine Sprecherin des Landkreises Rostock. Es habe gegen Gina H. eine Anzeige gegeben, weil sie ein totes Pferd vergraben habe. Das Tier sei daraufhin fachgerecht entsorgt worden.
Dienstag, 18. November 2025. Eine andere Beobachtung aus dem Ort Reimershagen beschäftigt die Anwohner: In den Medien macht die Runde, dass Matthias R., der Vater des toten Fabian, sich um die Pferde von Gina H. kümmert, während sie in Untersuchungshaft sitzt. Mehrmals am Tag sei Fabians Vater vor Ort und versorge die Tiere, berichtet unter anderem der Nordkurier. Warum tut er das, obwohl Gina H. unter dringendem Verdacht steht, seinen Sohn getötet zu haben?
Familie von Fabian: Fall wird schon bald gelöst
Donnerstag, 20. November 2025. Während die Ermittlungen laufen, wendet sich immer häufiger auch Raffaela J., eine Freundin von Fabians Mutter Dorina L., an die Öffentlichkeit. In kurzen Videos auf Youtube gibt sie Einblicke in den Alltag der Familie und lässt durchblicken, dass die Familie mehr weiß als in der Öffentlichkeit bekannt ist. „Ich kann euch auch sagen: Mein Gefühl sagt mir, dass sie dem Ganzen schon ganz nah und ganz dicht dran sind“, sagt sie in einem der Clips. Sie glaube, dass die Verdächtige weiterhin schweigen wird. „Aber sie wird mit dem Schweigen nicht weiterkommen.“

Montag, 24. November 2025. Aufgrund der Videos von der Freundin von Fabians Mutter kommen mehr Details ans Licht. Sie veröffentlicht unter anderem Nachrichten, die Gina H. an Fabians Mutter Dorina L. geschickt haben soll. Daraus geht hervor, dass es sie störte, dass ihr Partner Matthias R. weiterhin Kontakt zu seiner alten Familie hatte. Denn aufgrund des gemeinsamen Sohnes hielt er die Verbindung. „Klar fand ich es damals am Anfang der Beziehung nicht immer schön, dass Matthias permanent Kontakt mit seiner Ex-Freundin hat“, soll Gina H. geschrieben haben. Sie habe es aber akzeptiert.
Verdächtige führte Zeugen zu Fabians Leiche am Tümpel
Dienstag, 2. Dezember 2025. Ein Zeuge meldet sich in einem Medienbericht mit einer brisanten Aussage zu Wort. Er gibt zu Protokoll, Gina H. habe ihn schon am Abend vor dem Leichenfund am 14. Oktober 2025 zum Tümpel geführt, um ihm die Leiche des kleinen Fabian aus Güstrow zu zeigen. Gina H. habe ihn zu den sterblichen Überresten des Jungen gebracht und ihn dazu aufgefordert, dem Toten ins Gesicht zu leuchten. Und dann gesagt, dass es Fabian ist. Er rief nicht die Polizei, weil er Angst hatte, selbst verdächtigt zu werden.
Mittwoch, 3. Dezember 2025. Bei einem Haftprüfungstermin wird die U-Haft von Gina H. bestätigt. Der Termin ging auf einen Antrag des Anwalts der Beschuldigten, Andreas Ohm, zurück. Den Haftgründen lägen nur Indizien zugrunde, hatte er den Antrag begründet. Doch die Verdächtige muss im Gefängnis bleiben. Der Staatsanwalt spricht von „fast 1.000 Spuren, die ausgewertet werden müssen“.
Freitag, 5. Dezember 2025. Zwischenzeitlich melden sich auch immer mehr Zeugen zu Wort. So berichtet ein Mann in den Medien, er habe sich am Tag von Fabian Verschwinden mit Arbeitskollegen auf einem Feld in der Nähe des Tümpels aufgehalten, an dem Fabian verschwand. „Wir sind gegen halb eins in Upahl angekommen, ich habe meinen Arbeitskollegen das Mittagessen ausgeteilt“, sagte er. „Dann habe ich gesehen, dass von Gina das Auto vom Wald in Richtung Upahl gefahren ist. Dann hat meine Kollegin bloß gesagt: Wer war denn das? Da habe ich gesagt: Das war die Gina aus Reimershagen.“ Hielt sie sich also am Tag von Fabian Verschwinden dort auf?
Tränen-Botschaft von Fabians Mama Dorina L.
Sonntag, 7. Dezember 2025. In einem ihrer Videos verliest Raffaela J., die enge Freundin von Fabians Mama Dorina L., eine Nachricht der Mutter. Sie bedankt sich bei allen, die sie unterstützten, die etwa Geld für Fabians Beisetzung spendeten. „Ihr habt in einem Moment, in dem für Dorina die Welt stillstand, ein Licht angezündet. Ihr habt gezeigt, was Menschlichkeit bedeutet. Ihr habt aus fremden Menschen eine Gemeinschaft gemacht, die zusammenhält, wenn Worte fehlen.“
Dienstag, 9. Dezember 2026. Im Fall Fabian aus Güstrow kehrt etwas Ruhe ein. Immer wieder kommen jedoch kleinere Details ans Licht. So wird etwa darüber spekuliert, ob eine Überwachungskamera in unmittelbarer Nähe des Wohnortes das Auto von Gina H. aufgezeichnet haben könnte – und zwar ausgerechnet am Tag von Fabians Verschwinden.

Samstag, 20. Dezember 2026. Fabians Mama Dorina L. muss das erste Weihnachtsfest ohne ihren Sohn feiern. „Er hat sich immer so gefreut. Manchmal haben wir den Baum immer schon ganz früh aufgestellt, weil er es gar nicht abwarten konnte“, sagt sie in einem Interview. Der Gedanke an das erste Fest ohne ihn sei sehr schmerzhaft. Etwas wünschen könne sie sich nicht. „Ich habe keinen Wunsch. Das, was ich mir wünsche, kann nicht in Erfüllung gehen.“
Freitag, 16. Januar 2026. Eine Aussage von Staatsanwalt Harald Nowack macht plötzlich Hoffnung, dass der Fall bald gelöst werden könnte. Auf KURIER-Nachfrage zum Stand der Ermittlungen teilt er mit: „Realistisch dürfte eine nochmalige Anfrage in der 6. KW sein.“ Auch gegenüber einem anderen Nachrichtenportal bestätigt Nowack: „Wir gehen derzeit von einem Abschluss der Ermittlungen im Februar aus.“
Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Gina H.
Montag, 9. März 2026. Durchbruch im Fall Fabian: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Gina H., die Ex-Freundin von Fabians Vater Matthias R. Der Vorwurf: Sie soll den acht Jahre alten Jungen unter einem Vorwand aus dem Haus seiner Mutter gelockt und ihn am Tümpel mit mindestens sechs Messerstichen getötet haben. Anschließend habe sie den Tatort verlassen, sei später aber wiedergekommen, um die Leiche mit Brandbeschleuniger anzuzünden. Womöglich wollte sie damit Spuren vernichten. Als Motiv wird die Trennung von Matthias R. und Gina H. angeführt.
Freitag, 13. März 2026. Fabians Mutter meldet sich nach der Anklageerhebung zu Wort. Am Grab von Fabian sagt sie, sie erzähle ihrem Sohn auf dem Friedhof nur schöne Dinge „Ich sag immer nur: Ich hoffe, dass er nicht noch mehr Leid mitkriegen muss.“ Sie hoffe allerdings auf eine gerechte Strafe.
Dienstag, 17. März 2026. In einem Interview berichtet die Mutter von Fabian, dass das Grab ihres Sohnes geschändet wurde. Die Familie hätte auf dem Friedhof den Geburtstag des Jungen gefeiert, dabei das Grab schön geschmückt. Etwas später sei sie wieder dort gewesen. „Da musste ich feststellen, dass die Blumen, die wir hingestellt hatten für ihn, einfach weggenommen worden sind.“
Verfahren gegen Gina H. im Fall Fabian eröffnet
Dienstag, 24. März 2026. Raffaela J., die Freundin von Fabians Mutter, verkündet im Netz: „Nun ist es endlich soweit und das Hauptverfahren gegen die mutmaßliche dringende Tatverdächtige wird eröffnet.“ Nun gebe es keine Zweifel mehr und keine Ausreden. „Und ich hoffe auch keine Spekulationen mehr, ob es überhaupt noch passiert.“ Aus dem Gericht heißt es, man wolle demnächst über die angesetzten Termine informieren.
Dienstag, 14. April 2026. Das Hauptverfahren im Fall Fabian aus Güstrow wird eröffnet. „Das Landgericht Rostock hat am 14.04.2026 die Anklage der Staatsanwaltschaft Rostock vom 05.03.2026 wegen des Tatvorwurfs des Mordes gegen eine 30-Jährige aus dem Landkreis Güstrow zugelassen und das Hauptverfahren vor der Schwurgerichtskammer eröffnet“, teilt das Gericht mit. Zunächst werden für den Mordprozess 17 Termine angesetzt, Beginn Ende April. Man rechnet mit so großem öffentlichen Interesse, dass die Plätze für Pressevertreter verlost werden sollen.

Dienstag, 28. April 2026. Im Landgericht in Rostock beginnt der Prozess gegen Gina H. Die Angeklagte wird erstmals mit Fußfesseln in den Verhandlungssaal geführt. Auch Fabians Mutter Dorina L. nimmt an dem Prozess teil – als Nebenklägerin. Sie wird von Anwältin Christine Habetha vertreten. Zum Prozessauftakt wird die Anklage verlesen. Die Anwälte von Gina H. geben bekannt, dass sie sich nicht zu den Vorwürfen äußern wird. Bis zu einer Verurteilung gilt für Gina H. die Unschuldsvermutung.
Fabians Mama Dorina L. beschreibt ihren toten Sohn
Donnerstag, 30. April 2026. Die Mutter des kleinen Fabian sagt vor Gericht aus. Sie beschreibt unter anderem ihren Sohn. Er sei sehr liebevoll, zuverlässig und hilfsbereit gewesen, schilderte Dorina L. laut Bild-Zeitung vor Gericht. Den Umgang mit fremden Menschen habe sie mit ihm geübt – und Fabian beigebracht, wie er sich verhalten soll, wenn er allein zu Hause ist und es an der Tür klingelt. Auch Fabians letzter Wunsch wird enthüllt: Am Samstag nach seinem Verschwinden wollten er und seine Mutter eigentlich nach Rostock fahren, um dem Jungen neue Fußballschuhe zu kaufen.
Dienstag, 5. Mai 2026. Fabians Vater Matthias R. sagt vor Gericht aus – und schockt ganz Deutschland. Während der Verhandlung wird offiziell, dass er und Gina H. seit ihrer Zeit in Untersuchungshaft wieder ein Paar sind. „Das hat sich im Gefängnis im Januar ergeben.“ Deutlich machte er dabei auch seine Haltung gegenüber der Angeklagten: „Ich stehe offen und ehrlich hinter ihr.“
Die Staatsanwaltschaft leitete in der Folge Ermittlungen wegen mutmaßlicher Falschaussage gegen ihn ein. So berichtete Matthias R. etwa, die Beziehung mit Gina H. sei harmonisch gewesen. Sprachnachrichten, die vor Gericht abgespielt wurden, zeigten aber das Gegenteil.
Oma des toten Fabian schockt vor Gericht
Donnerstag, 21. Mai 2026. Vor Gericht schockt die Oma des kleinen Fabian mit ihrem Auftritt. Sie wird als Zeugin vernommen, erscheint mit einem schwarzen T-Shirt vor Gericht, darauf die Aufschrift „Don’t worry, BEER happy“, ein Jubelspruch für Biertrinker. Über Fabian sagt sie unter anderem: „Der war sehr freundlich und alles.“ Sie kann laut eigener Aussage allerdings nichts zum Fall beitragen. Der Richter fragt sie im Verlauf der Vernehmung auch, ob sie gar nicht wissen wolle, was mit ihrem Enkel passiert sei. „Nein, möchte ich nicht“, sagte sie.
Immer wieder werden im Prozess auch Sprachnachrichten von Gina H. abgespielt. Es geht unter anderem um die Beziehung zu Fabians Vater Matthias R. und darum, dass sie es nicht mochte, wenn er sich zu wenig um sie kümmerte. „Weil ich einfach im Mittelpunkt stehen möchte bei meinem Partner. Das, was ich in der Kindheit nicht hatte und auch so nicht, habe ich halt in der Partnerschaft gesucht.“
Am gleichen Prozesstag sagt eine Polizistin aus, schildert Details zum Fund von Fabians Leiche. „Der Kinderleichnam war zu einem großen Teil verbrannt“, sagte sie. „Zum Teil waren noch Textilien zu erkennen. Ich erinnere mich noch an den Schuh.“ Fabian habe wie eine Puppe ausgesehen. Er war im Gesicht so stark verändert, dass wir ihn mit dem Foto nicht hätten erkennen können.“

Mittwoch, 27. Mai 2026. Am Prozesstag werden wieder Sprachnachrichten von Gina H. abgespielt. Dieses Mal klingt es so, als wolle sie ein Alibi absprechen – mit einem Bekannten namens Christian D., dem sie mehrere Nachrichten geschickt haben soll. „Zum Thema Alibi, wo ich war … ich wollte nicht sagen, dass wir zusammen waren, sonst wirst du mit reingezogen. Ich hab Olaf gesagt, ich war mit Leo spazieren. Und er hat gesagt, wir sollen einfach sagen, dass wir den ganzen Tag zusammen waren.“
Auch die Zeugin, die das Foto vom Feuer am Tümpel machte, sagt aus. Sie habe es fotografiert, weil sie sich darüber wunderte, es aber dann wieder vergessen. Erst bei der Befragung durch die Polizei fiel es ihr auf. „Nein, oder? Ich habe das sogar fotografiert. Sagt bitte nicht, dass das Feuer das Kind war.“ Eine andere Zeugin berichtet, sie habe erst gedacht, dass auf dem Feld jemand Gartenabfälle verbrennt.
Sachverständige sagen im Fall Fabian aus Güstrow aus
Donnerstag, 28. Mai 2026. Mehrere Sachverständige sagen im Prozess aus, unter anderem ein Experte für die Analyse von Textilfasern. Besonders spannend: Unter einem Daumennagel an Fabians Leiche wurde eine lila-blaue Baumwollfaser gesichert. Die soll laut Aussage des Experten von einem Pullover aus dem Haushalt von Gina H. stammen. Eine Gutachterin sagt außerdem zum Thema Blut- und DNA-Spuren aus. So habe man unter anderem ein Blatt Küchenpapier mit einem Blutfleck von Fabian im Auto von Gina H. gefunden, außerdem weitere Blutspuren, von denen eine von Gina H. selbst stammte. Auch von Fabian sei viel DNA im Auto entdeckt worden, vor allem im Fußraum. Allerdings muss das DNA-Material nicht vom Tag der Tat stammen.

Dienstag, 2. Juni 2026. Im Prozess wird der Tatort genau unter die Lupe genommen. Fabians Mama Dorina L. ist deshalb nicht im Gericht, weil auch Bilder der Auffindesituation von Fabians Leiche gezeigt werden sollen. Es sagt unter anderem ein Polizist aus, der am 14. Oktober an den Tatort gerufen wurde, nachdem Gina H. den Fund der Leiche gemeldet hatte. „Sie hat vorher gesagt, dass ihre Spuren da unten sind, weil sie mit ihrem Hund den Körper gefunden hat.“ Mehrfach habe sie das betont. Gina H. war mit einer Bekannten vor Ort, beide hätten nicht betroffen oder geschockt gewirkt.
Erstmals deuten die Anwälte von Gina H. an diesem Prozesstag an, dass sich die Angeklagte womöglich bald selbst zu Wort meldet. „Sie wird berichtigen oder gerade stellen, was man ihr da fälschlicherweise vorwirft“, sagt Verteidiger Thomas Löcker. Die Verteidigung habe es schwer. „Es gibt viele Dinge, die sie belasten, aber nichts ist aussichtslos.“
Gerichtsmediziner klärt Todesursache von Fabian
Donnerstag, 4. Juni 2026. Der beteiligte Gerichtsmediziner sagt im Prozess aus – und gibt erstmals Informationen zur Todesursache bekannt. Seinen Erkenntnissen nach ist Fabian an den Stichverletzungen, die ihm durch das Messer zugefügt wurden, verblutet. Die Messerstiche seien gezielt in der Herzregion erfolgt. Und: Scheinbar wurden die Verletzungen im Liegen zugefügt – davon geht der Rechtsmediziner aus, weil die Gewaltintensität sehr hoch gewesen sei. So sei etwa das Brustbein durchstochen gewesen. Eine Verletzung, für die es viel Kraft braucht. Es seien keine Abwehrspuren festgestellt worden – und auch keine Spuren von Betäubungsmitteln.
Gina H. googelte, ob Wildschweine Leichen fressen
Mittwoch, 10. Juni 2026. Vor Gericht sagt unter anderem ein Kriminalbeamter aus, der an der Untersuchung des Handys der Angeklagten beteiligt war. Dabei kommen verschiedene Dinge ans Licht. Unter anderem die Tatsache, wie exzessiv Gina H. ihr Smartphone benutzte: In dem Zeitraum, in dem das Handy untersucht wurde, habe es rund 300.000 Interaktionen mit dem Gerät gegeben.
Besonders brisant: Laut dem Kriminalbeamten suchte Gina H. am Morgen nach dem Mord an Fabian nach „fressen Wildschweine Menschen“ und „fressen Wildschweine tote Menschen“. Außerdem soll sie gezielt nach Polizeimeldungen geschaut haben. Die Untersuchung ergab auch, dass ihr Handy am Tag von Fabians Verschwinden für eine ganze Weile abgeschaltet war.
Freitag, 12. Juni 2026 und Dienstag, 16. Juni 2026. Im Prozess sagen zwei Bekannte von Gina H. aus, die von ihr schon am Tag vor dem Leichenfund zum Tümpel geführt wurden. Der erste, Christian D., ist Jäger. Gina H. bat ihn am 13. Oktober 2025, ihr bei der Suche nach Fabian zu helfen. Sie schlug das Feld bei Klein Upahl vor, weil sie mit dem Jungen dort schon Schlitten gefahren sei. Er sollte mit seinem Nachtsichtgerät mitkommen. Bei der Suchaktion entdeckten sie die Leiche. „Im Nachhinein würde ich sagen: Sie wusste genau, wo sie hingeht“, sagte der Zeuge. Sie riefen nicht die Polizei.
Am gleichen Abend kehrte sie mit Olaf K., dem zweiten Zeugen, zurück. Er ist ihr Nachbar. Sie erzählte ihm, sie habe vielleicht die Leiche von Fabian entdeckt, sei sich aber nicht sicher. Deshalb wolle sie mit ihm noch einmal nachschauen gehen. Auch danach riefen sie nicht die Polizei. An den folgenden Tagen seien weitere merkwürdige Dinge passiert. So habe Gina H. ihm gereinigte Turnschuhe gebracht mit der Bitte, sie zu lagern. Doch bei ihm kamen Zweifel auf, ob sie nicht doch etwas mit dem Mord zu tun haben könnte. „Ich hab ihr am Tag danach gesagt, sie soll ihren Scheiß wieder abholen. Die ganze Sache wurde mir zu heiß.“ Er warf der Angeklagten Manipulation vor.
Freundin von Gina H. sagt im Fall Fabian aus
Donnerstag, 18. Juni 2026. An einem der spannendsten Projekttage sagt eine langjährige Freundin von Gina H. aus. Heike M. ist die dritte „Tümpel-Zeugin“ – und berichtet, dass Gina H. sie am 14. Oktober 2025 angerufen habe. Sie berichtete, sie habe die Leiche von Fabian gefunden, wolle aber ihre Begleiter schützen, die dabei waren. Deshalb bat sie M., mit ihr zum Tümpel zu kommen und ihre Hunde mitzubringen. Die Idee: Bei einem Spaziergang sollten die Hunde von M. zufällig auf Fabians Leiche stoßen.

Doch Heike M. wollte nicht für Gina H. lügen. Als die Angeklagte gegenüber der Polizei von einem zufälligen Fund beim Spaziergang sprach, legte M. offen, dass Gina H. offenbar einen Plan verfolgte. Sie selbst ging nicht mit zur Leiche, weil sie auf einen Rollator angewiesen ist. Deshalb soll Gina H. sogar gefragt haben, ob sie den toten Fabian fotografieren soll. Als sie vom Tümpel zurückkehrte, sei sie gar nicht betroffen gewesen. „Wenn ich den Kleinen da finde und ich komme da hoch und ich bin so gefühlslos – das war so kalt“, sagte die Zeugin.
Freitag, 19. Juni 2026. Es wird bekannt, dass jemand den Tümpel, an dem die Leiche des kleinen Fabian gefunden wurde, bei Google als Gedenkort eingetragen hat. „Oh, das ist neu“, sagte der Richter im Prozess, als er beim Aufrufen einer Karte zufällig auf den Eintrag stieß. Dorina L., die Mutter des toten Fabian, habe in dem Moment schlucken müssen, berichteten Beobachter des Prozesses im Nachhinein.
Polizist beschreibt Verhalten von Gina H. am Tatort
Dienstag, 23. Juni 2026. Vor Gericht sagt einer der Polizisten aus, die zuerst am Tatort waren, nachdem Gina H. die Polizei über den Fund der Leiche informiert hatte. Er beschrieb, wie Gina H. sich vor Ort benahm und was sie sagte. Eine Aussage machte ihn stutzig: Sie habe angemerkt, „dass sich dieser Ort anbieten würde, jemanden bewusst zu entsorgen“, sagte der Polizeibeamte. Außerdem soll sie kritisiert haben, dass die Polizisten am Tatort so grimmig guckten. „Sie fragte mehrfach nach, das schien sie zu stören.“ Als er später allein mit Heike M. im Auto saß, habe sie ihm berichtet, dass der Fund der Leiche kein Zufall war.
Freitag, 26. Juni 2026. Vor Gericht sagt ein Experte aus dem Bereich der operativen Fallanalyse aus. Er berichtet von den Erkenntnissen, die sein Team bei der Untersuchung des Falls gewonnen hat. Es geht unter anderem darum, dass die meisten Motive ausgeschlossen werden können, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Beziehungstat handelt. Allerdings bleiben auch Dinge unklar. So wurde genau untersucht, wie Fabian die Messerstiche zugefügt wurden. Ob der Täter oder die Täterin das Messer in der rechten oder der linken Hand hielt, bleibt aber unklar.

Er erklärte auch ein markantes Detail der Leiche. Während der Körper von Fabian fast vollständig verbrannt war, blieben Gesicht und die rechte Hand weitgehend von den Flammen verschont.„Das Gesicht ist der menschlichste Teil des Körpers“, sagt der Experte. Womöglich wollte der Täter oder die Täterin nicht die Identifizierung des Jungen zusätzlich erschweren. Das deutet darauf hin, dass es zwischen dem Täter und dem Opfer eine persönliche Beziehung gab.
Zeugen sagen über Angeklagte Gina H. aus
Mittwoch, 1. Juli 2026 und Donnerstag, 2. Juli 2026. Im weiteren Verfahren berichten unter anderem eine Gerichtshelferin und die Tierärztin von Gina H. über die Angeklagte. Die Gerichtshelferin spricht über die schwere Kindheit der Tatverdächtigen – sie habe berichtet, dass sie gemobbt wurde, außerdem sei sie mehrfach vergewaltigt worden. Die Tierärztin von Gina H. erzählt von der Liebe der 30-Jährigen zu ihren Pferden und von verschiedenen Ungereimtheiten.
So habe Gina H. am Tag von Fabians Verschwinden eine Nachricht erst nach einer Stunde beantwortet, obwohl sie sonst innerhalb von maximal acht Minuten antwortet. Auch hinterfragte sie, was Gina H. in Klein Upahl machte, schließlich habe sie in den Ort keinerlei Verbindungen gehabt. Auch eine Nachbarin sagt aus und berichtet über das Verhalten von Gina H. nach Fabians Verschwinden. „Ihre ganze Art und Weise war mehr so, als ob sie aufpasst, was in ihrer Umgebung passiert.“
Dienstag, 7. Juli 2026 und Donnerstag, 9. Juli 2026. An den vorerst letzten Verhandlungstagen sagen verschiedene Zeugen zu Gina H. aus – und auch ihr Therapeut wird vor Gericht vernommen. Er diagnostizierte eine „depressive Störung, Persönlichkeitsstörung mit Borderline-Anteilen und Abhängigkeiten“, sagte er. Über das Verhältnis zwischen Gina H. und Fabian sagte er, für sie sei Fabian wie ein eigenes Kind gewesen. „Da hatte ich immer den Eindruck, dass das ein sehr gutes Verhältnis war. Also sehr fürsorglich. Und auch liebevoll.“
An den letzten Prozesstagen geht es auch um ein verschwundenes Messer aus dem Besitz von Olaf K. – es war erst weg, tauchte dann aber nach einer gemeinsamen Suche mit Gina H. in seinem Schuppen plötzlich wieder auf. Und zwar an einer Stelle, an der vorher bereits gesucht wurde. Am Messer hätten keinerlei Spuren festgestellt werden können. Ermittler haben deshalb die Vermutung, dass es sich dabei um die Tatwaffe handeln könnte. Außerdem sagt eine weitere Polizistin zum Fund der Leiche des kleinen Fabian aus. „Entschuldigung, dass ich das so sage. Mein Eindruck war: Er wurde entsorgt wie Müll.“ Fabian sei dort einfach hingelegt worden, an den Rand des Tümpels. „Ihm wurde die letzte Würde genommen, die Ehre genommen.“











