Jede einzelne Aussage im Prozess um den Mord an Fabian aus Güstrow wird mit Spannung erwartet. Denn jede Vernehmung vor dem Landgericht Rostock bringt alle Beteiligten der Wahrheit ein kleines Stück näher. Auch am Freitag: Bei der neuen Verhandlung in dem Mordfall sagte ein Sachverständiger aus – ein Experte für die operative Fallanalyse, ein sogenannter Profiler. Er hat den Fall Fabian aus Güstrow detailliert untersucht, seine Ergebnisse vor Gericht erläutert. Wir verraten fünf Details, die dadurch über den Mord an Fabian ans Tageslicht kamen.
Detail 1: Fabian aus Güstrow wurde gezielt getötet
Der kleine Fabian aus Güstrow wurde am 10. Oktober an einem Tümpel bei Klein Upahl erst mit sechs Messerstichen getötet und im Anschluss verbrannt. Laut Profiler offenbar keine Zufallstat, sondern ein gezielter und geplanter Mord. Der Täter oder die Täterin habe „die besonderen Umstände des Opfers an diesem Tag“ in Erfahrung bringen können und die Tat dann aus persönlichen Motiven ausgeführt – das ist das Ergebnis der Fallanalyse des Experten.
Für die geplante Tötung des kleinen Fabian spricht auch, dass dem Täter nicht viel Zeit blieb. Die brennende Leiche von Fabian wurde am Tümpel fotografiert – zu dem Zeitpunkt habe der Körper laut Brandsachverständigen schon eine Weile gebrannt, angezündet wurde Fabian vermutlich gegen 13.30 Uhr oder 14 Uhr.
Das bedeutet: Weniger als drei Stunden vergingen zwischen der ersten Kontaktaufnahme und der Tat. Der kurze Zeitraum zeige laut Profiler, dass hier „unbedingter Tötungswille“ im Spiel war.

Detail 2: So wurde Fabian aus dem Haus gelockt
Der kleine Fabian soll von der Angeklagten Gina H. unter einem Vorwand aus dem Haus gelockt worden sein. Wie genau das vonstattengegangen sein soll, ist noch immer unklar. Laut Profiler muss der Täter oder die Täterin Kontakt zu Fabian aufgenommen haben – interessant ist in dem Zusammenhang, dass das Fahrrad des Jungen vor dem Haus stand.
Man konnte also erkennen, dass er zu Hause sein muss. Mit Gewalt wurde Fabian nicht aus dem haus geholt, stattdessen glaubt der Sachverständige an einen „positiven Anreiz“. Es ist wahrscheinlich, dass Fabian die Person gut kannte – denn das habe es einfach gemacht, den Jungen mitzunehmen.
Detail 3: So wurde Fabian am Tümpel erstochen
Mit sechs Messerstichen soll der kleine Fabian aus Güstrow am Tümpel getötet worden sein. Der Profiler hat die Messerstiche rekonstruiert. Man habe unter anderem untersucht, welche Spuren genau entstehen, wenn das Opfer auf dem Boden liegend oder von hinten erstochen worden wäre.
Das Ergebnis der Analyse: Es sei am wahrscheinlichsten, dass der Täter oder die Täterin hinter Fabian stand und ihn am Hals festhielt, während mit dem Messer mehrfach in den Brustkorb gestochen wurde. Auch der Profiler betonte, dass Fabian keine Gelegenheit gehabt habe, sich zu wehren. „Der Junge ist zeitnah überwältigt und erstochen worden“, sagte der Sachverständige laut Berichten. Es gab keine Hinweise darauf, dass er flüchten wollte oder dass es eine Art Kampf am Tatort gab.
Detail 4: Viele mögliche Motive wurden ausgeschlossen
Wenn es um die Suche nach dem Motiv geht, werden immer verschiedene Ansätze untersucht. Im Fall Fabian seien es das Raubmotiv, das Sexualdelikt, die Verdeckungstat, die spontane Gewalttat und der Bereich der Gruppendynamik gewesen. All diese Motivgruppen habe ausgeschlossen werden können. Hinweise gab es hingegen auf eine Beziehungstat.
„Die Täterschaft hat mit hoher bis sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus einem persönlichen Motiv heraus gehandelt.“ Zwar kann die Operative Fallanalyse keine Gewissheit bieten. Aber: Laut seiner Aussage kommt für den Sachverständigen kein anderes Motiv ernsthaft infrage.

Detail 5: Der Täter im Fall Fabian kannte den Ort genau
Wurde der Tatort am Tümpel bei Klein Upahl durch Zufall ausgewählt? Das ist laut der Analyse des Experten eher nicht der Fall. „Es ist unwahrscheinlich, dass man diesen Ort aufsucht, wenn man ihn nicht kennt“, sagte er. Von außen sei der Tümpel kaum einsehbar. Die abgelegene Schweinekuhle sei ein Hinweis darauf, dass die Tat geplant war. Es muss außerdem davon ausgegangen werden, dass Fabian direkt zu dem Tümpel gebracht wurde. Das schließt der Experte daraus, dass im Magen des Jungen nur zwei Milliliter Flüssigkeit gefunden wurde. Fabian hatte also vorher nichts gegessen.
Wichtig auch: „Wenn ich diesen Ort aufsuche, der als Schweinekuhle bekannt ist, dann ist es denkbar, dass die Tiere an der Leiche fressen sollen“, sagte der Profiler bei der Befragung durch den Richter im Fall Fabian aus Güstrow. Es war bereits ans Tageslicht gekommen, dass Gina H. auf ihrem Handy suchte, ob Wildschweine Leichen fressen.



