Mit jedem Tag im Prozess um den Mord an Fabian aus Güstrow kommen die Beteiligten der Wahrheit ein Stück näher – dazu tragen die unterschiedlichsten Zeugen in dem Fall bei. Doch auch andere Beweise kommen hier immer wieder auf den Tisch. Am neuen Verhandlungstag am Dienstag wurden nun erneut mitgeschnittene Telefonate abgespielt, die ein neues Licht auf die Angeklagte werfen könnten. Hier sind fünf Dinge, die in den abgehörten Telefonaten jetzt ans Licht kamen und die im Fall Fabian etwas bedeuten könnten.
Im Fall Fabian wurden mehrere Telefone überwacht
Im Prozess im Mordfall Fabian aus Güstrow wurde am Dienstag auch ein Polizeibeamter vernommen, der an der Auswertung der Telefonüberwachung beteiligt war. Nach dem Fund der Leiche wurden gleich mehrere Telefone überwacht – die Anschlüsse der Angeklagten Gina H., aber auch die von Christian D. und Olaf K.
Mit beiden war die Tatverdächtige schon am Tag vor dem offiziellen Fund von Fabians Leiche am 14. Oktober an dem Tümpel bei Klein Upahl gewesen – und hatte sie zu den verbrannten Überresten des acht Jahre alten Jungen geführt.
Außerdem wurde das Telefon von Matthias R. überwacht, dem Vater von Fabian aus Güstrow. Er war zu dem Zeitpunkt der Ex-Partner von Gina H. – im Prozess kam aber bereits heraus, dass die beiden nun wieder ein Paar sind, dass er die 30-Jährige regelmäßig in der Untersuchungshaft besuchte.
Gina H. wusste übrigens anfänglich nicht, dass ihr Telefon überwacht wird. Später wurde sie von ihren Anwälten über die Option informiert. Ihr Verhalten habe sich daraufhin geändert. Bei der Überwachung der Telefonanschlüsse kam Erstaunliches ans Licht – hier sind fünf Dinge.
Gina H. wollte die Gegend nach Fund von Fabian verlassen
Gina H. hatte ihre Bekannte Heike M. am 14. Oktober zur Leiche von Fabian geführt – laut der Aussage der Zeugin sollte sie als Alibi herhalten. Gina H. wusste bereits, wo die Leiche lag, brauchte laut Aussage von M. aber eine vernünftige Begründung – sie habe es deshalb so darstellen wollen, als habe der Hund von Heike M. bei einem Spaziergang zufällig den kleinen Fabian gefunden. Doch Heike M. machte nicht mit – und erzählte der Polizei vor Ort, dass die Version der Geschichte, die Gina H. erzählte, nicht stimmt.

Bei einem Telefonat machte Gina H. ihrer Bekannten daraufhin Vorwürfe. „Ich bin dir nicht sauer, weil du den Mund aufgemacht hast und alle mit reingezogen hast. Ist arschlos, finde ich zum Kotzen, ist aber egal“, sagte sie laut Berichten am Telefon. Sie klagte außerdem darüber, welche Folgen all das für ihr Leben in der Gegend habe – und deutete an, die Region verlassen zu wollen. „Wenn das hier alles vorbei ist, kann ich irgendwo hinziehen, wo mich keiner kennt“, sagte sie.
Fabians Vater hielt Gina H. für die Mörderin
Im Prozess stellte sich der Vater von Fabian voll hinter Gina H. – die beiden sind seit ihrer Zeit in Untersuchungshaft wieder ein Paar. Nun zeigt ein Telefonat, das er sie nach dem Fund der Leiche für schuldig hielt. Als Gina H. im Polizeiauto auf dem Weg zur Wache war, erhielt sie Anrufe von Fabians Vater, schilderte ein Ermittler vor Gericht.
„Als Herr R. sie angerufen hat, klang er betrunken und hat ins Telefon geschrien“, sagte er laut Berichten. „Es waren Vorwürfe, dass Frau H. etwas mit dem Tod von Fabian zu tun haben könnte.“ Gina H. habe am Telefon geweint. Sie sei in der Situation sehr aufgelöst gewesen und habe ihm gesagt, dass er sie nicht anrufen soll.

Gina H. interessierte sich mehr für ihre eigene Situation
Der Ermittler schilderte vor Gericht eine spannende Beobachtung: Er habe bei den abgehörten Telefonaten den Eindruck gewonnen, dass sich Gina H. nur wenig für den Tod des Jungen interessierte. Laut Berichten sprach er davon, sie habe „kaum Empathie übrig“ gehabt.
Stattdessen klagte sie über den öffentlichen Druck, der nach dem Fund der Leiche auf ihr lastete. Als klar wurde, dass ausgerechnet sie die Leiche des Jungen am Tümpel gefunden hatte, geriet sie ins Kreuzfeuer. Sie habe am Telefon geäußert, sie verstecke sich nur noch. „Es ist ein Albtraum, was hier abgeht“, sagte sie.
Gina H. hatte kein Interesse an gefundenem Messer
Die Polizei suchte lange nach der Tatwaffe. Besonders in den Fokus geriet bereits ein Messer, das wohl dem Zeugen Olaf K. gehörte, den Gina H. am Tag vor dem Leichenfund zum Tümpel geführt hatte. In abgehörten Gesprächen sei es auch um das Messer gegangen, das wohl zwischendurch verschwunden war.
Es sei später in einem Karton wieder aufgetaucht, aber Gina H. habe daran im Gespräch kein Interesse gezeigt. Für den Ermittler war das auffällig. Hinzu kam: Das Messer gehörte Olaf K., es waren aber keine Spuren von ihm daran. Der Ermittler habe daraus geschlussfolgert, dass es die Tatwaffe im Fall Fabian aus Güstrow sein könnte.

Gina H. log Fabians Vater Matthias R. an
Ein spannendes Detail aus einem der abgehörten Telefonate: Scheinbar log Gina H. auch Fabians Vater Matthias R. an. Sie sagte zu ihm, sie und ihr Bekannter Olaf K. seien von den Ermittlern gefragt worden, ob Matthias R. selbst seinen Sohn getötet haben könnte.
Sie habe aber sofort gesagt, dass er manchmal vielleicht aufbrausend war, aber seinem Sohn niemals etwas antun würde. Vor Gericht sagte der Ermittler nun aber, dass Matthias R. nie im Verdacht stand, etwas mit der Tat zu tun zu haben. Denn er habe ein Alibi gehabt.



