Die Schlinge für die Angeklagte Gina H. im Mordfall Fabian aus Güstrow zieht sich immer weiter zu – vor allem die Aussagen ihrer langjährigen Freundin Heike M. zum Fund der Leiche am Tümpel bei Klein Upahl dürften Spuren hinterlassen haben. Umso gespannter blicken nun viele auf die angekündigte Einlassung von Gina H. selbst. Nach der Sommerpause will sie sich in dem Verfahren äußern. Einer ihrer Anwälte gab jetzt weitere Einblicke – und deutete an, dass er Zweifel an den Alibis anderer Beteiligter in dem Verfahren hat.
Operative Fallanalyse im Fall Fabian: Was ist das?
Am Freitag wird der Prozess im Fall Fabian aus Güstrow fortgesetzt. Es dürfte aber ein recht kurzer Prozesstag werden – sicherlich auch angesichts der Hitze nicht verkehrt. Laut Ankündigung des Gerichts soll ab 9.30 Uhr ein Sachverständiger für die operative Fallanalyse gehört werden. Dabei handelt es sich um eine Methode aus der Kriminalpsychologie, bei der Taten systematisch ausgewertet werden, um Hinweise auf Täterverhalten, Motive und Tatmuster zu gewinnen. Eigentlich sollte noch ein Sachverständiger für Kommunikationsanalyse zu Wort kommen – doch dieser wird laut Gericht nun erst an einem späteren Termin gehört.
Nur noch wenige Termine stehen an, bis das Gericht eine Sommerpause macht – erst Anfang August wird der Prozess um den Mord an Fabian dann fortgesetzt. Viele blicken gespannt auf die Zeit nach der Pause, denn dann soll sich auch Gina H. endlich zu den Vorwürfen äußern. „Ich gehe nicht davon aus, dass es eine geständige Einlassung geben wird“, sagte Andreas Ohm, einer ihrer Verteidiger, jetzt in einem Interview mit dem YouTube-Kanal „Jens fragt nach“.

Auch zu einer groben Richtung könne er noch nicht viel sagen. „Es ist eine Erklärung der Angeklagten, was aus ihrer Erinnerung in dem fraglichen Zeitraum passiert ist – das muss sie sagen, das kann ich nicht sagen.“ Wann genau es zu der Einlassung kommen wird, ist momentan auch noch unklar. Die Verteidiger von Gina H. kündigten an, dass sie sich dabei auch nach der zeitlichen Planung des Gerichts richten wollen. Der Vorsitzende Richter hatte am Dienstag bereits angekündigt, dass bereits mehrere Zeugenaussagen für die Zeit nach der Sommerpause geplant sind.
Alibis von Fabians Vater und Tümpel-Zeugen hinterfragt
Es dürfte spannend werden, ob die Aussage von Gina H. etwas an dem Bild ändert, das viele Menschen über die Angeklagte haben. Bis zu einer Verurteilung gilt für die 30-Jährige die Unschuldsvermutung. Auch die Frage, ob es andere Täter geben könnte, wurde bereits thematisiert.
Vor Gericht wurde jetzt erneut thematisiert, ob Fabians Vater Matthias R. ein Alibi für den Tag von Fabians Verschwinden hat – und auch Christian D., der schon am Abend vor dem offiziellen Leichenfund mit Gina H. an dem Tümpel war, wurde hinterfragt. Laut einem Ermittler, der vor Gericht vernommen wurde, haben beide ein Alibi.

„An meinen Fragestellungen hat man bemerkt, dass ich zumindest bei einigen Personen an den bisherigen Ermittlungen, insbesondere zum jeweiligen Alibi, Zweifel hege“, sagte Verteidiger Andreas Ohm im Interview. Er werde dem in den kommenden Verhandlungen auch nachgehen – er sei dabei, Beweisermittlungsanträge vorzubereiten.
„Ob ich die letztendlich einreichen werde, werde ich mit meinem Kollegen besprechen und natürlich auch mit der Angeklagten.“ Werden im Laufe des Prozesses also noch die Alibis anderer Zeugen hinterfragt – und könnte es im Mordfall Fabian aus Güstrow noch eine unerwartete Wende geben? Das wird sich erst im August zeigen.
Das wird Gina H. im Fall Fabian vorgeworfen
Aktuell richtet sich der Fokus auf Gina H., die 30 Jahre alte Ex-Freundin und jetzt wieder Partnerin von Fabians Vater Matthias R. Sie soll den Jungen am 10. Oktober unter einem Vorwand aus der Wohnung seiner Mutter gelockt haben und mit ihm zu einem Feld bei Klein Upahl gefahren sein. Dort habe sie den kleinen Fabian aus Güstrow mit mindestens sechs Messerstichen im Bereich des Oberkörpers getötet, ohne dass er eine Chance hatte, sich zu wehren.
Sie soll danach zunächst den Tatort verlassen haben, später aber zurückgekehrt sein, um den Leichnam mithilfe von Brandbeschleuniger anzuzünden. Die Ermittler glauben, dass sie Spuren vernichten wollte.


