Im Prozess um den Mord an Fabian aus Güstrow stand bisher vor allem die Tat im Vordergrund: Experten für verschiedene Bereiche der Kriminalistik sagten aus – und Zeugen, die von der Angeklagten Gina H. schon vor dem offiziellen Auffinden der Leiche zum toten Fabian geführt wurden. Doch nun wird es persönlicher: An den kommenden Prozesstagen sollen vor allem Zeugen vernommen werden, die etwas über die Persönlichkeit von Gina H. verraten können. Den Auftakt machte jetzt eine Gerichtshelferin vom Landgericht Rostock, die Gina H. in der JVA traf und mit ihr über ihre eigene Lebensgeschichte sprach.
Bisher schweigt Gina H. im Fall Fabian aus Güstrow
Vor Gericht hat sich die Angeklagte Gina H. bisher nicht zu den schweren Vorwürfen geäußert: Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass sie den damals acht Jahre alten Fabian am 10. Oktober 2025 tötete und seine Leiche an einem Tümpel bei Klein Upahl verbrannte. Gina H. schweigt – umso wichtiger ist das, was andere Menschen über die Tatverdächtige erzählen können. Die Gerichtshelferin Christina F. traf Gina H. schon Anfang Januar in der JVA, sprach dort eine halbe Stunde mit ihr.
Vor Gericht packte sie nun über das aus, was Gina H. ihr damals erzählte. Es ging um die schwere Kindheit, die die 30-Jährige aus Reimershagen laut ihrer eigenen Aussage hatte. Aber auch um ihr Verhältnis zu Fabian und Fabians Vater Matthias R., der nach vielen Tagen Pause am Mittwoch plötzlich wieder vor Gericht erschien, um den Prozess zu verfolgen.
Gina H. habe bereitwillig über alle Themen gesprochen. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse der Gerichtshelferin.
Fall Fabian: Gina H. hatte schwere Kindheit
Im Gespräch mit der Gerichtshelferin soll Gina H. von ihrer schwierigen Kindheit erzählt haben. „Meine Mutter hat die Männer häufiger gewechselt als die Schlüpfer“, sagte Gina H. laut Berichten. Ihren leiblichen Vater habe sie nie kennengelernt, die Großeltern waren demnach ihre wichtigsten Bezugspersonen.
Außerdem habe Gina H. von Schulwechseln berichtet und davon, dass sie gemobbt worden sei. Besonders brutal: Mitschüler hätten ihre Haare angezündet und sie in eine Mülltonne gesteckt.

Gina H. berichtet von einer Vergewaltigung
Gina H. soll im Gespräch von einer Vergewaltigung im Jahr 2013 berichtet haben, die auch zuvor schon Thema in den Aussagen von Zeugen war. Danach sei sie psychisch „nicht mehr auf die Beine gekommen“, sagte die Gerichtshelferin. Einen Täter erwähnte sie demnach nicht – auch nicht, ob sie Strafanzeige erstattete.
Die psychische Situation hatte Folgen für ihr Berufsleben: Eine Ausbildung brach sie ab, beruflich stellte sich keine Stabilität ein. „Sie war nicht mehr frei im Kopf“, sagte die Gerichtshelferin. Seit 2015 bekomme sie eine Erwerbsminderungsrente, 1400 Euro im Monat.
Gina H. berichtet von häuslicher Gewalt
Auch das Thema häusliche Gewalt spielte für Gina H. offenbar eine Rolle. Sie soll von einem polnischen Ex-Partner berichtet haben, der getrunken haben soll und laut Gina H. immer wieder gewalttätig wurde. Er soll sie geschlagen und getreten haben, sogar während der Schwangerschaft. Laut dem zuständigen Richter soll Gina H. nach der Trennung sogar befürchtet haben, dass der Mann den gemeinsamen Sohn ins Ausland bringen könnte.

Fabian aus Güstrow war für Gina H. wie ein zweites Kind
Wie stand Gina H. zu Fabian? Im Gespräch mit der Gerichtshelferin soll sie gesagt haben, dass der Junge für sie „wie ein zweites Kind“ gewesen sei. Er hätte so ausgesehen wie ihr eigener Sohn, sie soll die beiden sogar mit Zwillingen verglichen haben. Trotzdem hatte die Gerichtshelferin nicht den Eindruck, dass die Trauer von Gina H. besonders groß war. Als die Angeklagte von Fabian erzählte, habe sie keine Betroffenheit gespürt. „Es wirkte mehr, als würde sie aus einer heilen Familienwelt der Vergangenheit berichten“, sagte die Gerichtshelferin in ihrer Aussage.
Gina H. setzte auf Fabians Vater Matthias R.
In Bezug auf Fabians Vater Matthias R. soll Gina H. geäußert haben, dass er wisse, dass sie nichts mit der Tat zu tun habe. Sein Name fiel auch, als Gina H. die wichtigsten Menschen in ihrem Leben aufzählte. Die beiden lernten sich laut der Schilderung von Gina H. beim Bau eines Carports kennen. Im Jahr 2022 zogen sie zusammen nach Krakow am See. Die Trennung habe Gina H. stark belastet. Gina H. zog danach zu ihren Großeltern, denn die gemeinsame Wohnung wurde gekündigt.

Das sagte Gina H. zum Tatvorwurf im Fall Fabian
Zum Tatvorwurf selbst habe Gina H. im Gespräch mit der Gerichtshelferin geäußert, sie solle „etwas getan haben, was sie nicht getan hat“. Ob die 30-Jährige wirklich etwas mit dem Mord an Fabian zu tun hat, soll beim Prozess vor dem Landgericht Rostock ermittelt werden. Ursprünglich waren 17 Verhandlungstage geplant, inzwischen wurde das Verfahren aber um weitere zehn Tage verlängert. Stand jetzt wird das Urteil im Herbst erwartet.


