Nur noch wenige Verhandlungstage, dann geht der Prozess um den Mord an Fabian aus Güstrow in die Sommerpause. Nach den vergangenen Wochen bleiben für alle Beteiligten viele Dinge, über die sie nachdenken können. Etliche Details sind bei den bisherigen Vernehmungen ans Licht gekommen – und es dürften noch mehr werden. Vor der Unterbrechung sagen noch mehrere Zeugen aus, auch Polizeibeamte. Ein Polizist gab schon am letzten Verhandlungstag Einblicke in einen neuen Aspekt der Geschichte: Er schilderte, wie Gina H. bei der Polizei anrief, um den Fund von Fabians Leiche zu melden.
Das sagte Gina H., als sie den Fund der Leiche meldete
Es ist ein Anruf, der aus heutiger Sicht aus mehreren Gründen stutzig macht – doch als am 14. Oktober 2025 bei der Polizei in Güstrow das Telefon klingelte, ahnte noch niemand, welche Entwicklungen es im Fall des toten Fabian aus Güstrow in den kommenden Wochen geben würde. Denn am anderen Ende war Gina H., die Ex-Freundin und jetzt wieder Partnerin von Fabians Vater. Die 30-Jährige sitzt heute, Monate später, vor Gericht – und muss sich wegen Mordes verantworten.
Am vergangenen Freitag sagte nun auch der Polizist aus, der Gina H. damals am Telefon hatte. Polizeihauptkommissar Christian L. erzählte aus dem Gedächtnis von dem Anruf, da das Telefonat am 14. Oktober 2025 nicht aufgezeichnet wurde.
Am Telefon sei eine aufgeregte Frau gewesen, die gesagt habe: „Ich glaube, ich habe ihn gefunden.“ Als er nachfragte, wen sie gefunden habe, habe sie schlicht geantwortet: „Na, den Fabi, oder das, was von ihm übrig ist.“

Ein Satz, der auch für den Polizisten alles veränderte. Denn bisher war die Suche nach Fabian die Suche nach einem vermissten Kind gewesen. Nun berichtete Gina H., sie sei mit Hunden im Wald spazieren gewesen. Dann hätten sich die Tiere plötzlich losgerissen und die Leiche in einer Wildschweinkuhle gewittert. Als er das Wort „Leiche“ hörte, habe sich bei ihm „ein Schalter umgelegt“, sagte der Polizist. Denn nun war klar: Der kleine Fabian aus Güstrow ist tot.
Gina H. wirkte aufgeregt, weinte aber nicht
Aufgeregt habe die Anruferin gewirkt, sie habe aber nicht geweint. Allerdings habe sie gesagt, die Polizei müsse schnell kommen, es sei schrecklich. Die Informationen wurden an einen anderen Kriminalbeamten weitergegeben, der am Freitag ebenfalls vor Gericht vernommen wurde und von seinen Erinnerungen berichtete.
Er rief Gina H. auf ihrem Handy zurück – und sie berichtete auch ihm, sie habe in einer Schweinekuhle ein Skelett gefunden. Das Gesicht sei aber noch zu erkennen. Sie schilderte außerdem, dass sie eine vier Jahre lange Beziehung zum Vater von Fabian gehabt und den Jungen deshalb erkannt hätte.

Die beiden verabredeten sich am Ortseingang von Klein Upahl, damit Gina H. die Polizei zum Fundort der Leiche führen konnte. Das Gespräch sei kurz und knapp gewesen. Der Beamte erläuterte vor Gericht, er habe keine emotionalen Ausbrüche wahrgenommen und nicht feststellen können, dass Gina H. geweint habe. „Sie war gefasst. Das Gespräch war zielführend, es waren nur zwei Minuten.“
Interessant bei beiden Gesprächen ist, dass Gina H. von einer Wildschweinkuhle sprach. Noch immer ist fraglich, woher sie wusste, dass es sich um eine Wildschweinkuhle handelte – und ob es einen Zusammenhang zu der Tatsache gibt, dass Gina H. auf ihrem Handy recherchierte, ob Wildschweine Leichen fressen.
Warum rief Gina H. nicht bei der Nummer 110 an?
Und noch etwas macht stutzig: Der zuständige Staatsanwalt fasste den Prozesstag am Ende zusammen – und erwähnte dabei auch, dass Gina H. direkt die Polizeidienststelle Güstrow anrief, anstatt den Notruf zu wählen. Das zeige, dass sie sich im Vorfeld über die Nummer informiert haben müsse. Dass Gina H. am 14. Oktober 2025 sehr geplant vorging, lässt schon die Aussage ihrer langjährigen Freundin Heike M. vermuten.
Sie sollte Gina H. zum Tümpel begleiten, weil es so aussehen sollte, als hätten M.s Hunde die Leiche von Fabian gefunden. Doch die Freundin log vor der Polizei nicht – und erklärte auch vor Gericht, dass der Fund kein Zufall war.
Gina H. war schon am Abend zuvor am Tümpel gewesen, hatte zwei Bekannte zu Fabians Leiche geführt. Der erste sollte ihr bei der Suche helfen, weil sie vermutete, Fabian könne sich rund um das Waldstück aufhalten. Mit dem zweiten fuhr sie in der Nacht noch einmal hin – sie sagte ihm, sie habe die Leiche gefunden, sei sich aber nicht sicher, ob es sich wirklich um Fabian handelt. In beiden Fällen wurde nicht die Polizei informiert. Erst am 14. Oktober rief Gina H. bei den Behörden an.


