Der Tod des kleinen Fabian aus Güstrow beschäftigt das Landgericht in Rostock noch immer – am Mittwoch wird der Prozess gegen die Angeklagte Gina H. fortgesetzt. Der letzte Prozesstag hatte noch einmal ein völlig neues Licht auf den Fall geworfen, weil hier ein Profiler aussagte, der den Mord genau unter die Lupe genommen hat. Christine Habetha, die Anwältin von Fabians Mutter, ordnete die Aussagen jetzt noch einmal ein – und sprach von einem „Overkill“. Was sich hinter dem Begriff verbirgt und was das mit dem Mord an Fabian zu tun hat.
Profiler sagte im Fall Fabian aus Güstrow aus
Am vergangenen Freitag sagte im Prozess um den Mord an Fabian aus Güstrow ein Experte für die sogenannte operative Fallanalyse aus – ein Profiler, der den ganzen Fall genauestens untersucht hat. Profiler versuchen im Rahmen ihrer Arbeit, durch die genaue Rekonstruktion von Tat und Opferspuren neue Ermittlungsansätze zu gewinnen. Der Fallanalytiker, der vor Gericht aussagte, gehört zu einem Team aus sechs sehr erfahrenen Spezialisten.
„Sie haben den Tatort inspiziert, sie haben natürlich verschiedene Spurenlagen zur Kenntnis genommen, sie haben das Umfeld des getöteten Kindes ganz ausführlich erörtert“, sagte Anwältin Christine Habetha, die Fabians Mama Dorina L. vor Gericht vertritt. Das Ergebnis: „Sie sagen, es ist eine Beziehungstat.“ Andere Motive konnten von den Experten ausgeschlossen werden – es handelte sich beispielsweise nicht um eine Raubtat und auch nicht um ein Sexualverbrechen.

Die Experten stellten laut Habetha auch fest, dass es sich beim Mord um Fabian um einen sogenannten Overkill handelt. „Sechs Messerstiche zielgerichtet in den Brustbereich dieses kleinen Jungen, natürlich todbringend – daraus spricht ein unbändiger Tötungswille“, sagt Habetha im Interview mit dem YouTube-Kanal „Jens fragt nach“.
Im Deutschen spricht man übrigens tatsächlich von „Übertötung“ – der Begriff kommt in der Kriminalistik dann zur Anwendung, wenn gegenüber einem Opfer deutlich mehr Gewalt angewendet wird, als es eigentlich erforderlich wäre.
Fall Fabian aus Güstrow: Das ist ein „Overkill“
Beispiele sind etwa eine völlig überzogene Anzahl an Messerstichen: Sticht ein Täter immer wieder auf das schon wehrlose Opfer ein, obwohl auch weniger Stiche ausgereicht hätten, spricht man vom „Overkill“. Auch exzessive Verstümmelungen fallen in den Bereich – oder Gewalt gegen das schon tote Opfer.
Eine solche Übertötung deutet oft darauf hin, dass besonders viel Wut und Aggression im Spiel war – und dass es eine persönliche Beziehung zwischen Täter und Opfer gab.

Dennoch bleibt bezüglich der Aussagen des Profilers ein Restrisiko. „Wir müssen uns zurücknehmen und akzeptieren, dass hier mit Hypothesen und Wahrscheinlichkeiten gearbeitet wird“, sagt Habetha. Normalerweise komme die Fallanalyse aber eigentlich dann zum Einsatz, wenn der Täter noch unbekannt ist.
Die Einordnung obliege dem Gericht. Allerdings passe das Urteil des Fallanalytikers eins zu eins zu den Erkenntnissen, die bei der Beweisaufnahme an den vergangenen Verhandlungstagen bereits gewonnen werden konnten.
So geht der Prozess im Fall Fabian aus Güstrow weiter
Am 1. und am 2. Juli geht der Prozess weiter – erneut werden gleich mehrere Zeugen gehört. Das Gericht kündigte bereits an, dass am Mittwoch eine Gerichtshelferin gehört wird, die einen Bericht zur Angeklagten angefertigt hat. Anschließend ist die Tierärztin von Gina H. als Zeugin geladen.
„Im Weiteren werden vier Bekannte der Angeklagten gehört, ihr ehemaliger Arbeitgeber und der Arbeitgeber des Vaters.“ Sie alle werden sicherlich weitere Informationen über Gina H. und ihr Verhalten liefern können. Am Donnerstag dann werden fünf Bekannte und Nachbarn der Angeklagten Gina H. vor Gericht vernommen.


