Neue Details im Prozess

Toter Fabian aus Güstrow: Gina H. kehrte nachts zur Leiche zurück

Im Prozess um Fabian aus Güstrow berichtet ein weiterer Zeuge von einer nächtlichen Fahrt zum Fundort – und von verstörenden Momenten.

Author - Florian Thalmann
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Vor Gericht ging es im Prozess um den toten Fabian aus Güstrow jetzt darum, dass Gina H. noch einen zweiten Zeugen zur Leiche des Jungen führte.
Vor Gericht ging es im Prozess um den toten Fabian aus Güstrow jetzt darum, dass Gina H. noch einen zweiten Zeugen zur Leiche des Jungen führte.Bernd Wüstneck/dpa

Die Erkenntnisse, die während des Prozesses im Mordfall Fabian aus Güstrow über Gina H. gewonnen werden: Sie werden immer heftiger. Am Dienstag wurde vor dem Landgericht Rostock erneut verhandelt. Das Ergebnis: Nachdem Gina H. am Abend vor dem Fund der Leiche bereits ihren Bekannten Christian D. zum Todes-Tümpel geführt hatte, kehrte sie am gleichen Abend noch einmal zurück. Dieses Mal im Schlepptau: Ihr Bekannter Olaf K., der nun vernommen wurde.

Gina H. führte zweiten Zeugen zur Leiche von Fabian

Am Freitag vergangener Woche hatte mit Christian D. ein Zeuge ausgesagt, den Gina H. bereits am Abend vor dem Fund der Leiche zum Tümpel geführt hatte. Der kleine Fabian aus Güstrow war am 10. Oktober verschwunden, am 14. Oktober wurde seine Leiche an dem Tümpel auf einem Feld bei Klein Upahl entdeckt. Am 13. Oktober war Gina H. mit ihrem Bekannten Christian D. dort. Nun kommt heraus: Auch mit ihrem Bekannten Olaf K. war sie am Tümpel – und zwar am gleichen Abend!

Olaf K. sagte jetzt vor Gericht, am Abend des 13. Oktober sei Gina H. bei ihm vorbeigekommen. Sie berichtete ihm davon, dass sie mit Christian D. am Tümpel gewesen war, dass sie dort die Leiche von Fabian gefunden hätten. Sie sei sich aber nicht ganz sicher. „Deswegen hat sie gefragt, ob wir hinfahren können, um nochmal nachzusehen“, sagte Olaf K.

Gina H. wird vorgeworfen, den damals acht Jahre alten Fabian im Oktober 2025 getötet zu haben. Bis zu einer Verurteilung gilt für die 30-Jährige die Unschuldsvermutung.
Gina H. wird vorgeworfen, den damals acht Jahre alten Fabian im Oktober 2025 getötet zu haben. Bis zu einer Verurteilung gilt für die 30-Jährige die Unschuldsvermutung.Bernd Wüstneck/dpa

Er reagierte – und fragte, warum sie nicht die Polizei alarmiert habe. Gina H. hatte eine Begründung parat: „Sie hat gesagt, dass er Jäger ist und man in fremdem Revier nicht mit Nachtsichtgeräten sein dürfe“, sagte Olaf K. vor Gericht.

Mit dem Auto seien sie zum Fundort gefahren. Stutzig machte Olaf K., dass Gina H. schon zum Start ihr Handy ausschaltete. „Keine Ahnung warum“, sagte er. Sie diktierte ihm den Weg zum Feld, führte ihn dann zur Leiche. Dass es ein Mensch war, der da vor ihm lag, habe er erkannt – nicht aber, dass es sich um Fabian handelte.

Gina H. und ihr Bekannter riefen nicht die Polizei

Sie diskutierten daraufhin, was nun zu tun ist. Gina H. habe gefragt, ob sie jetzt die Polizei rufen sollen. „Ich habe gesagt: ,Lass uns erstmal zum Auto gehen, ich bin überfordert gerade‘“, sagte Olaf K. vor Gericht. Gesprochen hätten sie daraufhin erst einmal gar nicht mehr, bis K. das Schweigen brach. Er habe dazu geraten, am nächsten Morgen noch einmal darüber zu reden, was sie tun sollen. Gina H. selbst war es, die am nächsten Tag die Polizei alarmierte – gemeinsam mit einer Bekannten, die vor Gericht bereits ausgesagt hatte, hatte sie die Polizei alarmiert und sie dann zum Tatort geführt.

Vor Gericht muss Gina H. Fußfesseln tragen, wenn sie zu ihrem Platz im Gerichtssaal geführt wird. Im Prozess soll herausgefunden werden, ob sie etwas mit dem Mord an Fabian aus Güstrow zu tun hat.
Vor Gericht muss Gina H. Fußfesseln tragen, wenn sie zu ihrem Platz im Gerichtssaal geführt wird. Im Prozess soll herausgefunden werden, ob sie etwas mit dem Mord an Fabian aus Güstrow zu tun hat.Bernd Wüstneck/dpa

Warum führte Gina H. zwei ihrer Bekannten zum Tatort? Mit Christian D. war sie schon Stunden zuvor dort gewesen. Ihm gegenüber hatte sie die Idee geäußert, dort zu suchen, weil sie mit Fabian und ihrem eigenen Kind dort schon zum Schlittenfahren gewesen sei. Sie fuhr mit ihm zu dem Feld, wollte dann plötzlich am besagten Tümpel suchen, wo die beiden dann auf die Leiche stießen. Obwohl Christian D. vor ihr lief und den leblosen und verbrannten Körper von Fabian zunächst für achtlos abgelegte Rohre hielt, habe Gina H. – sie lief hinter ihm – sofort erkannt, dass es Fabian ist.

Fall Fabian: Das wirft die Anklage Gina H. vor

Der Angeklagten Gina H. wird vorgeworfen, den kleinen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober unter einem Vorwand aus dem Haus seiner Mutter gelockt und ihn mit zu dem Tümpel bei Klein Upahl genommen zu haben. Dort soll sie ihn mit mindestens sechs Messerstichen im Bereich des Oberkörpers getötet haben. Laut Anklage hatte Fabian keinerlei Chance, sich zu wehren. Anschließend verließ Gina H. laut Staatsanwaltschaft den Tatort, kehrte aber später zurück, um die Leiche mit Grillanzünder in Brand zu stecken. Vermutlich wollte sie damit die Spuren vernichten, so die Ermittler weiter.

Besonders schrecklich wirkt übrigens ein Detail, das Olaf K. im Prozess verriet. Als er mit Gina H. in der Nacht bei Fabians Leiche war, habe die Angeklagte gelacht. Ihre Begründung: Sie habe in den Tagen zuvor schon sehr viel geweint und könne einfach nicht mehr weinen. Tagsüber, sagte Olaf K. vor Gericht, habe er sie allerdings nie weinen sehen. Für Gina H. gilt bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung.

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