Im Prozess um den ermordeten Fabian aus Güstrow kommen immer neue, schreckliche Details ans Licht, die die Angeklagte Gina H. immer mehr belasten. Erst der vergangene Prozesstag verlief spektakulär: Ein Zeuge, der von der Tatverdächtigen schon am Tag vor dem Leichenfund an einen Tümpel bei Klein Upahl geführt wurde, sagte aus. Doch es ging nicht nur um den nächtlichen Spaziergang zum Tümpel, den Gina H. aus heiterem Himmel vorgeschlagen hatte. Sondern auch um Fragen, die sie ihrem Bekannten in der Zeit stellte.
Gina H. führte Zeugen zu Fabians Leiche am Tümpel
Am vergangenen Freitag wurde im Mordprozess um Fabian aus Güstrow Christian D. vor Gericht vernommen, ein Bekannter von Gina H. (KURIER berichtete). Er erzählte, wie er in der Nacht vor dem Fund von Fabians Leiche mit Gina H. zum Tatort fuhr – auf ihren Wunsch.
Am Rand des Tümpels auf einem Feld bei Klein Upahl stießen sie auf die Leiche des kleinen Fabian. Und während er die schwarze Masse, die dort lag, für achtlos abgelegte Rohre hielt, wusste Gina H. anscheinend auch trotz Dunkelheit genau, dass es sich um den acht Jahre alten Jungen handeln musste.
Fall Fabian: Gina H. stellte Frage zur Leichenstarre
Doch nicht nur um die eigentliche Nachtwanderung ging es im Prozess – sondern auch um Dinge, die sich davor und danach zwischen Christian D. und Gina H. ereigneten. Und um merkwürdige Suchanfragen von ihm und von Gina H. D. soll etwa am 11. Oktober gegen 18 Uhr bei Google gesucht haben: „Wie lange dauert es, bis Leichenstarre einsetzt?“ Eine Frage, die laut dem Zeugen eigentlich Gina H. stellte. In einem Gespräch hätten sich die beiden über Reitunfälle unterhalten.

Gina H. reite immer ohne Helm – und in der Region habe es schon einmal einen Reitunfall gegeben. Wenn man vom Pferd fällt, nicht gefunden wird und liegen bleibt: Wie lange dauert es dann, bis der Körper steif wird? Deshalb habe er danach gesucht, sagte Christian D. vor Gericht. Laut Prozessbeobachtern hatte Gina H. im Gerichtssaal bei der Aussage den Mund aufgerissen und empört mit ihren Anwälten gesprochen. Nicht die einzige merkwürdige Frage. Gina H. habe bei der Diskussion um Reitunfälle auch gefragt, ob Wildschweine eigentlich Menschen fressen.
Gina H. wollte wissen, ob Wildschweine Menschen fressen
Auch bei der Auswertung des Smartphones der Angeklagten Gina H. ging es bereits darum: Sie selbst hatte mehrere entsprechende Suchanfragen gestellt. Am Morgen nach dem Tag, an dem Fabian aus Güstrow starb, googelte die heute 30-Jährige demnach „fressen Wildschweine Menschen“ und „fressen Wildschweine tote Menschen“. Darüber hatten Medien schon Wochen vor dem Prozessbeginn berichtet, weil ein Magazin mit Bezugnahme auf Ermittlerkreise den Fakt veröffentlicht hatte.

Christian D. fiel noch mit einer anderen Suchanfrage auf, zum Stichwort „Vergewaltigung“. Der Grund: Gina H. habe ihm erzählt, sie sei dreimal vergewaltigt worden – unter anderem einmal in Güstrow und einmal bei einem Pferdebesitzer in Reimershagen. Er suchte daraufhin danach, um zu überprüfen, ob sich dazu etwas finden ließe.
Der Richter fragte hier mehrfach nach – vermutete er ein gewisses Misstrauen des Zeugen gegenüber Gina H.? Heute gibt es zwischen Christian D. und Gina H. keinen Kontakt mehr – den habe er nach dem Fund von Fabians Leiche abgebrochen. Er habe gespürt, dass ihre Suche ein Ziel verfolgte – und ihr gesagt, dass sie ihn in Ruhe lassen soll.
Gina H. soll Fabian aus Güstrow am Tümpel getötet haben
Gina H. wird vorgeworfen, den kleinen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 mit mindestens sechs Messerstichen im Bereich des Oberkörpers getötet zu haben. Sie soll ihn zu Hause abgeholt und ihn unter einem Vorwand aus dem Haus seiner Mutter gelockt haben.

Dann sei sie mit ihm, so die Anklage, zum besagten Tümpel gefahren. Nach der Tat soll sie den Tatort zunächst verlassen haben, später aber zurückgekehrt sein, um die Leiche mit Brandbeschleuniger anzuzünden – vermutlich wollte sie damit Spuren vernichten.


