Brisante Fakten

Fabian aus Güstrow: Therapeut packt aus! Diese 5 Dinge sagt er über Gina H.

Vor der Sommerpause sagte der Therapeut von Gina H. aus. Er sprach über ihre Erkrankung, ihre Beziehung und ihr Verhältnis zu Fabian.

Author - Florian Thalmann
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Gina H. wird vorgeworfen, den kleinen Fabian aus Güstrow getötet zu haben. Bis zu einer Verurteilung gilt für die 30-Jährige aber die Unschuldsvermutung.
Gina H. wird vorgeworfen, den kleinen Fabian aus Güstrow getötet zu haben. Bis zu einer Verurteilung gilt für die 30-Jährige aber die Unschuldsvermutung.Bernd Wüstneck/dpa, Polizei

Es ist der vorerst letzte Tag im Prozess um den Mord an Fabian aus Güstrow – und ein Tag, an dem es noch einmal spannend wurde. Vor der großen Sommerpause waren im Landgericht Rostock noch einmal mehrere Zeugen geladen, die das Verhalten von Gina H. beleuchteten. Einer von ihnen: Der Therapeut von Gina H. Der 57-Jährige aus Güstrow wurde für den Prozess von seiner Schweigepflicht entbunden, packte vor Gericht verschiedene Dinge über Gina H. aus. Er sprach über ihre Erkrankung, über ihre Vergewaltigungen und das Verhältnis zu Fabian.

Prozess um Fabian aus Güstrow geht in die Sommerpause

Zahlreiche Zeugen wurden im Fall Fabian aus Güstrow bisher gehört – und alle Informationen dürfen in den kommenden Wochen bei allen Beteiligten erst einmal sacken. Denn wie angekündigt geht das Gericht in die Sommerpause. Erst am 6. August wird die Verhandlung im Mordfall Fabian fortgesetzt – leider nicht so, wie es sich viele erhofft hatten. Denn vor Wochen hieß es, dass Gina H. schon am 6. oder am 7. August endlich ihr Schweigen brechen und sich zum Fall Fabian äußern könnte. Ihre Einlassung wurde nun aber auf Ende August verschoben, Anfang August werden stattdessen weitere Zeugen gehört.

Am letzten Verhandlungstag vor der Pause gab es nun aber trotzdem Einblicke in die Psyche von Gina H. – weil ihr von der Schweigepflicht entbundener Therapeut vor Gericht aussagte. Der 57-Jährige bescheinigte Gina H. eine „komplexe Erkrankung“, heißt es in Berichten. Eigentlich sollte Gina H. bei ihm tiefenpsychologisch behandelt werden, am Ende habe er sich aber für eine Verhaltenstherapie entschieden.

Er diagnostizierte eine „depressive Störung, Persönlichkeitsstörung mit Borderline-Anteilen und Abhängigkeiten“, sagte der Mann vor Gericht. In der Therapie sei es vor allem darum gegangen, Gina H. etwas Halt zu geben. Hier sind fünf Dinge, die der Therapeut aus dem Leben von Gina H. berichtete.

Hat die 30 Jahre alte Gina H. den kleinen Fabian aus Güstrow wirklich getötet? Sie muss sich vor Gericht wegen Mordes verantworten.
Hat die 30 Jahre alte Gina H. den kleinen Fabian aus Güstrow wirklich getötet? Sie muss sich vor Gericht wegen Mordes verantworten.Danny Gohlke/dpa

Gina H. wurde scheinbar mehrfach vergewaltigt

Schon mehrfach ging es im Prozess auch darum, dass Gina H. wohl mehrfach vergewaltigt wurde. Auch der Therapeut äußerte sich dazu. Die 30-Jährige berichtete ihm gegenüber davon. Einmal sei sie in ein Gebüsch gezerrt worden, sagte er. Bei einer anderen Gelegenheit habe ihr jemand aufgelauert, der sie bedrängte.

Allerdings sei er als Therapeut bei dem Thema nicht weiter in die Tiefe gegangen oder habe den Wahrheitsgehalt der Aussagen überprüft. Das sei nicht üblich, denn es könne bei den Patienten zu sogenannten Flashbacks führen.

Gina H. und Fabian: Er war für sie wie ein eigenes Kind

Zeugen sagten bereits aus, dass Gina H. den kleinen Fabian aus Güstrow als ihren Ziehsohn bezeichnete. Der Therapeut berichtete nun, sie habe ihm erzählt, sie habe für Fabian genauso viel empfunden wie für ihr eigenes Kind.

„Da hatte ich immer den Eindruck, dass das ein sehr gutes Verhältnis war. Also sehr fürsorglich. Und auch liebevoll“, sagte er. Auch den Umgang mit ihrem eigenen Sohn habe der Therapeut als vorbildlich empfunden. Nach der Geburt habe Gina H. den Jungen mehrfach mit in die Sitzungen gebracht. „Ich hatte das Gefühl, dass sie ein recht gutes Verhältnis zu ihrem Kind hatte“, sagte er bei seiner Vernehmung.

Fabians Muter Dorina L. ist die Nebenklägerin im Prozess um den Tod des kleinen Fabian. Anwältin Christine Habetha vertritt sie vor Gericht.
Fabians Muter Dorina L. ist die Nebenklägerin im Prozess um den Tod des kleinen Fabian. Anwältin Christine Habetha vertritt sie vor Gericht.Danny Gohlke/dpa

Gina H. lehnte Gewalt laut ihrem Therapeuten ab

In der Beziehung zu Fabians Vater Matthias R. war häusliche Gewalt auch ein Thema. Gina H. habe ihrem Therapeuten berichtet, sie habe Prellungen davongetragen, als R. sie einmal stark am Brustkorb drückte. Auch den Arm habe er ihr einmal gebrochen. Allerdings habe Gina H. selbst das nicht so stark bewertet.

Als sie davon berichtete, hätten diese Ereignisse schon Monate zurückgelegen. Auf die spätere Rückfrage von Verteidiger Andreas Ohm, ob Gina H. selbst zu Gewalt neige, sagte der Therapeut: „Da kann ich mich jetzt nicht entsinnen. Ich hatte immer das Gefühl, dass sie das abgelehnt hat, Gewalt.“

Gina H. wollte in der Beziehung mit Matthias R. Kontrolle

Kontrolle und Eifersucht seitens Gina H. in der Beziehung zu Fabians Vater Matthias R. waren im Prozess immer wieder ein Thema. Während einer Verhandlung ging es etwa um Vorwürfe, er sei immer lange beim Zahnarzt und habe sich für die Zahnärztin extra umgezogen, vor dem Termin die Arbeitshose gegen eine andere getauscht.

Auch der Therapeut sagte nun vor Gericht: „Ich hatte schon das Gefühl, dass sie gewisse Regeln aufgestellt hat, die eingehalten werden mussten. Und wenn das nicht eingehalten wird, dann bricht da eine Welt zusammen.“ Das sei typisch für Patienten mit Borderline.

Beziehung half Gina H., das Ende war dramatisch

Trotz der unschönen Details aus der Beziehung schien die Liebe zu Matthias R. Gina H. auch zu stabilisieren. „Dieses Unruhige wurde weniger. Das war für sie eine Sicherheit“, sagte der Therapeut. Die Trennung im Sommer 2025 war dementsprechend dramatisch für die heute 30-Jährige. Ihrem Therapeuten schrieb sie eine Nachricht: „Matthias hat sich von mir getrennt, er hat alles mitgenommen.“ Als er diese Nachricht von ihr bekommen habe, sei ihm klar gewesen, „dass es jetzt wirklich brennt“.

Für die Ermittler verbirgt sich in der Trennung auch das Motiv für die schreckliche Tat: Matthias R. wollte die Beziehung später nicht wieder aufleben lassen, weil er nach der Trennung wieder mehr Kontakt zu seinem Sohn Fabian hatte und diesen nicht wieder verlieren wollte. Nachdem er Gina H. mitteilte, dass er an einer Fortsetzung der Beziehung nicht interessiert sei, soll sie sich laut Anklage „erbost“ auf den Weg zu Fabian gemacht haben.

Der Vorwurf: Gina H. soll den Jungen unter einem Vorwand aus dem Haus seiner Mutter gelockt haben und mit ihm zum Tatort gefahren sein, einem Tümpel bei Klein Upahl. Dort soll sie ihn mit mindestens sechs Messerstichen getötet und seine Leiche später verbrannt haben. Für Gina H. gilt bis zu einer Verurteilung durch das Gericht die Unschuldsvermutung.