Schlimme Szenen im Gericht

Fabian aus Güstrow: Polizistin beschreibt Leiche! „Ihm wurde die Ehre genommen“

Im Prozess um Fabian schildert eine Polizistin ihre Eindrücke vom Fundort. Ihre Aussagen sorgen für bedrückende Momente im Gerichtssaal.

Author - Florian Thalmann
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Gina H. ist die Angeklagte im Mordfall Fabian aus Güstrow. Mehrere Zeugen äußerten sich schon über ihr Verhalten am Tatort. Nun sagte auch eine Polizistin vor Gericht aus.
Gina H. ist die Angeklagte im Mordfall Fabian aus Güstrow. Mehrere Zeugen äußerten sich schon über ihr Verhalten am Tatort. Nun sagte auch eine Polizistin vor Gericht aus.Bernd Wüstneck/dpa

Viele schlimme Dinge sind im Prozess um den kleinen Fabian aus Güstrow bereits ans Tageslicht gekommen. Doch es gibt immer wieder Verhandlungstage, die einfach schwer zu ertragen sind. Erst am Mittwoch wurde es im Mordprozess wieder erdrückend für alle Beteiligten, denn eine Polizistin sagte aus. Die Beamtin war am Tatort, nachdem die Angeklagte Gina H. die Behörden alarmiert und den Leichenfund gemeldet hatte. Sie schilderte nicht nur das Verhalten von Gina H., sondern beschrieb auch auf schreckliche Weise die Leiche des kleinen Fabian.

Mord an Fabian: Gina H. rief am 14. Oktober die Polizei

An dem Tümpel bei Klein Upahl wurde der Junge am 10. Oktober 2025 mit mindestens sechs Messerstichen getötet, anschließend wurde seine Leiche hier verbrannt. Dafür verantwortlich soll Gina H. (30) sein, die Ex-Freundin und jetzt wieder Partnerin von Fabians Vater. Ausgerechnet sie fand die Leiche des Jungen in einem Gebiet, in dem weder sie noch der Junge laut Zeugen häufig unterwegs war. Sie alarmierte die Polizei – und wurde Wochen später wegen Mordverdachts festgenommen.

Als die Beamten nach dem Notruf von Gina H. am Tatort anrückten, war auch eine Polizistin (43) dabei, die jetzt vor Gericht aussagte. Sie berichtete, dass sie gemeinsam mit einem Kollegen nach dem Anruf der Angeklagten nach Klein Upahl fuhr. An einem Abzweig habe Gina H. bereits auf die Polizei gewartet, vor Ort sei sie direkt von den Polizisten als Zeugin belehrt worden.

Gina H. soll den kleinen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 getötet haben. Hier ist sie mit ihren Anwälten vor Gericht zu sehen.
Gina H. soll den kleinen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 getötet haben. Hier ist sie mit ihren Anwälten vor Gericht zu sehen.Bernd Wüstneck/dpa

Sie schilderte auch, welchen Eindruck sie von Fabians Leiche hatte. „Es ist nicht nur der Umstand, dass der Junge gewaltsam zu Tode gekommen ist“, sagte sie bei der Vernehmung. „Entschuldigung, dass ich das so sage. Mein Eindruck war: Er wurde entsorgt wie Müll.“ Fabian sei dort einfach hingelegt worden, an den Rand des Tümpels. „Ihm wurde die letzte Würde genommen, die Ehre genommen.“  

Während ihrer Aussage war die Beamtin zuvor schon in Tränen ausgebrochen – als sie beschrieben hatte, wie Gina H. sie zur Leiche führte. „Das war auch eine herausfordernde Situation. Tut mir leid“, entschuldigte sie sich.

Gina H. sagte, ihre Spuren seien am Todes-Tümpel

Gina H. sei am Tatort sehr redselig gewesen. „Ohne, dass ich großartig nachgefragt habe, hat sie erzählt, dass sie mit einer Freundin spazieren war, dass ihr Hund über ein Feld gelaufen ist“, berichtete die Polizistin. Welche Worte sie benutzte – ob Senke, Schweinekuhle oder Suhle – das wisse sie nicht mehr. Aber: „Sie sagte, dass sie auch dort unten war und jetzt ihre Spuren da seien.“ Eine solche Aussage war auch bei der Vernehmung eines anderen Polizisten im Prozess um Fabian aus Güstrow schon Thema.

Fabians Leiche wurde an einem Tümpel bei Klein Upahl gefunden. Polizisten durchsuchten den Tatort nach dem Leichenfund ausführlich.
Fabians Leiche wurde an einem Tümpel bei Klein Upahl gefunden. Polizisten durchsuchten den Tatort nach dem Leichenfund ausführlich.Bernd Wüstneck/dpa

Auffallend sei auch gewesen, dass man bei Gina H. keine Erschütterung gespürt hätte. Der Vorsitzende Richter fragte auch genauer nach, ob es bei der Angeklagten am Tatort einmal einen Moment gegeben hätte wie bei der Zeugenaussage, einen Tränenausbruch, wie die Polizistin selbst ihn gerade erlebt hatte. „Nein“, antwortete sie. Einen bleibenden Eindruck hinterließ aber ein bestimmter Satz, den Gina H. sagte.

Gina H. forderte nach Fund von Fabian einen Seelsorger

„Ich hatte das Gefühl, sie hat versucht durch den Satz ,Ich brauche einen Seelsorger‘ diese Emotionen, die sie nicht zeigen konnte, zu transportieren“, sagte die Polizistin bei ihrer Vernehmung vor Gericht. „Ich habe in dem Moment gedacht – ich spreche jetzt auch mal für meinen Kollegen: Den bräuchten wir dringender.“ Gina H. habe nicht tief emotional erschüttert gewirkt. „Sie wirkte auf mich, als hätte sie das, was sie sagt, zurechtgelegt und abgerufen“, so die Polizeibeamtin.

Bemerkenswert: Während der Schilderungen der Polizistin – auch jenen zur Auffindesituation von Fabians Leiche – blieb Fabians Mutter Dorina L. dieses Mal im Gerichtssaal. Mehrmals hatte sie im Laufe des Prozesses den Saal verlassen, wenn es um die Situation am Tümpel ging, vor allem dann, wenn Bilder gezeigt werden mussten.

Laut Prozessbeobachtern habe sie bei den Schilderungen der Polizistin schlucken müssen. Gina H. hingegen habe emotionslos auf den Tisch vor sich geschaut. Für die 30-Jährige gilt bis zu einer Verurteilung durch das Gericht die Unschuldsvermutung.

Haben Sie den Fall Fabian verfolgt? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!