Heftige Aussage

Toter Fabian aus Güstrow: Schock vor Gericht! „So nett war Fabian gar nicht“

Im Mordprozess um Fabian aus Güstrow berichtet eine Nachbarin von verstörenden Aussagen der Angeklagten. Das Gericht hört genau hin.

Author - Florian Thalmann
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Hat Gina H. wirklich etwas mit dem Tod des kleinen Fabian zu tun? Das soll vor Gericht geklärt werden. Das Urteil wird im Herbst erwartet.
Hat Gina H. wirklich etwas mit dem Tod des kleinen Fabian zu tun? Das soll vor Gericht geklärt werden. Das Urteil wird im Herbst erwartet.Bernd Wüstneck/dpa

Etliche Zeugen haben im Mordfall Fabian aus Güstrow bereits ausgesagt – und manche Dinge, die in dem Verfahren erzählt werden, sind nur schwer zu ertragen. Denn sie geben immer tiefere Einblicke in das seltsame Verhalten der Angeklagten Gina H. Ob die 30-Jährige Fabian wirklich getötet hat, ist unklar – für sie gilt bis zu einem Urteil durch das Gericht die Unschuldsvermutung. Schon jetzt wird allerdings immer mehr deutlich, dass sie von Fabian alles andere als begeistert war.

Nachbarn von Gina H. sagen vor Gericht aus

Am vergangenen Verhandlungstag sagten vor Gericht mehrere Zeugen aus der Nachbarschaft von Gina H. aus. Und wieder fällt das widersprüchliche Verhalten der Angeklagten zum getöteten Fabian aus Güstrow auf. Am Prozesstag zuvor hatte sich beispielsweise die Tierärztin von Gina H. zu Wort gemeldet und berichtet, wie sie sich mit H. über den verschwundenen Jungen in Güstrow unterhalten hatte. Gina H. habe gesagt, dass der vermisste Junge Fabian sei, der Sohn ihres Ex-Freundes Matthias R., „der vier Jahre wie mein Ziehsohn war“.

Ihr Ziehsohn? Das, was eine Zeugin jetzt vor Gericht schilderte, klingt vollkommen anders. Sabine H. kennt die Angeklagte schon seit vielen Jahren – seit sie zu ihren Großeltern nach Reimershagen gezogen war. Im Laufe der Jahre verloren sich die beiden Frauen allerdings auch immer wieder aus den Augen.

Als Tiffy starb, das Pferd von Gina H., wurde der Kontakt wieder etwas enger. „Wir haben eine Beisetzung gemacht. Ich wusste, dass ihr das total wichtig ist“, sagte die Zeugin laut Berichten.

Fabians Mutter Dorina L. nimmt als Nebenklägerin an dem Verfahren um den ermordeten Jungen teil.
Fabians Mutter Dorina L. nimmt als Nebenklägerin an dem Verfahren um den ermordeten Jungen teil.Jens Büttner/dpa

Als sie später hörte, dass Gina H. die Leiche des toten Fabian gefunden hatte, sei für sie klar gewesen, dass es ein Zufall war. Sie wollte sich bei Gina H. melden, um ihr Hilfe anzubieten. Doch das Telefonat habe sie erschüttert, schilderte Sabine H. Der Grund: Gina H. wirkte überhaupt nicht betroffen. „Es waren überhaupt keine Emotionen da“, sagte die langjährige Nachbarin von Gina H.

Gina H.: Gottesdienst für Fabian war ein „Aufriss“

Die Angeklagte soll sich stattdessen über den Gottesdienst für Fabian ausgelassen haben. Sie soll in dem Zusammenhang von „Aufriss“ gesprochen haben. Es deckt sich mit einer Nachricht von Gina H., die schon vor Wochen im Gericht verlesen wurde.

„Ich verstehe nicht, weswegen so ein Gewese gemacht wird und es so einen großen Trauergottesdienst gibt“, schrieb Gina H. Täglich würden Kinder sterben und vermisst werden. An jenem Verhandlungstag ging ein so lautes Raunen durch den Gerichtssaal, dass der Vorsitzende Richter die Zuschauer ermahnen musste.

Die Angeklagte Gina H. und einer ihrer Anwälte vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-Jährigen vor, den kleinen Fabian getötet zu haben.
Die Angeklagte Gina H. und einer ihrer Anwälte vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-Jährigen vor, den kleinen Fabian getötet zu haben.Jens Büttner/dpa

Im Gespräch mit der Nachbarin ließ Gina H. nun scheinbar auch kein gutes Haar an dem toten Jungen. „So nett war Fabian gar nicht“, soll sie gesagt haben. „Der hat immer versucht, uns auseinanderzubringen.“ Die Ermittler hatten bereits vermutet, dass die Trennung von Fabians Vater Matthias R. das Motiv für den Mord sein könnte.

Er und Gina H. waren ein Paar, der Kontakt zwischen Fabian und seinem Vater litt unter der Beziehung. Als die Liebe zerbrach, wurde der Kontakt zwischen Papa und Sohn wieder intensiver, weshalb Matthias R. seiner Ex Gina für die Neuaufnahme der Beziehung eine Absage erteilt haben soll.

Stand Fabian der Liebe von Gina H. im Weg?

„Erbost über die nun endgültig erscheinende Trennung und in der Befürchtung, infolge der Trennung ihren bisherigen Lebensstil nicht weiter fortführen zu können“, soll sich Gina H. am 10. Januar auf den Weg zu Fabian gemacht haben, um die Tat zu begehen, heißt es in der Anklage. Mordete Gina H. also, weil Fabian ihrer Liebe im Weg war? So glauben es die Ermittler. Ob es wirklich stimmt, ist allerdings aktuell noch unklar, für Gina H. gilt weiter die Unschuldsvermutung. Die Wahrheit soll beim Prozess vor dem Landgericht Rostock herausgefunden werden.

Irritierend sei für die Zeugin auch ein anderer Punkt gewesen. Sabine H. habe am Telefon geäußert, die Ermittler würden den Täter schon finden. Doch Gina H. war sicher, dass das nicht der Fall sein wird. Der Grund: Sie hatte von Fabians Vater erfahren, dass der Leichnam des Jungen schon zur Beerdigung freigegeben wurde. „Das können die gar nicht mehr. Die sagen ja, er wurde mit fünf Messerstichen erstochen.“

Fall Fabian: „Das Kind ist tot und kommt nie wieder“

Vor allem das Statement darüber, dass Fabian versucht habe, sie auseinanderzubringen, schockte die Nachbarin. „Eine liebende Ziehmama würde nicht so über ein Kind reden“, sagte sie vor Gericht. Bis heute lasse sie dieses Telefongespräch mit Gina H. nicht los. „Das Kind ist tot, es ist tot und kommt nie wieder. Da hätte ich eine völlig andere Reaktion erwartet.“

Haben Sie den Fall Fabian verfolgt? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!