Neue, spannende Details

Fabian aus Güstrow: Gina H. verhielt sich seltsam! Tierärztin packt aus

Im Mordprozess um Fabian berichtet eine Tierärztin von auffälligem Verhalten der Angeklagten – und schildert ungewöhnliche Details.

Author - Florian Thalmann
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Gina H. liebt ihre Pferde. Als ihr Pferd Tiffy starb, sei sie regelrecht hysterisch gewesen, sagt ihre Tierärztin. Auf Fabians Verschwinden soll sie hingegen gelassen reagiert haben.
Gina H. liebt ihre Pferde. Als ihr Pferd Tiffy starb, sei sie regelrecht hysterisch gewesen, sagt ihre Tierärztin. Auf Fabians Verschwinden soll sie hingegen gelassen reagiert haben.Bernd Wüstneck/dpa, Polizei

Im Kampf um die Wahrheit im Mordfall Fabian aus Güstrow wird inzwischen einfach alles unter die Lupe genommen. Wer kann noch etwas sagen zum Verhalten der Tatverdächtigen Gina H., wer kann Hinweise liefern zu den Dingen, die rund um das Verschwinden des Jungen passierten? An jedem Verhandlungstag sind jetzt mehrere Zeugen für kürzere Aussagen geladen – Menschen, die etwas mit der Tatverdächtigen zu tun hatten, bevor sie in Untersuchungshaft landete. Nun meldete sich auch die Tierärztin von Gina H. zu Wort und berichtete von mehreren Dingen rund um den Mord an Fabian, die ihr komisch vorkamen.

Gina H.: Ihre Tierärztin sagt im Fall Fabian aus

Zu ihrer Tierärztin hatte Gina H. aufgrund ihrer Pferde regelmäßig Kontakt – wie wichtig ihr die Tiere waren, war an anderen Stellen in dem Verfahren schon Thema. „Sie hat sich sehr gut um ihre Pferde gekümmert, deshalb haben wir uns regelmäßig gesehen“, sagte die Medizinerin jetzt vor Gericht. Wie sehr Gina H. ihre Pferde liebte, zeigt auch die Schilderung ihrer Tierärztin zu den Ereignissen nach dem Tod von Pferd Tiffy. „Sie war vollkommen aufgelöst und nicht ansprechbar“, sagt die Tierärztin.

Makaber: Mehrere Zeugen berichteten übereinstimmend, dass Gina H. auf den Tod des kleinen Fabian eher gelassen reagierte. Und auch die Medizinerin berichtet vor Gericht, dass sie eine Reaktion wie beim Tod des Pferdes bei Fabians Tod überhaupt nicht erlebt habe. „Das war komplett anders.“ Und noch eine andere Sache fiel der Tierärztin auf: Am Tag des Mordes an Fabian herrschte zwischen ihr und Gina H. plötzlich eine auffällig lange Funkstille.

Dorina L. ist die Mutter des toten Fabian aus Güstrow. sie tritt im Prozess als Nebenklägerin auf.
Dorina L. ist die Mutter des toten Fabian aus Güstrow. sie tritt im Prozess als Nebenklägerin auf.Jens Büttner/dpa

Am 10. Oktober habe sie Gina H. per Sprachnachricht kontaktiert. Hintergrund: Gina H. hatte sich zuvor gemeldet, es ging um ein Hautproblem bei ihrem Pferd „Teddy“.

Die Tierärztin antwortete und fragte, ob sie das Pferd noch vor dem Wochenende untersuchen solle. Gina H. antwortete – aber erst mehr als eine Stunde später. Die Ermittler hätten die Medizinerin später darauf aufmerksam gemacht. Normalerweise habe H. immer innerhalb von maximal acht Minuten auf Nachrichten geantwortet.

Gina H. wirkte nach Fabians Verschwinden entspannt

Auch am 11. Oktober hatten die beiden Kontakt. Die Tierärztin kam auf die Koppel von Gina H. und behandelte dort das Pferd. Am Rande unterhielten sie sich über das vermisste Kind, das in Güstrow gerade gesucht wurde. Gina H. habe gesagt, dass der vermisste Junge Fabian sei, der Sohn ihres Ex-Freundes Matthias R., „der vier Jahre wie mein Ziehsohn war“. Doch der Tierärztin fiel auf, dass Gina H. sehr entspannt wirkte, obwohl ihr „Ziehsohn“ verschwunden war. „Wenn das mein Kind wäre, hätte ich für das Pferd keinen Kopf gehabt“, sagt sie.

Die Angeklagte Gina H. mit ihrem Anwalt Andreas Ohm vor Gericht. Ihr wird vorgeworfen, den kleinen Fabian aus Güstrow getötet zu haben.
Die Angeklagte Gina H. mit ihrem Anwalt Andreas Ohm vor Gericht. Ihr wird vorgeworfen, den kleinen Fabian aus Güstrow getötet zu haben.Jens Büttner/dpa

Auch später sei Gina H. wenig besorgt gewesen. Sie habe auf die Nachfrage, ob es in Sachen Fabian etwas Neues gibt, nur lapidar geantwortet: „Nee, zum Thema Fabian gibt es leider noch nichts Neues.“ Sie habe das Gefühl gehabt, dass Gina H. mehr wusste, als zu dem Zeitpunkt öffentlich bekannt war.

Gewundert habe sich die Tierärztin auch, dass Gina H. die Leiche von Fabian in Klein Upahl fand. Sie habe sie auch gefragt: „Was machst du denn in Klein Upahl?“ Gina H. habe darauf geantwortet, sie sei nicht in Klein Upahl spazieren gewesen, sondern „hinten in Lähnwitz im Wald“.

Gina H. sagte, sie hat mit Fabians Tod nichts zu tun

Gina H. habe außerdem angemerkt, sie habe mit dem Tod des Jungen nichts zu tun. „Die Bilder waren schlimm genug für mich“, soll sie gesagt haben. Noch mal erkundigte sich die Tierärztin außerdem nach Klein Upahl. „Ich verstehe auch nicht, welche Verbindung du nach Klein Upahl hast“, sagte sie. „Wieso warst du dort spazieren? Das ist ja schon komisch.“ Gina H. beklagte sich daraufhin, es werde „das Wildeste spekuliert in den Nachrichten“. Das stimme alles nicht.

Die Aussage der Tierärztin ist ein weiteres Puzzlestück in einem riesigen Puzzle, das vor Gericht jetzt nach und nach zusammengesetzt wird. Hat Gina H. wirklich etwas mit dem Tod des kleinen Fabian aus Güstrow zu tun?

Die Ermittler glauben, dass sie den Jungen am 10. Oktober am besagten Tümpel bei Klein Upahl mit mindestens sechs Messerstichen im Bereich des Oberkörpers tötete und seine Leiche anschließend verbrannte. Bis zu einer Verurteilung durch das Gericht gilt für Gina H. die Unschuldsvermutung.

Haben Sie den Fall Fabian verfolgt? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!