Im Mordprozess um den Tod von Fabian aus Güstrow sagen immer mehr Zeugen aus – und mit jeder Aussage scheint sich das Bild der Angeklagten Gina H. wie ein Puzzle zusammenzusetzen. In der neuen Verhandlung am Donnerstag wurden jetzt mehrere Nachbarn vernommen, die Gina H. schon aufgrund der Nähe des Wohnortes kannten. Sie schilderten, wie sie das Verhalten von Gina H. rund um den Fund von Fabians Leiche empfanden. Vor allem eine Nachbarin aus dem Ort Reimershagen macht mit ihrer Aussage stutzig.
Toter Fabian: Nachbarin schildert Eindrücke von Gina H.
Am 10. Oktober 2025 verschwand der kleine Fabian aus Güstrow spurlos, wurde von der Polizei und etlichen freiwilligen Helfern gesucht. Doch vier Tage später gab es traurige Gewissheit: Die verbrannte Leiche des acht Jahre alten Jungen wurde an einem Tümpel bei Klein Upahl gefunden.
Sofort geriet Gina H. ins Rampenlicht, die Ex-Freundin von Fabians Vater – denn ausgerechnet sie hatte die sterblichen Überreste des Kindes gefunden. Per Zufall bei einem Spaziergang, hieß es.
Besonders spannend für den Prozess ist nun auch die Frage, wie sich Gina H. rund um den Fund der Leiche verhielt – darüber sollen auch die Aussagen der Nachbarn Aufschluss geben. Vor Gericht geladen war am Donnerstag unter anderem Katrin L. (45), die in Reimershagen lebt – und deren Grundstück direkt an das Grundstück der 30-Jährigen Gina H. grenzt. Sie schilderte gleich mehrere spannende Beobachtungen, die sich wie Puzzleteilchen in das Gesamtbild einfügen könnten.

So erinnert sich die Nachbarin nicht daran, dass sie Gina H. jemals in Klein Upahl gesehen hätte. Auch bei den Aussagen anderer Zeugen war das bereits ein Thema. So fragte etwa die Tierärztin von Gina H., welche Kontakte sie in den Ort habe – sie konnte nicht verstehen, warum Gina H. die Leiche von Fabian durch Zufall bei Klein Upahl fand. Nachbarin Katrin L. bestätigt nun, Gina H. habe die Ausritte mit ihren Pferden beispielsweise ausschließlich rund um Reimershagen gemacht.
Fall Fabian: Gina H. war nie in Klein Upahl zu sehen
„Wenn ich Freunde in Klein Upahl besucht habe, habe ich dort auch nie ihr Auto gesehen“, sagt die Nachbarin. Und andere Zeugen bestätigten, dass das markante Auto von Gina H. – ein orangefarbener Geländewagen mit Berg-Silhouette an der Seite – viele kannten, weil es unverwechselbar aussah.
Nach der Trennung von Matthias R. (Fabians Vater) und Gina H. habe sie außerdem gleich einen Verdacht gehabt, als sie von Fabians Verschwinden hörte. „Da hatten wir schon das Gefühl: Wenn sie mal nicht die Finger im Spiel hat“, sagte sie vor Gericht über Gina H.

Besonders spannend: An den Tagen nach Fabians Verschwinden habe Gina H. plötzlich anders gewirkt als sonst. „Ihre ganze Art und Weise war mehr so, als ob sie aufpasst, was in ihrer Umgebung passiert“, sagte sie. Zwar konnte die Zeugin vor Gericht keine konkreten Beispiele dafür nennen. Aber: Sie habe den Eindruck, dass Gina H. an den Tagen nach dem Verschwinden des Jungen anders war als sonst. Als die Leiche von Fabian gefunden war, sei H. auch nicht schlecht drauf gewesen.
Nachbarin: Gina H. machte immer gern Feuer
Gina H. habe immer gern Feuer gemacht. In der Zeit nach dem Fund der Leiche habe sie immer wieder mit Olaf K. an der Feuerschale gesessen und gelacht. „So kennt man Gina eigentlich gar nicht. Man kennt sie eher aggressiv“, sagte sie. Die Zeugin hinterfragte auch die Aussage von Gina H., der kleine Fabian sei für sie wie ein Ziehsohn gewesen. „Ich weiß nicht, ob das so war. Ich habe nie mitbekommen, dass sie zu ihrem eigenen Kind liebevoll war.“
Sie habe auch über die Jahre immer wieder Geschichten über Gina H. gehört. In ihrer Vernehmung bei der Polizei hatte die Nachbarin bereits geäußert: „Für mich ist Gina auf jeden Fall eiskalt und berechnend.“


