Es ist bereits der dritte Verhandlungstag im Fall Fabian aus Güstrow, an dem ein „Tümpelzeuge“ vernommen wird. In diesem Fall ist es eine Zeugin: Nachdem Gina H. schon einen Tag vor dem offiziellen Fund von Fabians Leiche zwei Bekannte zum Tümpel bei Klein Upahl führte und ihnen die sterblichen Überreste des Jungen zeigte, kam sie am 14. Oktober mit ihrer Freundin Heike M. zum Tatort. Auch ihr zeigte sie Fabian – und danach riefen sie die Polizei. Die Schilderungen von Heike M. werfen neue Rätsel um das Verhalten von Gina H. auf.
Zeugin im Fall Fabian packt über Plan von Gina H. aus
Schon am Montag rief Gina H. bei der Zeugin Heike M. an – es war der Tag vor dem offiziellen Fund von Fabians Leiche. Aus heiterem Himmel berichtete die Angeklagte, sie habe ein komisches Gefühl in der Magengrube. „Ich habe das Gefühl, dass Fabian nicht mehr lebt“, soll Gina H. ihr gesagt haben. Für die Freundin von Gina H. unverständlich – sie selbst sei der festen Überzeugung gewesen, dass Fabian noch lebt.
Am nächsten Tag ein weiterer Anruf. Gina H. habe sie angerufen und gesagt: „Wir haben ihn gefunden, er ist tot.“ Sie habe berichtet, dass sie mit ihren Bekannten schon in der Nacht am Tümpel war, dass sie Fabians Leiche entdeckt hätte.
Heike M. fragte da schon, warum sie nicht die Polizei alarmiert habe. Gina H. gab an, ihren Freund Christian D. schützen zu wollen. Denn er ist Jäger, nahm bei der Suche auf dem Feld sein Nachtsichtgerät mit. Doch das dürfe er nicht in einem fremden Revier nutzen.

Gina H. habe nun nach einer Lösung gesucht – auch, um selbst nicht damit in Verbindung gebracht zu werden. Ihr Vorschlag sei es laut Heike M. gewesen, dass die beiden einen Spaziergang mit dem Hund von M. am Tatort machen – denn so könnten sie der Polizei erzählen, der Hund habe die Leiche gefunden.
Hund von Heike M. pinkelte neben Fabians Leiche
Immer wieder habe Heike M. allerdings gefragt, warum sie nicht die Polizei gerufen habe. Sie habe geantwortet: „Ich darf nicht.“ Stattdessen habe sie gesagt, sie wolle mit dem Hund zum Tümpel gehen, denn dann seien da ihre Fußspuren.
Vor Ort setzte sie den Plan in die Tat um. Kurze Zeit später sei Gina H. vom Tümpel zurückgekommen. Sie habe zu Heike M. gesagt: „Er ist das noch. Er sieht schlimmer aus als beim ersten Mal.“ später im Prozess sagte Heike M., die Reaktion von Gina H. sei kalt gewesen. „Wenn ich den Kleinen da finde und ich komme da hoch und ich bin so gefühlslos – das war so kalt“, sagte sie.
In der Vernehmung hatte Heike H. noch mehr Details angegeben: Dort sagte sie laut dem Richter, dass Fabian keine Augen mehr habe und auch seine Hand verschwunden sei. Makaber außerdem: Gina H. habe verkündet, dass der Hund von Heike M. am Tümpel uriniert habe - und habe beinahe stolz gewirkt, dass er diese Spur hinterlassen hatte.

Wieder ging es nach dem Gang zum Tümpel darum, wer nun die Polizei verständigt. Doch Gina H. habe zunächst abgelehnt – sie habe keine Erklärung dafür, dass sie schon einmal am Tümpel gewesen sei. Heike M. selbst habe nicht glauben wollen, dass Fabian tatsächlich tot am Tümpel liegt. Gina H. war es dann, die die Polizei rief.
Während sie vor Ort auf die Beamten warteten, sei Gina H. nicht aufgebracht oder aufgeregt gewesen. „Sie war sehr ruhig, sie hat sich nicht viel unterhalten“, sagte Heike M.
Für die Zeugin ist im Fall Fabian vieles unlogisch
Für die Zeugin sei im Zusammenhang mit dem Mord an Fabian vieles unlogisch gewesen. Etwa die Tatsache, dass Gina H. den Ort laut ihrer Aussage interessant für die Suche fand, weil sie dort früher mit Fabian und ihrem Kind Schlitten gefahren sei. „Für mich war das überhaupt nicht logisch, weil da keine Berge sind“, sagte sie.
Viele Fragen habe sie gestellt, aber keine Antworten von Gina H. bekommen. Die habe aber Wert darauf gelegt, dass Heike M. gegenüber der Polizei nichts von den Ausflügen mit ihren Bekannten am Vorabend berichtet. Doch sie stellte klar: „Ich werde nicht lügen.“


