Neue Details im Prozess

Mordfall Fabian: Rätsel um Turnschuhe bringt Gina H. unter Druck

Im Mordprozess um Fabian rücken plötzlich Turnschuhe in den Fokus. Ein Zeuge schildert, was Gina H. nach der Tat mit ihnen getan haben soll.

Author - Florian Thalmann
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Gina H. sitzt im Mordfall Fabian vor Gericht. Ihr wird vorgeworfen, den acht Jahre alten Jungen im Oktober getötet zu haben.
Gina H. sitzt im Mordfall Fabian vor Gericht. Ihr wird vorgeworfen, den acht Jahre alten Jungen im Oktober getötet zu haben.Bernd Wüstneck/dpa

Jeder Prozesstag im Mordfall Fabian aus Güstrow bringt weitere Details ans Licht – und neue Informationen, die die Angeklagte Gina H. in Bedrängnis bringen. Bei der Verhandlung am Dienstag ging es nun auch um Turnschuhe, die die 30-Jährige ein weiteres Mal in Bedrängnis bringen könnten. Es geht um die Schuhe, die die Tatverdächtige im Fall Fabian trug, als sie einen Bekannten zur Leiche des Jungen führte. Und vor allem um das, was sie im Anschluss mit den Schuhen machte.

Gina H. führte zwei Bekannte in einer Nacht zur Leiche

Am Dienstag sagte im Prozess um den Mord an Fabian ein neuer Zeuge aus: Olaf K., der von Gina H. schon vor dem Fund von Fabians Leiche zum Tatort geführt wurde. Am 13. Oktober 2025 rief sie ihn an und berichtete ihm, dass sie mit einem anderen Bekannten an dem Tümpel bei Klein Upahl war – und dass sie dort Fabians Leiche gefunden hätten.

Allerdings sei sich Gina H. nicht ganz sicher gewesen und habe noch einmal nachschauen wollen. Im Auto lotste sie Olaf K. zum besagten Tümpel und führte ihn dort zum Körper des kleinen Fabian.

Danach riefen sie nicht die Polizei, sondern fuhren wieder nach Hause. Am darauffolgenden Tag alarmierte Gina H. zusammen mit einer Bekannten die Polizei, führte mehrere Beamte zu der Stelle. Brisant ist allerdings das, was am nächsten Tag passierte: Wie jetzt vor Gericht herauskam, soll die Angeklagte ihrem Bekannten Olaf K. ihre weißen Turnschuhe gebracht haben – jene, die sie am Abend des Ausflugs an den Todes-Tümpel trug.

Christine Habetha vertritt Dorina L., die Mutter des getöteten Fabian, vor Gericht. Sie tritt als Nebenklägerin in dem Verfahren auf.
Christine Habetha vertritt Dorina L., die Mutter des getöteten Fabian, vor Gericht. Sie tritt als Nebenklägerin in dem Verfahren auf.Bernd Wüstneck/dpa

„Sie brachte mittags ihre Schuhe, ein paar weiße Turnschuhe, die sie an dem Abend anhatte“, sagte er vor Gericht. Doch damit nicht genug. „Ein paar Tage später kam sie mit einer Tüte Schuhe zu mir, alles weiße Turnschuhe.“ Der Richter zeigte im Prozess auch mehrere durchsichtige Plastiktüten, in denen sich die Turnschuhe befanden. Warum brachte Gina H. die Schuhe zu ihrem Bekannten? „Ich sollte die beiseitelegen, damit sie bei ihr nicht gefunden werden“, sagt Olaf K.

Bekannter sollte Schuhe von Gina H. beiseite legen

Er sei ihr bester Freund gewesen, sagt K. „Ich habe die bei mir in der Garage ins Regal gestellt und da blieben sie stehen. Dann kam sie zwei Tage später mit einem großen Beutel mit noch mehr Schuhen. Die sollte ich auch beiseite tun.“ Hinterfragt habe er all das nicht – er habe es einfach gemacht. Auffällig dabei: Die Schuhe seien sauber gemacht worden, sagte er jetzt bei der Vernehmung.

Bei der Befragung durch die Anwälte fragte Christine Habetha, die Anwältin von Fabians Mutter Dorina L., dann noch einmal nach dem Zustand der Schuhe. Und erinnerte daran, dass Olaf K. in der ersten Vernehmung angegeben hatte, die Turnschuhe seien nass gewesen.

Auch die Schuhe, die Gina H. ihrem bekannten übergab, spielten bei der Verhandlung im Prozess um Fabian am Dienstag eine Rolle.
Auch die Schuhe, die Gina H. ihrem bekannten übergab, spielten bei der Verhandlung im Prozess um Fabian am Dienstag eine Rolle.Bernd Wüstneck/dpa

Olaf K. behielt die Schuhe nicht ewig. Im Gegenteil: Schon einen Tag später meldete er sich bei Gina H. und bat sie, die Turnschuhe wieder zu sich zu nehmen. „Ich hab ihr am Tag danach gesagt, sie soll ihren Scheiß wieder abholen. Die ganze Sache wurde mir zu heiß.“ Von seinem Rückzieher sei die 30-Jährige alles andere als begeistert gewesen. Denn auch eine andere Sache wird bei den Verhandlungen deutlich: Gina H. schien Angst zu haben, dass die Polizei etwas bei ihr finden könnte.

Hatte Gina H. Angst, dass Spuren gefunden werden?

So berichtete sie in einem Telefonat mit Olaf K. über ein Gespräch, das sie mit einem anderen Bekannten hatte. „Ich habe ihm gesagt, dass mir der Arsch auf Grundeis geht wegen meines Autos. Aber er meinte, wenn ich ordentlich gereinigt habe, dann finden die da eh keine Spuren.“ Auch Wildkameras machten der Angeklagten im Fall Fabian aus Güstrow offenbar Sorgen. So fürchtete sie offenbar, dass es Kameras geben könnte, die sie und ihr Auto gefilmt haben könnten.

Was hinter alldem steckt, ist aktuell völlig unklar. Für Gina H. gilt bis zu einer Verurteilung durch das Gericht die Unschuldsvermutung. Klar ist nur, dass sie die wichtigste Tatverdächtige für die Ermittler ist: Laut Anklage glaubt die Staatsanwaltschaft, dass Gina H. den kleinen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober zu Hause abholte, mit ihm zu dem besagten Tümpel fuhr und ihn dort mit mindestens sechs Messerstichen tötete.

Anschließend soll sie den Tatort verlassen haben, später aber zurückgekommen sein, um die Leiche des Jungen mit Grillanzünder anzuzünden. Der Prozess soll bis zum Herbst diesen Jahres klären, ob sie wirklich etwas mit der Tat zu tun hat.

Haben Sie den Fall Fabian verfolgt? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!