Sie war die Traumfabrik der DDR: Die DEFA, die am Sonntag vor 80 Jahren als erste deutsche Filmfirma nach dem Zweiten Weltkrieg in Babelsberg gegründet wurde. Ohne sie wäre die gesamtdeutsche Filmgeschichte gar nicht denkbar. Denn so mancher große Filmstar im Westen begann seine Karriere bei der DEFA im Osten.
Hildegard Knef: Von der DEFA zum Welt-Star
„Die Legende von Paul und Paula“, „Spur der Steine“, „Solo Sunny“: Über 4000 Spiel-, Animations-, Dokumentar- und Kurzfilme produzierte die DEFA. Wenige Tage vor ihrer Gründung am 17. Mai 1946 fiel bereits die erste Klappe für den ersten deutschen Nachkriegsfilm „Die Mörder sind unter uns“. Mit der braunen Vergangenheit sollte der erste DEFA-Film aufräumen.

Mit dem Dreh im zerbombten Berlin wurde Regisseur Wolfgang Staudte (1906-1984) beauftragt. Die Hauptrolle spielte die damals noch unbekannte Hildegard Knef (1925-2002). Der erste Regisseur und die erste Hauptdarstellerin der DEFA – sie wurden später im Westen Stars.
DEFA-Regisseur drehte den ZDF-„Seewolf“
Dabei hätten beide eine glänzende Zukunft in der Traumfabrik der DDR gehabt. Staudte drehte noch zwei legendäre Filme für die DEFA: „Der Untertan“ (1951) und „Die Geschichte vom kleinen Muck“ (1953). Nach einem Streit mit Bertolt Brecht über ein Filmprojekt („Mutter Courage“) verließ Staudte die DDR.

In der Bundesrepublik begann Staudte seine Karriere mit einem Film, der sich kritisch mit der Aufarbeitung der Nazi-Herrschaft im Westen auseinandersetzt – „Rosen für den Staatsanwalt“ (1958). In den 70er-Jahren drehte Staudte die legendären ZDF-Vierteiler „Der Seewolf“ und „Lockruf des Goldes“.
Die erste DEFA-Hauptdarstellerin Hildegard Knef wurde ein Weltstar. Nach „Die Mörder sind unter uns“ ging sie einfach ihren eigenen Weg. Ihren nächsten Film drehte sie 1948 bereits im Westen („Film ohne Titel“). Hildegard Knef heiratete den amerikanischen Offizier Kurt Hirsch, ging mit ihm nach Hollywood.

Neben Gregory Peck ist sie in dem Hollywood-Klassiker „Schnee am Kilimandscharo“ (1952) zu sehen. Mit „Die Sünderin“ (1951) oder „Jeder stirbt für sich allein“ (1976) schrieb Hildegard Knef (west)deutsche Filmgeschichte.
Werner Peters: Vom DEFA-Untertan zum Edgar-Wallace-Schurken
Auch diesen Weststar schuf die DDR-Traumfabrik: Werner Peters (1918-1971), der die Hauptrolle im DEFA-Klassiker „Der Untertan“ spielte. Dafür wurde der Schauspieler, der später im Westen in Edgar-Wallace-Krimis und in Dr.-Mabuse-Filmen zu sehen war, sogar mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet.

Doch trotz dieser großen Ehre im SED-Staat: Werner Peters blieb nicht in der DDR. Er brach mit dem Ulbricht-Regime, ging in den Westen. Auch Peters folgte dem Ruf nach Hollywood. In amerikanischen Kriegs- und Agentenfilmen war er Gegenspieler von Stars wie Henry Fonda, James Garner und Rod Taylor.
Wolfgang Kieling: Erst DEFA, dann Hitchcock
Wolfgang Kieling (1924-1985) ist ein weiterer Weststar, der bei der DEFA begann. 1955 spielte er die Hauptrolle in dem Film „Genesung“, den der DDR-Starregisseur Konrad Wolf drehte.
Danach ging Kieling in den Westen, drehte unter anderem unter Alfred Hitchcock („Der eiserne Vorhang“, 1966), um dann wieder kurzzeitig in die DDR zurückzukehren. „Das siebente Jahr“ (1968) war einer der DEFA-Filme, in dem Kieling mitspielte.



