Wer nach wirklich legendären Filmen aus der DDR-Geschichte sucht, der kommt an diesem nicht vorbei: „Das kalte Herz“ ist nicht nur einer der gruseligsten Märchenfilme, die in den Studios in Babelsberg entstanden, sondern auch ein ganz Besonderer: Er wurde zum ersten Farbfilm in der Geschichte der DDR! Noch heute gruseln sich viele beim Anblick des Holländer-Michel, fiebern mit Kohlenmunk-Peter und seiner Lisbeth. Eine der besonderen Figuren des Märchens war das Glasmännlein, auch Schatzhauser genannt, eine wirklich märchenhafte Figur. Doch Schauspieler Paul Bildt, der sie spielte, hatte ein trauriges Geheimnis.
„Das kalte Herz“ ist das gruseligste Märchen der DDR
„Das kalte Herz“ ist ohne Frage eines der berühmtesten Märchen aus der DDR – und das ist kein Wunder. Die packende Story, die für damalige Verhältnisse unglaublichen Spezialeffekte und ein besonders gruseliger Holländer-Michel machten den Film zur Legende. Paul Verhoeven verfilmte das gleichnamige Märchen von Wilhelm Hauff mit einem Budget von insgesamt 4 Millionen Mark der DDR. Auf dem Freigelände des Studio Babelsberg entstanden riesige Kulissendörfer, manche Außenaufnahmen wurden aber auch in Wäldern bei Tabarz und rund um Schwarzburg gedreht.
Der Film feierte im Dezember 1950 im Berliner Kino Babylon seine Premiere – rund zehn Millionen Menschen zog es damals in die Filmpaläste. Und der Märchenfilm hat bis heute nichts von seinem Charme verloren. Noch immer wird „Das kalte Herz“ regelmäßig gezeigt, der Streifen läuft etwa am Sonntag um 16.20 Uhr. Der Sender feiert aktuell das 80-Jahre-Jubiläum der DEFA – und da kommt man an einem legendären Märchen wie „Das kalte Herz“ einfach nicht vorbei.

Aber: Worum ging es im Film? Der Streifen „Das kalte Herz“ dreht sich um den Köhler Peter Munk, der auch als „Kohlenmunk-Peter“ bezeichnet wurde. Er lebt mit seiner Mutter in einer Hütte im Wald. Er ist arm und möchte daran etwas ändern, weshalb er in den Wald geht und das Glasmännlein sucht. Er ruft es mit dem berühmten Spruch „Schatzhauser im grünen Tannenwald, bist schon viel hundert Jahre alt. Dir gehört all Land, wo Tannen stehn, lässt dich nur Sonntagskindern sehn.“ Das Glasmännlein erscheint und erfüllt ihm Wünsche, die am Ende aber nur mehr Probleme bringen.
„Das kalte Herz“ wird jetzt wieder im Fernsehen gezeigt
Er wendet sich daraufhin an den Holländer-Michel, der ihm zwar Reichtum und Ansehen verspricht, der Kohlenmunk-Peter muss ihm dafür aber sein Herz überlassen. Peter Munk wird daraufhin zwar reich, aber kalt und herzlos, denn der Holländer-Michel hat ihm ein Herz aus Stein eingesetzt. Wird es Peter gelingen, sein Herz wiederzubekommen? Erfüllt ihm das Glasmännlein einen letzten Wunsch? Und kann er mit seiner Lisbeth am Ende glücklich werden? All das erfahren die Zuschauer in „Das kalte Herz“ am Sonntag um 15.20 Uhr im MDR.

Berühmt wurde der Film auch, weil großartige Schauspieler den Figuren Leben einhauchten. Lutz Moik schlüpfte in die Rolle des Peter Munk, Hanna Rucker spielte Lisbeth und Erwin Geschonneck trat als legendärer und wirklich gruseliger Holländer-Michel auf. Doch auch an das Glasmännlein, auch Schatzhauser genannt, erinnern sich viele gern. Schauspieler Paul Bildt war es, der die Rolle übernahm. Bildt war einer der bekanntesten Charakterdarsteller beim deutschen Film, stand nicht nur in „Das kalte Herz“ vor der Kamera, sondern auch in etlichen anderen Produktionen.
Paul Bildt stand schon mit acht Jahren auf der Bühne
Paul Bildt wurde in Berlin geboren, war der Sohn eines Mannes, der zunächst Gemischtwarenhändler und später Gastwirt war. Schon im Alter von 14 Jahren stand er in einem Theaterstück auf der Bühne und erregte Aufsehen, weil er einen Lehrer parodierte. Er sollte erst Polizist werden, brach die Ausbildung aber ab und ließ sich stattdessen zum Schauspieler ausbilden.
Es folgten Engagements unter anderem am Berliner Schillertheater, wo Paul Bildt insgesamt acht Jahre lang auf der Bühne stand. Im Jahr 1910 feierte er im Stummfilm „Schuld und Sühne“ seine Filmpremiere. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er zu einem der gefragtesten Schauspieler der Stummfilmzeit.
Der Zweite Weltkrieg brachte jedoch das dunkelste Kapitel im Leben des Schauspielers mit sich: Paul Bildt war mit der jüdischen Schauspielerin Charlotte Friedländer verheiratet – und musste deshalb berufliche Konsequenzen fürchten.

Allerdings genoss er aufgrund seines Könnens und seiner Popularität besonderen Schutz, landete sogar auf der sogenannten „Gottbegnadeten-Liste“, auf der zahlreiche deutsche Künstler standen, die aus Sicht der Machthaber der NS-Zeit besonders schützenswert waren. Allerdings musste Bildt auch in Propagandafilmen mitspielen.
Paul Bildt und Tochter Eva wollten sich das Leben nehmen
Charlotte Friedländer starb im März 1945 an Krebs. Als der Zweite Weltkrieg endete, lebten Paul Bildt und seine Tochter Eva Bildt im Landhaus des berühmten Theaterintendanten Gustaf Gründgens in Zeesen. Doch dann wurde der Ort durch die Rote Armee besetzt.
Die Folge: Paul Bildt und seine Tochter wollten sich aus Angst das Leben nehmen. Ein trauriges Phänomen der damaligen Zeit: unzählige Menschen brachten sich im Frühjahr 1945 um, als die Truppen den Nordosten Deutschlands einnahmen. Soldaten steckten Häuser in Brand, vergewaltigten Mädchen und Frauen, erschossen Männer. Tausende trieb es aus Angst in den Suizid.
Auch Paul Bildt und seine Tochter: Sie nahmen am 26. April 1945 eine Überdosis Veronal – ein starkes Schlafmittel, das leicht zum Tod führen kann. Eva Bildt überlebte die Einnahme nicht, Paul Bildt wurde gerettet. Tagelang lag er im Koma, danach folgte eine lange Phase der Genesung. Erst nach Jahren konnte der Schauspieler zurück auf die Bühne, spielte unter anderem am Düsseldorfer Schauspielhaus und an den Münchner Kammerspielen. Er fand zurück auf die Bühne und vor die Kamera. Doch seine Tochter Eva konnte ihm niemand zurückbringen.




